Wir schreiben den 10. April, als ein gewisser Joel Campbell auf Twitter viele Schmunzler von Fussball-Fans einheimst: «100 Päckchen geöffnet und ich war nirgends zu finden. Pech gehabt», so der Nationalspieler von WM-Aussenseiter Costa Rica über seine Ausbeute des Panini-Sammelfiebers im Frühling.

Joel Campbell witzelt über seine Panini-Ausbeute

Es scheint ein Sinnbild dafür zu sein, dass Campbell bis am Samstag ein unbeschriebenes Blatt war. Und das dürfte sich nun ändern. Denn der Costa Ricaner zeigte im Auftaktspiel der Todesgruppe D gegen Uruguay das Spiel seines Lebens.

Bereits in der ersten Halbzeit unterhielt er die Fans mit unbekümmerten Dribblings, liess mit selbstbewussten Zweikämpfen sein Körperspiel aufblitzen, bevor er schliesslich kurz vor der Pause einen sehenswerten Distanzschuss abgab.

Schliesslich wurde er in der zweiten Halbzeit zum gefeierten Nationalhelden Costa Ricas. In der 54. Minute trifft Campbell eiskalt zum 1:1-Ausgleich, ehe er in der Schlussphase mit dem Assist zum 3:1-Schlusstreffer zum Matchwinner avanciert.

Nach dem Schlusspfiff wollten Dutzende Journalisten ein erstes Interview von dem bislang unbekannten Campbell: «Das war ein grossartiges Spiel für mich. Aber ohne meine Teamkollegen wäre das alles erst gar nicht möglich gewesen», sagt er bescheiden in die Kameras.

Der Ausgeliehene

Sein bisheriger Werdegang ist bizarr: Als 17-Jähriger wird Campbell Profi beim costa-ricanischen Rekordmeister Deportivo Saprissa, bestreitet aber lediglich drei Spiele und wird innerhalb der nationalen Liga an Puntarenas ausgeliehen.

An den U20-Concacaf-Meisterschaften zeichnet sich Campbell als Schlüsselfigur seines Nationalteams aus, Arsenal-Trainer Arsène Wenger wird auf den jungen Mann aufmerksam. Campbell wird in der Folge zu Arsenal transferiert, wobei er dort nie zum Einsatz kommt. Noch vor Saisonbeginn wird er an Lorient, ein Jahr später an Betis Sevilla und schliesslich zu Olympiakos Piräus ausgeliehen.

Seit drei Jahren ist Campbell bei Arsenal unter Vertrag und hat in dieser Zeit gerade mal ein Spiel auf englischem Boden gespielt – in der Champions League als Gast mit Piräus bei Manchester United.

Bereits im Champions-League-Heimspiel gegen ManU offenbarte er sein Können, als er die Engländer mit dem 2:0-Treffer für die Griechen schockte.

Joel Campbells Tor gegen Manchester United - im Trikot von Olympiakos Piräus

Griechischer Meister

Campbell hat sich in der vergangenen Saison bei Olympiakos Piräus etabliert und erzielte in 32 Meisterschaftsspielen stolze acht Treffer. Damit hat er grossen Anteil am griechischen Meistertitel für Piräus.

Wird er nun nächste Saison doch endlich für Arsenal spielen? Dies die Frage eines Journalisten nach dem starken Spiel gegen Uruguay.

Campbells Antwort: «Klar, ich werde zurückgehen, ich habe einen laufenden Vertrag mit Arsenal.»

Gut möglich, dass nach dem starken Auftritt Arsenal endlich auf den Costa Ricaner setzt. Oder klopft bald ein anderer europäischer Topklub an?