WM-Serie

Mr. Nice Guy ohne Chance gegen die Hand Gottes

Maradona mit dem Pokal. Key

Maradona mit dem Pokal. Key

Es mag Ironie des Schicksals sein, dass ausgerechnet die Mannschaft mit dem wohl fairsten Spieler überhaupt eines der unfairsten WM-Tore hinnehmen musste.

Es mag Ironie des Schicksals sein, dass ausgerechnet die Mannschaft mit dem wohl fairsten Spieler überhaupt eines der unfairsten WM-Tore hinnehmen musste.

England mit Gary Lineker, der in über 600 nationalen und internationalen Spielen weder eine rote noch eine gelbe Karte kassierte, war machtlos gegen das erste Tor im WM-Viertelfinal zwischen England und Argentinien.

Das Tor, das mit der «Hand Gottes» erzielt wurde. Machtlos waren die Engländer allerdings auch gegen das zweite Tor in der 55. Minute, das Diego Armando Maradona in diesem Spiel erzielte: Er dribbelt auf der rechten Seite über das halbe Spielfeld Richtung englisches Tor, spielt die gesamte englische Verteidigung aus, schiebt den Ball ins Tor.

1:0 für Argentinien. «Goooooool!, Gooooooolazooooo!, Diegooooooool!», schreit der Kommentator ins Mikrofon, kann dieses Tor, das später zum Tor des Jahrhunderts gekürt werden soll, kaum fassen.

Das Tor von Maradona

Doch nicht nur wegen dieses einen Traumtors bleibt das Spiel unvergesslich. Zum einen bekriegten sich zu jener Zeit Argentinien und England noch wegen der Falklandinseln – die Partie hatte also auch politische Brisanz –, zum anderen erzielte Maradona eben dieses umstrittene Tor, das noch heute den Zorn der Engländer auf sich zieht.

Es läuft die 51. Minute im Viertelfinal Argentinien gegen England. Der englische Verteidiger Steve Hodge schiesst den Ball im eigenen Strafraum hoch in die Luft.

Goalie Peter Shilton eilt hinaus. Gleichzeitig springen er und Maradona in die Luft. Maradona, 20 Zentimeter kleiner als sein Gegner, nimmt seine linke Hand zur Hilfe, übertölpelt damit den Goalie und befördert den Ball ins Tor.

Für die einen war es «ein bisschen die Hand Gottes und ein bisschen Maradonas Kopf», für den englischen Trainer Bobby Robson war es «die Hand eines Spitzbuben». Für den Schiedsrichter allerdings war es nicht die Hand, sondern der Kopf. Das Tor zählte. 1:0 für Argentinien.

Maradona war nicht der Einzige, der Tore in dieser Partie erzielte. Obwohl Gary Lineker in der 81. Minute der Anschlusstreffer gelang, schieden die Engländer aus. Und bis heute fragen sich die Fussballfans auf der Insel: Was wäre gewesen, hätte das Tor Maradonas nicht gezählt?

«Mr Nice Guy», wie Lineker gerne genannt wurde, holte sich immerhin noch die Trophäe als Torschützenkönig.

Ein wichtiger Titel blieb Lineker in seiner gesamten Karriere verwehrt. Maradona hingegen wurde 1986 mit Argentinien Weltmeister. 1990 musste sich dann aber mit dem zweiten Rang zufriedengeben. Denn zu jener Zeit war er längst nicht mehr in der Form von 1986.

Gary Linekers Tor gegen Argentinien

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