Man muss tief hinab ins Archiv steigen. Bis ins Jahr 1997. 1997 stirbt in Paris bei einem Autounfall die englische Prinzessin Diana, ist Arnold Koller Bundespräsident und heisst der Trainer der Schweizer Nationalmannschaft Rolf Fringer.

1997, am 10. September in der WM-Qualifikation gegen Norwegen, kassiert die Schweiz bis zum gestrigen Tag zum letzten Mal fünf Tore. 0:5 heisst es damals in Oslo, Fringer muss gehen.

17 Jahre später muss Ottmar Hitzfeld nicht um seinen Job fürchten. Doch wer den erfolgsverwöhnten Bald-Rentner Hitzfeld kennt, der weiss: Dieses 2:5 gegen Frankreich wird beim Deutschen noch lange nachhallen. Auch wenn die Nati sich gegen Honduras doch noch für die Achtelfinals qualifizieren sollte.

Was Hitzfeld vor allem ärgern dürfte: Es ist ausgerechnet die Defensive, die gegen die bärenstarken Franzosen versagt.

Das Prunkstück aus der WM-Qualifikation (nur sechs Gegentore in 10 Spielen), auf dem Hitzfeld auch in Brasilien den Erfolg aufbauen wollte. Doch am Freitagabend fällt die sonst so solide Viererkette in ihre Einzelteile. Hitzfeld: «Wer Fehler macht, wird auf diesem Niveau bestraft. Frankreich hatte heute keine Gnade mit uns.»

Auch Diego Benaglio geht unter

Das Unheil beginnt nach sieben Minuten, in der Abwehrchef Steve von Bergen mit einer Fleischwunde unter dem Auge vom Platz muss. Im Verlauf der Partie sickert durch, dass er eine Gehirnerschütterung erlitt - Einsatz gegen Honduras unwahrscheinlich.

Hitzfeld bringt Philippe Senderos. Warum er sich nicht für den offensiveren Fabian Schär entscheidet, wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben.

Der Romand hat eine rabenschwarze Saison hinter sich - kaum Spielpraxis, oft verletzt. So spielt er denn auch. Am deutlichsten wird das vor dem 0:4, als er einen einfachen Ball dilettantisch unterschätzt.

Auf Unterstützung von Nebenmann Djourou hofft Senderos vergebens - der Hamburger ist nur mit sich selber beschäftigt, verursacht gar einen Penalty. Er sagte nach dem Spiel: «Wir müssen hinten besser spielen. Wir kassierten ein Tor nach einem Eckball, hatten viele Ballverluste, machten Fehler.»

In der allgemeinen Verunsicherung nach von Bergens Ausscheiden versagen auch die Nerven von Goalie Diego Benaglio. Beim 0:1 trägt er eine Teilschuld, den Schuss zum 0:2 eine Minute später muss ein Goalie seiner Klasse ganz einfach halten. Immerhin: Benaglio fängt sich, hält Benzemas Penalty und verhindert nach dem 0:5 weitere Gegentreffer.