EM 2016

Xherdan Shaqiri: «So ein Tor kommt nicht von alleine»

Xherdan Shaqiri. key

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Kaum findet Xherdan Shaqiri zur Form, ist das Turnier schon vorbei. Er spricht über das Aus im Achtelfinal und sein tolles Tor.

Die Schweiz ist wieder in einem grossen Turnier im Achtelfinal ausgeschieden. Wieder nach einem Drama. Wie beurteilen Sie die EM?

Xherdan Shaqiri: Wir haben gute Leistungen gezeigt. Wir wollten primär die Gruppenphase überstehen, das haben wir geschafft. Alles, was dazugekommen wäre, dürfte man als Dessert bezeichnen. Ich finde, wir müssen auch ein bisschen auf dem Boden bleiben. Klar haben wir ein gutes Team, aber wir haben auch Grenzen. Wenn wir diese versetzen wollen, wenn wir in Zukunft gegen grosse Mannschaften weiterkommen wollen, müssen wir aus unseren Fehlern lernen.

Schmerzt das Ausscheiden gegen Polen mehr als vor zwei Jahren gegen Argentinien im WM-Achtelfinal?

Ja, diesmal ist es bitterer. Wir hatten eine grosse Chance, wir hätten die Polen packen können, wir hatten sie im Griff, kamen zu Tormöglichkeiten. Am Schluss muss man sagen: So ist Fussball, im Penaltyschiessen kann alles passieren. Mit dem müssen wir nun leben können.

Bereits 2006 ist die Schweiz im WM-Achtelfinal im Penaltyschiessen gescheitert. Besteht die Gefahr, dass sich das Erlebnis, ja ein Penalty-Komplex in den Köpfen einbrennt?

Nein, das glaube ich nicht. Wir stehen wieder auf. Und ich bin sicher, dass wir im nächsten Penaltyschiessen weiterkommen.

Können Sie sich über Ihr wunderschönes Tor freuen?

Im Moment fällt es etwas schwer. Es hat ja am Schluss nicht viel gebracht. Mit ein bisschen Abstand gelingt es vielleicht eher. Zum Zeitpunkt, als das Tor fiel, war es eines der wichtigsten meiner Karriere – es hat uns in die Verlängerung in einem EM-Achtelfinal gebracht. Aber leider nicht weiter.

Was ging Ihnen durch den Kopf, bevor Sie zum Scherenschlag ansetzten?

Ich sah einfach, wie der Ball perfekt in der Luft liegt. Dann ist alles Instinkt. Ich habe nur auf den Ball geschaut. Dann, als ich auf dem Boden gelandet bin, sah ich das Netz zappeln. Ich habe es ja schon gegen Rumänien probiert – und der Ball ist irgendwo in den Wolken gelandet. Diesmal habe ich Glück gehabt. Aber ich glaube schon, dass so ein Tor nicht von alleine kommt.

Das Tor ist vielleicht eines der schönsten, das es je gab an einer Endrunde. Es wird in sozialen Medien verglichen mit jenem von Hollands Marco van Basten 1988 im Final gegen die Sowjetunion.

Wirklich? Das macht mich natürlich glücklich. Van Basten ist einer der grössten Spieler der Geschichte. Natürlich war es ein sehr schönes Tor, ich werde es wohl auch noch einige Male anschauen. Das Tor war für mein Team, für das ganze Land, darauf bin ich stolz. Aber am Ende dominiert bei mir trotzdem die Enttäuschung, weil wir ausgeschieden sind.

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