Fussball
Xherdan Shaqiri: Zwischen Lust und Selbstgefälligkeit

Xherdan Shaqiri erlebt bei Stoke City in der Premier League einen Aufschwung.Wirkt sich das auch auf sein Auftreten in der Schweizer Nationalmannschaft aus?

Etienne Wuillemin
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Xherdan Shaqiri ist in der Premier League angekommen. Wirkt sich das auch auf die Nati aus?

Xherdan Shaqiri ist in der Premier League angekommen. Wirkt sich das auch auf die Nati aus?

KEYSTONE/AP PA/MIKE EGERTON

Es ist kein Tag wie jeder andere im Nationalteam. Als sich die Spieler gestern wie gewohnt in Feusisberg besammeln, fehlt ein Duo: Trainer Vladimir Petkovic und Gökhan Inler. Petkovic weilt wegen des Todes seiner Schwiegermutter in Sarajevo, er stösst heute zur Mannschaft. Inler ist wegen fehlender Spielpraxis nicht nominiert für die Testspiele in Irland (Karfreitag) und gegen Bosnien (nächsten Dienstag).

EM-Tür für Inler noch nicht zu

Darum äussern sich andere. Xherdan Shaqiri an erster Stelle. Was alleine schon deshalb bemerkenswert ist, weil er es zuletzt in schwierigeren Phasen nicht für nötig befand, sich zu erklären. Shaqiri also sagt: «Es war für uns alle eine Überraschung, dass er kein Aufgebot erhalten hat.» Dass die EM-Tür für Inler bereits zu ist, glaubt Shaqiri nicht. «Gökhan wird alles versuchen, um sich ins Team zurückzukämpfen.» Und dann sagt Shaqiri einen Satz, der eigentlich auch ziemlich gut zu ihm selbst passt. «Manchmal muss man Negatives einstecken in einer Karriere.»

Xherdan Shaqiri wechselt zu Stoke City in die Premier League
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Xherdan Shaqiri ist sich mit Stoke City einig
Shaqiri unterzeichnete einen 5-Jahres-Vertrag, der ihm rund 4,5 Millionen Franken pro Jahr einspielt

Xherdan Shaqiri wechselt zu Stoke City in die Premier League

ho/twitter.com

Auch Shaqiri hat das in den letzten Jahren erlebt. Viel zu oft eigentlich für einen seiner Klasse. Es gab Momente in der vergangenen EM-Qualifikation, da verärgerte der 24-Jährige mit selbstgefälligem Auftreten sowohl Beobachter wie auch eigene Mitspieler.

«Ich wollte in die beste Liga der Welt»

Bei Bayern München und Inter Mailand ist Shaqiri in eine Sackgasse geraten. Er spielte viel zu wenig. Im letzten Sommer blieb nur der Ausweg zu Stoke City in die Premier League. Zumindest eines ist in England anders: Shaqiri ist gesetzt. Er spielt immer – wenn er nicht gerade an einer Verletzung leidet wie in den letzten Tagen. Der Kritik begegnet er auch im Rückblick betont aufreizend. «Relativ sehr egal», seien die misslichen Töne gewesen. Und zu den gelegentlichen Spannungen, gerade mit dem designierten neuen Captain Stephan Lichtsteiner, sagt Shaqiri: «Klar gibt es manchmal Komplikationen, das ist völlig normal im Fussball. Vielleicht hat er mal einen Pass zu spät oder gar nicht gespielt. Aber wir verstehen uns gut.»

Die Entscheidung aber, zu Stoke City zu wechseln, sei richtig gewesen. «Ich wollte in die beste Liga der Welt. Ich spiele jedes Wochenende. Und ich bringe gute Leistungen. Das gefällt mir.»

Es wird interessant, wie sich Shaqiris Aufschwung im Vereinsleben auf das Nationalteam auswirkt. Nicht auszuschliessen, dass er bald wieder besser mit dem Druck zurechtkommt, das Schweizer Spiel an die Hand nehmen zu müssen.