Es ist ein Nachmittag der grossen Emotionen in Bern. Es ist die Revanche für den Cup-Achtelfinal vom letzten Donnerstag. Die Chance auf Wiedergutmachung für YB. Die Chance aber auch für den FCZ, zu beweisen, dass er auch unter Sami Hyypiä in der Meisterschaft siegen kann.

Am Ende aber steht dieses 1:1. Ein Unentschieden, das aus beiden Teams Verlierer macht. Wie nun mit so einem Nachmittag umgehen? Am deutlichsten war Sami Hyypiä die schlechte Laune anzusehen. Immer wieder seufzte er und schüttelte den Kopf. Und selbst als er auf finnisch befragt wurde, gab er sich einsilbig. Tief im Innern war er überzeugt davon, dass sein Team mehr als diesen einen Punkt verdient gehabt hätte.

Gewiss hat diese Gefühlslage viel mit dieser einen Szene in der 69. Minute zu tun. Oliver Buff zieht an YB-Torhüter Marco Wölfli vorbei und fällt. Penalty oder nicht? Hören wir rein bei den Direktbeteiligten. Wölfli: «Buff hebt ab, aber hängt nicht ein, darum muss man das nicht pfeifen.» Buff: «Ein klares Foul, sonst könnte ich ja einfach den Ball ins Tor schiessen.» Schiedsrichter Amhof: «Die Berührung war zu wenig klar für einen Penalty.»

YB-Trainer Hütter: «Da hatten wir wohl Glück.» Hyypiä: «Ich habe nichts zu sagen. Ich bin die falsche Person für diese Frage. Aber klar: Es muss Penalty sein und eine rote Karte.»

Bemerkenswert war die Gelassenheit, wie Buff – im Gegensatz zu seinem Trainer – den Entscheid akzeptieren konnte. «Ich mache dem Schiedsrichter keinen Vorwurf, es ging alles sehr schnell. Wir sollten uns an der eigenen Nase nehmen.» Zumal Kevin Bua den Ball unmittelbar danach neben das leere Tor setzte.

Hütter: «Kann doch nicht sein!»

Wölfli wurde so zum einzigen Gewinner des Nachmittags. Dass er im Tor stand, war eine Belohnung von Hütter. «Er ist eine Vereins-Ikone, er ist als Typ wichtig für das Team und hat sich den Einsatz mit guten Trainingsleistungen verdient.» Die Hierarchie im YB-Tor bleibt allerdings bestehen, Yvon Mvogo ist weiterhin die Nummer eins.

Am Anfang unter Hütter standen die fünf Siege in Serie. Nun hat YB indes bereits vier Mal hintereinander nicht gewonnen. Und bei zwei Unentschieden (gestern und in Vaduz) das Glück des Schiedsrichters in Anspruch nehmen können, der Penaltys übersah. Hütter sprach Klartext: «Es kann doch nicht sein, dass wir nach fünf Siegen und einer Woche mit etwas mehr Schwierigkeiten uns auf einmal nicht mehr getrauen, Fussball zu spielen.» Er meinte vor allem die erste Halbzeit.

Immerhin gelang es YB danach, das Zürcher Tor durch Buff (30.) noch auszugleichen. Kubo traf nur 25 Sekunden nach seiner Einwechslung (66.). Zu mehr reichte es YB aber nicht mehr.

Gute Woche für den FCZ

Zurück zum FCZ. Eigentlich blicken die Zürcher auf eine gute Woche zurück. Zweimal auswärts gegen YB, im Cup gewonnen, nun immerhin nicht verloren. Aber eben: Der FCZ ist weiterhin Tabellenletzter. Auch nach dem achten Versuch in der Liga bleibt Hyypiä «Sieglos-Sami», wie ihn der Boulevard liebevoll nennt.

Torschütze Buff sagte: «Es mag sein, dass wir mit einigem Pech in die Situation kamen, in der wir nun stecken – aber wir müssen der Realität in die Augen schauen und uns bewusst sein, dass wir wohl einige Wochen im Tabellenkeller stecken werden.» Am nächsten Samstag empfängt Zürich im Abstiegsgipfel den FC Vaduz. Die FCZ-Bilanz lässt keine grossen Hoffnungen zu. Seit November 2014 resultierte in der Meisterschaft ein einziger Heimsieg.