Schweizer Cup
YB - GC: Weshalb die Cup-Affiche für beide Mannschaften von kapitaler Bedeutung ist

Drei Tage nach dem diskussionslosen 4:0 in der Super League trifft YB im Cup schon wieder auf GC. Scott Sutter sieht die Berner beim kapitalen Duell und der Meisterschaftsrevanche psychologisch im Vorteil.

Markus Brütsch, Bern
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Auf Augenhöhe: GCs Jean-Pierre Rhyner (rechts) im Kampf mit YBs Kwadwo Duah. Haben die Berner auch im Cup die Nase vorn?

Auf Augenhöhe: GCs Jean-Pierre Rhyner (rechts) im Kampf mit YBs Kwadwo Duah. Haben die Berner auch im Cup die Nase vorn?

Keystone

Natürlich war es auch mal schön, mit der Familie und der Freundin oben auf der Tribüne zu sitzen und ganz entspannt dem Geschehen unten auf dem Rasen zuzuschauen. Aber hätte Scott Sutter selber entscheiden können, dann wäre er am Sonntag im Super-League-Heimspiel gegen die Grasshoppers gewiss auf dem Platz gestanden. «Ich will immer spielen, jeder Fussballer will das. Und wenn es einmal nicht mehr so ist, dann hört man besser auf», sagt Sutter. Wenn er jedoch mit sich ehrlich sei, müsse er zugeben, dass die kurze Pause auch nicht geschadet habe. Zumal er seit dem Abgang von Florent Hadergjonaj zu Ingolstadt stark forciert worden sei.

Morgen Mittwoch aber, wenn es im Stade de Suisse erneut zum Aufeinandertreffen mit GC kommt, muss Kevin Mbabu auf die Ersatzbank zurück und wird Sutter wieder als Rechtsverteidiger in der Startformation stehen. Sutter sagt, er habe bei diesem 4:0 über die Zürcher ein starkes YB gesehen, obwohl Guillaume Hoarau und Sékou Sanogo zu Beginn auf der Ersatzbank gesessen seien.

Träumt vom Cupsieg: Scott Sutter.key

Träumt vom Cupsieg: Scott Sutter.key

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«Es ist ein gutes Zeichen, dass es auch ohne ein paar Leistungsträger möglich ist, eine solch gute Leistung zu zeigen», sagt Sutter. Der 30-Jährige ist jedoch weit davon entfernt, nun im Cup-Achtelfinal einen Spaziergang zu erwarten, bloss weil die Stars wieder dabei sind und YB mit der stärkst möglichen Mannschaft aufläuft. «Das wird ein komplett anderes Spiel sein. Bei GC kehren ja auch ein paar Akteure ins Team zurück. Vor allem Kim Källström ist unglaublich wichtig.»

Dass für beide Klubs nach einem bisher so enttäuschenden Meisterschaftsverlauf der Cup von extremer Bedeutung ist, liegt auf der Hand. «Wir wollen Cupsieger werden», sagt Sutter, der in seiner 14-jährigen Profikarriere noch keinen Titel gewonnen hat. Neben den Europacupspielen gegen seinen Lieblingsklub Tottenham sowie Gegner wie Fenerbahçe, Liverpool und Donezk sind die zwei Länderspiele gegen Australien und Montenegro vor sechs Jahren die Highlights seiner Karriere.

Auch Sutter hatte sich erhofft, dass YB in dieser Saison den FC Basel mehr fordern würde. «Wir hatten extremes Verletzungspech», sagt Sutter, «und die Basler haben eben schon auch ein unglaublich gutes Kader.» Er hofft, dass YB nach dem Sieg über GC nun so richtig durchstarten wird. Und er glaubt, dass YB im «Rückspiel» gegen die Zürcher einen psychologischen Vorteil hat. «Man hat bei GC gesehen, dass das Selbstvertrauen gelitten hat. Dazu spielen wir zu Hause auf dem Kunstrasen, auf dem wir noch nicht oft verloren haben.»

Jubeln erneut die Berner? Hier mit Denis Zakaria.

Jubeln erneut die Berner? Hier mit Denis Zakaria.

Keystone

Sutter ist froh, dass bei den Young Boys nach den Turbulenzen rund um die Entlassung von Sportchef Fredy Bickel und dem Abgang von Verwaltungsrat Urs Siegenthaler wieder Ruhe in den Verein gekommen ist. Er will diese Vorgänge aber nicht als Ausrede für die bescheidenen Leistungen anführen. «Ich denke nicht, dass sie uns auf dem Platz beeinflusst haben», sagt Sutter.

Selber ist er von den Veränderungen im Klub schon bald direkt betroffen. Dann, wenn es um die Frage geht, ob sein am Saisonende auslaufender Vertrag verlängert werden soll oder nicht, wird der Verhandlungspartner nicht mehr Bickel, sondern Christoph Spycher sein. «Ich habe schon bei GC mit ihm zusammengespielt und dann auch bei YB», sagt Sutter. «Es ist mir bewusst, dass eine Freundschaft dann für ihn keine Rolle spielen darf. Ich würde sehr gerne bei YB bleiben, doch wenn der Klub ohne mich planen sollte, müsste ich es eben akzeptieren.»