Wie sieht die Nationalmannschafts-Agenda aus?

Fünf Tage sind seit dem Drama gegen Argentinien vergangen. Nach der Rückreise erholen sich die Schweizer Nationalspieler in den verdienten Ferien, bevor schon bald die Ligen ihren Betrieb wieder aufnehmen.

Es dauert auch nicht lange, bis sich die Spieler im Rahmen der Nationalmannschaft wieder sehen. Bereits am 8. September startet die EM-Qualifikation.

Die Schweizer EM-Quali-Gruppe

Die Schweizer EM-Quali-Gruppe

Die Schweiz empfängt in Basel England. Ein Testspiel zuvor gibt es nicht. Die Fifa hat den Länderspiel-Termin im August gestrichen. Vladimir Petkovic startet seine Nati-Karriere also gleich mit einem Ernstkampf.

Die weiteren Schweizer Gegner in der Gruppe E heissen: Slowenien, Estland, Litauen und San Marino. Die beiden Gruppenersten sowie der beste Dritte aller Gruppen qualifizieren sich direkt für die EM in Frankreich.

Die restlichen acht Gruppendritten spielen eine Barrage. Erstmals nehmen 24 Teams an der EM teil. Unter diesen Voraussetzungen ist eine Qualifikation der Schweiz Pflicht.

Die Zeit bis zum Quali-Start muss Petkovic nützen, um möglichst viele Einzelgespräche zu führen. Zumindest sollten seine Schlüsselspieler Anfang September, am Tag des Einrückens, schon mit einigen Ideen und geplanten Veränderungen vertraut sein.

Welche Veränderungen im Kader gibt es?

Vladimir Petkovic.

Vladimir Petkovic.

Nach der WM ist mehr denn je klar: Die Schweiz muss sich von Hitzfeld emanzipieren. Oder anders formuliert: Etwas mehr Mut ausleben dürfen.

Ein Umbruch wie nach der WM 2006 und der WM 2010 steht nicht an. Die Schweiz war an der WM mit einem Altersdurchschnitt von 26,1 Jahren das fünftjüngste Team. Rücktritte sind keine zu erwarten. Das ist eine gute Nachricht für Petkovic. Er kann seine Ideen mit geringen Veränderungen einbringen.

Die interessanteste Ausgangslage liegt im Mittelfeld – defensiv und offensiv. Dzemaili darf sich eine echte Chance erhoffen.

Die Zeit von Xhaka als Spielmacher oder offensivem Flügel muss vorbei sein. Er wird in Zukunft eine Alternative als Sechser sein. Von den nicht berücksichtigten Spielern an dieser WM könnten mittelfristig besonders Kasami und Klose eine Chance erhalten.

Spieler wie Zuber, Frei oder Djimsiti wird Petkovic genau beobachten. Dagegen neigt sich die Zeit von Ziegler, Fernandes und Senderos im Nationalteam langsam dem Ende zu.

Welches System spielt die Nati in Zukunft?

Wo spielt Xherdan Shaqiri?

Wo spielt Xherdan Shaqiri?

Weil es vorerst keine Gelegenheiten für Testspiele gibt, wird Petkovic nicht von Anfang an alles über den Haufen werfen. Die Dreierkette könnte in naher Zukunft aber eine interessante Option sein – die Schweiz verfügt mit Lichtsteiner und Rodriguez über Aussenverteidiger, die dafür perfekt geeignet sind.

Ob die Schweiz aber im 4-2-3-1, im 4-3-3, im 3-5-2 oder im 3-4-3 spielt, ist letztendlich zweitrangig. Das Spielermaterial ist für jedes System vorhanden. Wichtig ist, für den Gegner nicht mehr ganz so einfach auszurechnen zu sein wie unter Hitzfeld.

Zentral wird die «Shaqiri-Frage» sein. Wird er unter Petkovic von Anfang an in der Mitte agieren, als Spielmacher oder sogar als «falsche Neun» im Sturm? Oder zieht ihn Petkovic wieder auf die Seite? Die letzten Erfahrungen zeigen, dass Shaqiri dann am besten ist, wenn er über viele Freiheiten verfügt und von allzu defensiven Aufgaben entbunden ist – das spricht gegen die Position auf der Seite.

Bleibt Inler auch unter Petkovic Captain?

Bleibt Gökhan Inler Captain?

Bleibt Gökhan Inler Captain?

Das ist wohl die dringendste Frage. Petkovics Wahl ist ein erstes Zeichen, wie das Gerüst des Teams in Zukunft aussehen wird. Hitzfeld machte Inler auch deshalb zum Captain, weil er Inler als Bindeglied zwischen den Schweizern und den Migranten sah. Seine Position auf dem Feld war stets unantastbar.

Bleibt Inler unter Petkovic im Amt, wäre das ein Zeichen dafür, dass Petkovic gewillt ist, vorsichtig mit Hitzfelds Erbe umzugehen. Fragezeichen sind trotzdem angebracht. In der Aussenwirkung hat Inler massive Defizite. Auch intern gibt es (Stamm-)Spieler, die sich fragen, warum eigentlich Inlers Position sakrosankt ist.

Nach seiner famosen Entwicklung würde sich Valon Behrami als neuer Captain aufdrängen. Er ist der Chef der Fraktion mit kosovarischen Wurzeln. Er ist auf dem Platz ein Leader. Sein Auftritt gegen aussen ist souverän und überlegt. Er spricht italienisch, französisch, englisch und ein bisschen Deutsch. Zudem ist Behrami der Erste, der sich bei Krisen stellt – und dabei ist Selbstkritik nie ein Fremdwort. Nur: Hält Behramis Körper den Belastungen auch in den nächsten Jahren stand?

Der heimliche Captain dieses Teams ist ohnehin Diego Benaglio. Er ist mehr als ein stiller Leader. Sein Wort ist massgebend, wenn Entscheidungen im Mannschaftsrat getroffen werden.

Aber möchte Petkovic den Torhüter als Captain? Oder setzt er sogar auf Stephan Lichtsteiner? Ihn noch mehr in die Verantwortung einzubeziehen wäre nichts als logisch – trotz der durchschnittlichen WM. Er gewinnt mit Juventus Turin Jahr für Jahr Titel, hat jahrelange Erfahrung in einem Topteam.

Wie heisst der Nati-Torhüter Nummer 1?

Die Nummer eins: Diego Benaglio.

Die Nummer eins: Diego Benaglio.

Wer ist der bessere Goalie, Diego Benaglio oder Yann Sommer? Die Frage ist für das Nationalteam derzeit nicht entscheidend.

Die Schweiz hat das Glück, auf der Torhüterposition über Jahre hinaus keine Probleme zu haben. Benaglio hat an der WM wieder bewiesen, welch starker Rückhalt er ist.

Für Sommer ist die Situation derzeit nicht einfach. Eigentlich bestehen kaum Zweifel, dass er genauso gut ist wie Benaglio.

Nur: Benaglio ist mehr als ein guter Torhüter für dieses Team. Er ist als Person unverzichtbar. Wegen einer Position, die im Moment ohnehin keine Sorgen bereitet, atmosphärische Störungen zu riskieren, macht keinen Sinn.

Deshalb gibt es für Petkovic im Moment eigentlich nur eine vernünftige Option. Er erklärt Benaglio bis zur EM 2016 zur Nummer 1.