Es ist ja nicht so, dass Yann Sommer mit seinen Gladbachern zum ersten Mal in der Schweiz aufkreuzen würde. Nein, die Borussia war gleich nach der letzten Saison für fünf Tage da, spielte gegen Luzern und besuchte den Pilatus. Sie war gerade vor ein paar Wochen wieder hier, um in Grenchen und Biel am Uhrencup teilzunehmen. Und nun ist sie, ohne den jungen Schweizer Djibril Sow mitgenommen zu haben, gestern Mittag in Bern eingetroffen, wo sie heute Abend in den Champions-League-Playoffs das Hinspiel gegen die Young Boys bestreitet. «Ich freue mich, schon wieder in meiner Heimat zu sein», sagt Sommer, bevor er sich zum Abschlusstraining hinunter auf den Kunstrasen des Stade de Suisse begibt. «Es ist immer schön, ganz in der Nähe seiner Familie zu spielen.»

Erst einmal in Bern gewonnen

Ausser vielleicht, wenn es in dieses Stade de Suisse geht. Hier ist Sommer nämlich schon neun Mal aufgelaufen; als Goalie von Vaduz, GC und des FC Basel. Gewonnen hat er dabei aber nur ein einziges Mal, am 29. Mai 2013 mit dem FCB, dafür fünf Mal unentschieden gespielt und drei Mal verloren. Dass er auf Kunstrasen spielen muss, ist ihm egal. Sagt er jedenfalls. «Ich bin mir das ja aus der Schweiz gewohnt. Ich weiss, dass der Ball anders aufspringt und sehr schnell wird, wenn der Rasen nass ist.»

Dass seine Teamkollegen, welche noch nicht so oft auf einer solchen Unterlage gespielt haben, Probleme bekommen könnten, glaubt Sommer nicht: «Wir haben zu Hause auch einen Trainingsplatz mit Kunstrasen, YB wird daraus also keinen grossen Vorteil ziehen können.» Ebenso glaube er nicht, dass es für seine Mannschaft ein grosser Nachteil sei, dass die Bundesligasaison noch nicht begonnen habe und das erste nationale Pflichtspiel erst am Samstag ausgetragen werde. Wenn es im DFB-Pokal gegen die Amateure des SV Drochtersen/Assel geht. «Wir haben eine gute Vorbereitung absolviert, die neuen Spieler passen sehr gut zu uns und es geht in diesen Playoffs um so viel, dass es nicht wichtig ist, ob der Gegner schon ein paar Spiele mehr in den Beinen hat», sagt Sommer.

Der Weg an die grossen Geldtöpfe

In der Tat geht es um viel in diesen Partien. Der Verlierer erhält zwar ein Trostpflaster von drei Millionen Euro und hat die Europa League bereits auf sicher. Doch die grossen Geldtöpfe stehen nun mal in der Champions League, wo Mönchengladbach in der letzten Saison 30 Millionen Euro eingenommen hat. Noch vor zwei Wochen hatte es danach ausgesehen, als ob Sommer nach einem Kapselbandriss im Sprunggelenk nicht fit werden würde für die Partie in Bern. «Die Heilung ist dank intensiver Therapie jedoch schnell erfolgt», sagt Sommer, der am Samstag beim 0:0 gegen Lazio Rom den Belastungstest bestand. Das letzte Pflichtspiel hat der 27-Jährige am 25. Juni im EM-Achtelfinal gegen Polen bestritten.

Wenn YB im Rückspiel gegen Schachtar Donezk noch davon profitiert hatte, dass es von den Ukrainern unterschätzt wurde, so dürfen die Berner nicht darauf hoffen, denselben Fehler könnte auch das in Bestbesetzung antretende Mönchengladbach machen. «YB ist ein schwerer Brocken, es verfügt über individuell starke Spieler und ist gut eingespielt», sagt Sommer.

Obwohl die Borussia mit gesamthaft 104 Einsätzen der Kaderspieler in der Champions League deutlich erfahrener ist, als die Berner mit 31, reichen Sommers 20 Partien in der Königsklasse aus, um die interne Rangliste vor Oscar Wendt (18) anzuführen. «Wir haben in der letzten Saison erleben dürfen, wie grossartig die Champions League ist», sagt Sommer. «Deshalb wollen wir wieder dorthin. Unbedingt.»