Ski Alpin

Wo «Def» einst das Siegen lernte

Der Startschuss in eine erfolgreiche Karriere: Didier Défago gewinnt 2002 den Super-G vor Hannes Reichelt (links) und Marco Büchel.

Der Startschuss in eine erfolgreiche Karriere: Didier Défago gewinnt 2002 den Super-G vor Hannes Reichelt (links) und Marco Büchel.

Für Didier Défago ist der Abschied aus Val Gardena mit Emotionen verbunden. Vor mehr als zehn Jahren hatte er dort seinen ersten Weltcup-Sieg feiern dürfen.

Das Datum kommt wie aus der Pistole geschossen: 20. Dezember 2002. Das ist der Tag, an dem die grosse Karriere von Didier Défago begann und er im Super-G von Val Gardena seinen ersten Weltcupsieg feierte – vor Hannes Reichelt und Marco Büchel und Leuten wie Aamodt, Svindal, Miller und Kjus. Und es war der Tag, an dem Defago zum Défago wurde, weil die Medien, auch die welschen, vorher den Namen ständig falsch geschrieben hatten und nicht wussten, dass auf den «e» ein «accent aigu» gehört.

Nun schliesst sich zwölf Jahre später der Kreis – mit einer symbolträchtigen Programmänderung. Aus organisatorischen Gründen wird die Abfahrt vorgezogen auf heute Freitag und der Super-G findet am Samstag statt – am 20. Dezember, wie bei Défagos erstem Sieg. Es wird zugleich sein 25. Rennen im Val Gardena sein, ein Doppel-Jubiläum, das «Def», wie ihn seine Kollegen nennen, gerne mit einem weiteren Sieg kredenzen würde: «Ich hoffe, es klappt. Und ich hoffe, dass es nicht mein letzter Sieg in meiner Karriere sein wird ...».

Die Ereignisse des 20. Dezember 2002 hat Défago in Erinnerung, als ob sie gestern gewesen wären: «Von der Fahrt weiss ich nichts mehr, aber vom Moment an, als ich über die Ziellinie fuhr und die Zahl 1 aufleuchten sah, habe ich fast jedes Detail präsent. Ich erinnere mich an die Medienkonferenz, mit wem ich gesprochen habe. Und ich weiss noch, wie der Kuchen aussah, der abends bei der kleinen Champagner-Feier spendiert wurde. Die grosse «1» drauf habe ich immer noch vor Augen».

Doch der 20. Dezember war nicht nur ein Freudentag. Just am gleichen Tag verunglückte sein jüngerer Bruder Daniel im Training schwer und brach sich den Schienbeinknopf. «Die Trainer hatten mir diese Nachricht unterschlagen und erzählten erst nach dem Rennen davon. Ich konnte zu jener Zeit aber noch nicht abschätzen, wie ernsthaft Daniels Verletzung war.» Sie bedeutete für den Junioren-Weltmeister im Slalom das Ende einer hoffnungsvollen Karriere.

Nichts im Vergleich zu MvG

Didier blieb bis auf einen Kreuzbandriss nach seinem Olympiasieg 2010 von schweren Verletzungen weitgehend verschont. Obwohl er als «Wundertüte» galt, am einen Tag top und am andern ein Flop, weist er sich statistisch über eine bemerkenswerte Konstanz aus. In 130 Weltcup-Abfahrten fiel er nur ein halbes Dutzend Mal aus. Und von 2005 bis zum Weltcup-Final auf der Lenzerheide 2014 kam er in 77 Rennen immer ins Ziel. «Das ist im Vergleich zu Mike von Grünigen nichts», relativiert Défago: «Der fiel in fast 100 Riesenslaloms nie aus, und das ist im Gegensatz zur Abfahrt noch viel schwieriger.»

Gleichwohl ist seine Serie erstaunlich, weil Défagos Ups und Downs öffentlich anders wahrgenommen wurden. Diese Diskrepanz offenbart ist auch im Val Gardena: In den Super-G’s wurde er Erster, Zweiter, Vierter und Sechster, in der Abfahrt kam er indes in einem Dutzend Rennen über einen 9. Platz nie hinaus. «Auf der Saslong musst du jede Passage optimal treffen. Das entspricht nicht meinem Fahrstil, ich habe immer denn einen oder andern Fehler drin.»

Dieser Fakt prägte seine Karriere. Immer wieder passierte ihm ein kleines Malheur. Dafür galt er als «Mann der Big Points». Drei seiner insgesamt sechs Siege errang er in Wengen, Kitzbühel und an Olympia. Dieses Triple schafften sonst nur die Giganten Jean-Claude Killy und Franz Klammer! Sein Geheimnis für diese aussergewöhnlichen Exploits? «Auf solchen Strecken ist für mich die Gefahr der Übermotivation geringer.»

Ende Saison ist für den 37-Jährigen endgültig Schluss, obwohl Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann zweifelt: «Ich glaube noch nicht richtig daran.» Für Défago ist jedoch klar: «Es gibt kein Zurück. Zu viel ist vorgespurt, mit Rossignol, mit Ochsner Sport und bei den Bergbahnen Morgins, wo ich mich engagieren werde. Dazu möchte ich meine Kinder mehr aufwachsen sehen, die beide sehr sportlich sind». Alexane (7), reitet, spielt Tennis und fährt Ski, Timeo (5 ½) spielt Tennis und Fussball. Einen klitzekleinen Vorbehalt macht Défago: «Vielleicht sagt meine Frau, wenn sie die dicht gedrängte Planung für das nächste Jahr sieht: Fahr doch noch eine Saison weiter, dann bist du mehr zu Hause ...».

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1