Diego Benaglio Note 3,5
Es sind solche Momente, von denen ein Torhüter träumt. Penalty für den Gegner. Die richtige Ecke erahnt. Den Ball gehalten. Der Nachschuss geht unerklärlicherweise auch nicht rein. Dank ihm, dem Torhüter, bekommt das Team die Chance zur Wende. Die Chance, neuen Mut zu schöpfen. Das alles erlebte Benaglio gegen Frankreich. Aber er erlebte auch, wie seine Vorderleute die Chance wegwarfen. Und so bleibt eben auch dieser Eindruck: War nicht zumindest das zweite Gegentor haltbar? Ja, war es.

Stephan Lichtsteiner Note 2
Um seinen Auftritt zu erklären, reicht eine Szene. Es läuft die 30. Minute, er spielt den Ball ohne Not in die Füsse von Benzema. Es ist der Ballverlust, der am Ursprung des Penaltys steht. Und nicht einmal mit einem Tor bestraft wird. Lichtsteiner ist dieser Tage weit weg von seiner Bestform. Er ist nicht der Lichtsteiner, der das Prädikat „Weltklasse" verdient. Nicht der Lichtsteiner, der mit seinen Sturmläufen für Angst und Schrecken bei den Gegnern sorgt. Im Gegenteil. Er ist jener unkonzentrierte Verteidiger, der wegen seinen Fehlern und Ungenauigkeiten ein Sicherheitsleck ist.

Johan Djourou Note 1,5
Gegen Ecuador liess er teilweise verloren geglaubte Erinnerungen an den jungen Johan Djourou aufleben. An den Kämpfer, der die Gegner in höchster Not stoppt, der wuchtig und erfolgreich ist in Kopfballduellen, der häufig gut antizipiert. Und damit löste er Hoffnungen aus. Sie bleiben unerfüllt. Das ist schnell klar gegen Frankreich. Das Penalty-Foul an Benzema lässt an jeglicher Fussball-Intelligenz zweifeln. Wie er vor dem 0:3 gemächlich zurückjoggt, ist unerklärbar. Er steht zu weit von seinen Gegnern weg. Und ist ohne Patron von Bergen völlig verloren.

Steve von Bergen, Note -
Der Pechvogel scheidet bereits in der siebten Minute verletzt aus. Der Verdacht auf eine Hirnerschütterung scheint begründet. Seine Wunde unter dem Auge muss genäht werden. Was die Schweiz an von Bergen hat, erkennt der Zuschauer erst, wenn er einmal fehlt. Ohne ihn verwandelt sich die Abwehr zum Panikorchester. Geschieht bis zum Mittwoch gegen Honduras ein medizinisches Wunder? Wir hoffen es. Aber wir sind skeptisch.

Ricardo Rodriguez, Note 2
Die Bäume wachsen nicht von einem Tag auf den anderen in den Himmel. Wie die Schweiz als ganzes Team erlebt insbesondere auch Rodriguez eine Grenzerfahrung. Ungewohnt viele Abspielfehler. Einer führt zum Eckball vor dem 0:1. Er weiss zu keinem Zeitpunkt, wie er auf das extrem aggressive Pressing der Franzosen reagieren soll. Defensiv zu häufig überfordert. Offensiv tritt er nie in Erscheinung.

Valon Behrami, Note 1,5
Die Frage ist unvermeidbar: Wie fit ist Behrami wirklich? Sein Auftritt gegen Frankreich ist unerklärlich. Er ist nie im Spiel. Er ist ohne Einfluss. Er fordert keine Bälle. Er wirkt nervös. Er erobert keine Bälle. Seine Pässe kommen nicht an. Die einfachsten Dinge misslingen. Ein Geschenk wie das Zuspiel direkt in die Füsse von Benzema, und das wenige Sekunden nach dem Rückstand, darf einem Leader wie ihm nicht passieren. Zur Pause völlig zurecht ausgewechselt. Von 135 Minuten in Brasilien war erst eine gut - die letzte gegen Ecuador.

Gökhan Inler, Note 2
Er ist derzeit ein Captain ohne Ausstrahlung. Ein schöner Pass pro Spiel (jener auf Xhaka vor dem 2:5) reicht nicht. Viele Ballverluste, dafür keine Kreativität. Dabei wäre im Mittelfeld so viel Platz vorhanden gewesen. Von einem wie ihm muss der Trainer erwarten können, dass er die Mannschaft in schwierigen Momenten führt und mitreisst. Das geschieht nicht. Und nicht zum ersten Mal. Gehört auch zu jenen interessierten Zuschauern, die vor dem 0:3 den Spurt zurück verweigern.

Xherdan Shaqiri, Note 2,5
„Wir wollen den Bayern-Shaqiri", forderten wir vor dem Spiel. Wir sind weiter enttäuscht. Liegt es vielleicht daran, dass er doch nicht so ganz fit ist, wie er selbst behauptet? Ist die Angst nach drei Muskelverletzungen in einer Saison zu gross, dass wieder etwas geschieht? Er scheint jedenfalls die Aktionen nie mit ganzer Kraft durchzuziehen. Er bremst lieber ab, anstatt voll zu sprinten. Viel zu behäbig, auch viel zu leichtgewichtig auf diesem Niveau. Immerhin: Er verliert auch nach dem 0:5 den Willen nicht, etwas fürs Spiel zu tun.

Granit Xhaka, Note 3
Es gehört zu den Kuriositäten dieses Spiels, dass Xhaka am Ende eigentlich zwei Tore erzielt hat. Eines, das hätte zählen müssen, aber aberkannt wurde. Und eines, als die Blamage längst Tatsache war. Abgesehen von den Toren fällt aber nicht zum ersten Mal auf: Xhaka ist hinter der Spitze überfordert. Ja, er gewinnt ab und zu ein Kopfballduell. Und ja, er stört die gegnerischen Verteidiger meist wirkungsvoll am Spielaufbau. Das ist auch gegen Frankreich nicht anders. Anfangs sieht es gar danach aus, als hätten die Franzosen wirkliche Mühe mit der Schweizer Grundordnung, deshalb auch die frühen Pfiffe des Publikums. Aber die Vorstellung ist eben doch viel zu verlockend: Ein Granit Xhaka in bester Spiellaune könnte auf seiner angestammten Position - vor der Verteidigung im defensiven Mittelfeld - so vieles bewirken!

Admir Mehmedi, Note 2
Immer wieder hat er sich aufgedrängt. Lange hat er sich gedulden müssen. Nach dem Tor gegen Ecuador ist es soweit: Endlich die Nomination für die Startelf! Aber was passiert? Das zu erwartende Selbstvertrauen ist wie weggeblasen. Mehmedi stellt sich zwar den Duellen. Aber er ist 90 Minuten lang glücklos. Nach einem genialen Moment kommt sofort ein fataler. Beispielhaft, wie er einmal Debuchy austanzt und dann sofort den Fehlpass spielt. Auch seine grösste Chance alleine vor Lloris vergibt er kläglich. Es wäre mehr drin gelegen.

Haris Seferovic, Note 1,5
Durfte an Stelle von Josip Drmic beginnen. Die Begründung von Trainer Hitzfeld: Er kann die Bälle besser halten als Drmic. Diese Qualität kann er zu keiner Sekunde einbringen. Seine Präsenz beschränkt sich auf das Matchblatt. Er kommt zu keiner Chance und bringt auch seine Mitspieler nicht in Position. War es wirklich richtig, den schnellen, trickreichen Drmic rauszunehmen? Seferovics Auftritt lässt nur eine Antwort zu: Nein.

Philippe Senderos, Note 2
Ersetzt in der 8. Minute den verletzten von Bergen. Manchmal ertappt man sich bei diesem Gedanken: „Immerhin passieren ihm keine so grausamen Fehler wie seinen Kollegen in der Verteidigung." Er ist verfrüht. Spätestens beim 0:4, als er den Ball verfehlt, ist die Gewissheit definitiv wieder da: Senderos ist nicht mehr der Senderos der WM 2006. Nicht mehr das gefürchtete Monster, das alles abräumt, was sich ihm in den Weg stellt. Schon gar nicht mit Djourou an seiner Seite. Hat eigentlich jemand Fabian Schär in Brasilien gesichtet?

Blerim Dzemaili, Note 4
Darf in der zweiten Halbzeit für Behrami ran. Es ist eine Strafaufgabe. Aber Dzemaili erledigt sie gut. Mit ihm kommt ein bisschen mehr Kreativität ins Spiel. Er traut sich was zu, schiesst aus der zweiten Reihe, versucht die Kollegen in Szene zu setzen. Das sind Attribute, die im Schweizer Mittelfeld gefragt sind. Natürlich läuft auch bei ihm nicht ganz alles optimal. Aber vieles wäre eben ziemlich vielversprechend hinsichtlich der Partie gegen Honduras. Sein Freistoss-Tor ist toll. Es nützt leider nichts mehr.

Josip Drmic, Note 2
In der 67. Minute für Seferovic eingewechselt. Undankbarer geht es kaum. Entsprechend wenig kann er bewirken. Ein bisschen mehr Wille, Leidenschaft und Torhunger hätte man sich trotzdem vorstellen können. Schliesslich geht es auch darum, wer gegen Honduras im Sturm beginnen darf. Wobei der Eindruck bestehen bleibt: Drmic ist auf der Seite besser aufgehoben als ganz vorne.

Nicht eingesetzt:

Sommer, Bürki, Lang, Stocker, Schär, Barnetta, Gavranovic, Ziegler, Fernandes