Das Out von Neymar ist für Brasilien kaum zu ertragen. Nur von ihm hat sich die stolze Fussball-Nation verzaubern lassen. Seine Verletzung ist für alle ein Desaster. Ohne ihn ist die Seleção endgültig nicht mehr magisch und die Copa verliert ihre grosse Figur.

Die brasilianischen Sport-Heiligen tragen die Zehn - Pelé, Zico, Ronaldinho, Neymar. Im Land des fünffachen Weltmeisters ist keine Trikotnummer begehrter.

Der Mythos um die populärste Zahl im Fussball ist grenzenlos, ihre Bedeutung kaum in Worte zu fassen, sie steht für "Jogo bonito" - nur sie.

Für die Gastgeber zerbrach in Fortaleza mehr als der dritte Lendenwirbel des Spielmachers. Als der Teamarzt Rodrigo Lasmar den Befund des Spitals São Carlos bestätigen musste, war die Schockstarre landesweit spürbar.

Das Drama um den Regisseur des Nationalteams ist eine Staatsaffäre. Den Ausfall thematisierte jedes TV-Nachrichtenmagazin stundenlang an erster Stelle.

Die Mitspieler vergossen Tränen, die Fans trauerten. Selbst Staatspräsidentin Dilma Rousseff schickte gleich mehrere Tweets zum Neymar-Out ab.

Dilma Rousseff twittert über Neymar

Und nun ahnt jeder: Ohne die Ideen von Neymar droht gegen Deutschland das bittere Ende.

Kolumbiens Verteidiger Juan Zuniga trat die Ikone der Seleção kaputt und raubte der Copa ein Stück Magie.

Der Schlag in den Rücken des 22-Jährigen war zugleich ein tiefer Stich ins Herz der Einheimischen. Keinen verehren sie derzeit so sehr wie Neymar da Silva Santos Júnior. Er ist der personifizierte Hoffnungsträger.

Er ist das Gesicht der WM. Kein Werbe-Spot kommt ohne den Ballkünstler aus. Neymar ist das Idol einer Nation, die sich so sehr nach dem sechsten Titelgewinn sehnt.

Vor allem dank seinen genialen Einfällen blieb dem kaum einmal restlos überzeugenden Rekord-Champion bisher eine möglicherweise weitaus ungemütlichere Endrunde erspart.

Neymar hielt dem fast unmenschlichen Druck stand, bis ihn ein kolumbianisches Raubein aus Neapel ohne Rücksicht auf Verluste stoppte.

"Sie haben ihn gejagt", ärgerte sich Felipe Scolari masslos. Und der spanische Schiedsrichter Carlos Velasco habe die Aggressionen zugelassen. Für Felipão war das Foul von Zuniga unentschuldbar.

Mit der Sport-Tragödie befasste sich selbstredend jeder Kommentator. Für viele war sofort klar: "Das Drama wiederholt sich!"

Sie rollten Pelés unschöne Geschichte von 1962 wieder auf. Der Superstar verletzte sich an der "Mundial" in Chile ebenfalls schwer. Der König fiel damals, Brasilien allerdings nicht. (si)