Nach dem brutalen Foul an Neymar stehen die Schiedsrichter in Brasilien wieder am Pranger: «Der Schiedsrichter war der schrecklichste, den ich in den letzten zehn Jahren gesehen habe», schimpfte Argentiniens Fussball-Weltstar Diego Maradona in seiner täglichen TV-Show «De Zurda».

Gemeint war der Spanier Carlos Velasco Carballo (Spanien), der beim 2:1-Sieg Brasiliens gegen Kolumbiens das schwere Foul von Juan Zuniga an Neymar (88.) nicht geahndet hatte. Der Starspieler vom FC Barcelona, der von Zuniga mit dem Knie am Rücken getroffen wurde, erlitt einen Bruch des Querfortsatzes des dritten Lendenwirbels. Für den 22-Jährigen ist die WM vorzeitig beendet.

WM verkommt zum Treter-Festival

Auch der frühere Schweizer Schiedsrichter Urs Meier nimmt zum Thema Stellung. Der Ball werde an dieser WM zur Nebensache, schreibt er in einem Beitrag auf «Focus online». «Die WM verkommt zu einem Treter-Festival. Die Messlatte für Gelbe Karten ist viel zu hoch angesetzt worden. Es wird getreten, gehalten, gezerrt und gemeckert - die Grenzen werden auf jedem Gebiet überschritten. Die Referees lassen viel zu viel laufen und greifen kaum in die Brusttasche», schrieb Meier.

Seine Kritik wird durch die offizielle Statistik gestützt. Bei der WM 2010 in Südafrika verteilten die Schiedsrichter 245 Gelbe Karten, in Brasilien waren es nach 58 von 64 Spielen erst 159.

Im Viertelfinal zwischen Brasilien und Kolumbien gab es 54 Foul - so viele wie noch in keinem Spiel an der WM 2014. Trotzdem sprach der spanische Schiedsrichter Carlos Velasco nur vier Verwarnungen aus. «Das passt zum Stil bei dieser WM. Man toleriert wahnsinnig viel. Da braucht sich niemand wundern, dass es Verletzte gibt. Das wird in Kauf genommen», kritisierte Meier.

Meier mahnt an, dringend Schlüsse im Schiedsrichterbereich des Weltverbandes aus der harten Gangart bei der WM zu ziehen. "Feine Techniker wie Neymar oder auch Mesut Özil leiden darunter, dass sie ständig auf die Socken kriegen. Sie können sich gar nicht richtig entfalten, weil sie bei jeder Gelegenheit umgetreten werden", betonte er. (sid/sda/cze)

Neymars Ankunft im Krankenhaus (Quelle: Youtube/João da Rocha)

Neymars Ankunft im Krankenhaus