Super League

YB ist Meister, der FCB fix auf Rang zwei – die Reaktionen aus Basel

«Was da am Samstagabend in Bern passiert ist, hat uns wirklich geschmerzt. Wir sind im Stolz verletzt.»

«Was da am Samstagabend in Bern passiert ist, hat uns wirklich geschmerzt. Wir sind im Stolz verletzt.»

Die Berner Young Boys konnten am Samstagabend nach 32 Jahre ohne Meistertitel endlich wieder feiern: Mit einem 2:1-Sieg gegen Luzern realisieren die Berner den neunten Meistertitel. Dies sind die Reaktionen aus Basel:

Da stehen die FCB-Stars vor der Muttenzer Kurve und feiern mit ihren treusten Fans den 6:1-Triumph gegen Thun. Übrigens der höchste FCB-Heimsieg diese Saison. Aber letztlich bringt er nichts. Basel ist entthront, wird nach acht Titeln in Serie diese Saison erstmals nicht Meister. YB dagegen feiert nach 32 Jahren den neunten Meistertitel und versinkt in Euphorie. Und in Basel? Da singt die Muttenzer Kurve nach dieser Watsche für Thun: «YB isch närvös, YB isch närvös!»

Ja, was ist denn hier los? Das hat man sich schon während dem Spiel gefragt. Der FCB macht gegen Thun das wohl beste Liga-Spiel unter Raphael Wicky, vergibt Chancen zuhauf und gewinnt dennoch mit 6:1. Fast hat man den Eindruck, als wäre mit dem definitiven Wissen, dass man nach acht Jubeljahren erstmals eine titellose Saison haben wird, eine Last abgefallen. Oder war es doch vielmehr ein Zeichen Richtung Bern? «Das kann man so sehen», sagt FCB-Captain Marek Suchy, «unser Ziel für nächste Saison ist es, dahin zurückzukehren, wo wir hingehören.» Eine leicht verklausulierte Kampfansage an den neuen Meister.

Der FC Basel gratuliert YB zum Meistertitel

Direkter wird Sportchef Marco Streller: «Wir sind im Stolz verletzt. Was da am Samstagabend in Bern geschehen ist, hat uns wirklich geschmerzt.» Dabei ist er noch nicht einmal so weit gegangen, dass er sich das Spiel angeschaut hätte. So masochistisch ist er einerseits nicht veranlagt, andererseits hatte er anderes zu tun, feierte mit Bekannten und Freunden den 40. Geburtstag seines Cousins. «Da kriegst du zwangsläufig irgendwie mit, was in Bern passiert», sagt er. Und als dann jemand erzählte, dass es 1:1 stehe, da meinte Streller bloss: «YB macht sowieso noch einen.» Zu stark waren die Berner die Saison, zu konstant, zu stabil – das musste der FCB-Sportchef längst anerkennen.

Strellers SMS an Wölfli und Spycher

Seit Wochen hat sich angebahnt, was am Samstagabend in Stein gemeisselt wurde: YB holt 32 Jahre nach dem achten Meistertitel seinen neunten. «Trotzdem, wenn es dann definitiv ist, tut es weh», sagt Streller. Der FCB-Sportchef ist aber nicht nur ein ehrgeiziger Sportsmann geblieben, sondern auch ein fairer.

Nsamés Tor zum 12. Meistertitel

Als das Spiel vorbei war, da hat er seinen ehemaligen Nati-Kollegen, YB-Goalie Marco Wölfli («Er hat eine überragende Rückrunde gespielt», so Streller) und YB-Sportchef Christoph Spycher, eine persönliche SMS geschrieben, ihnen gratuliert zu diesem Husarenstück, dieser fast schon kitschigen Geschichte, die sie diese Saison geschrieben haben. Und er sagt: «YB hat sich das verdient.»

Wie aber konnte es kommen, dass der FC Basel nach acht erfolgstrunkenen Jahren diesen Sommer ohne Titel dastehen wird? «Wir haben zahlreiche Wechsel gehabt, auf allen Ebenen», sagt Streller. Rückblickend meint er, dass man im Winter wohl zu viele Transfers getätigt, zu stark ins Teamgefüge eingegriffen habe. «Wir haben Fehler gemacht. Wir dürfen diese bloss nicht wiederholen», sagt Streller. Dann aber kommt er nicht umhin, auch die Champions League zu erwähnen. «Wir haben die beste Kampagne der Vereinsgeschichte gespielt, fünf von acht Spielen gewonnen – trotz all den Wechseln. Das darf man nicht vergessen.»

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Der FCB ist nicht nervös

Die magischen Nächte sind zurück, die Meisterschaft aber ist passé. Cheftrainer Raphael Wicky geht zwar als Trainer in die FCB-Geschichte ein, der die Titelserie reissen liess, zugleich aber auch als jener Mann, der die Basler wieder träumen liess. Auch dieser Tatsache hat er zu verdanken, dass er beim FCB noch immer an der Seitenlinie steht. «Ich weiss nicht, bei wie vielen Klubs Raphi nach dem Rückrundenstart noch Trainer geblieben wäre. Aber wir wussten, warum wir ihn wählten. Er ist ein junger Trainer, hat Fehler gemacht – wie ich auch. Aber zugleich hat er auch sehr vieles richtig gemacht», so Marco Streller.

Wicky selbst sagt: «Man kann YB nur gratulieren, was ich auch schon gemacht habe. Sie haben es verdient, Meister zu werden. Das muss man so sagen. Aber für uns ist wichtig, dass wir die Saison nun trotzdem gut abschliessen, denn nächste Saison wollen wir wieder oben sein.» Vor diesem Hintergrund darf man die gestrige Leistung getrost als kleine Kampfansage an den neuen Meister verstehen. Basel ist gestrauchelt, Basel ist gefallen, aber Basel steht wieder auf und will zurück, wo es hingehört. Nach ganz oben. So ist das Selbstverständnis in der Rheinstadt. Nervös sind die anderen, nicht der FCB.

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