Endlich Manaus! Die euphorischen Gefühlsbekundungen des Besuchers schon bei der Ausfahrt aus dem Flughafen irritieren zwar seine Mitreisenden etwas. Zumal der Taxi-Thermometer bereits nach wenigen Minuten auf 41,5 Grad steigt. Keine Sorge, Fehlalarm! Alles halb so schlimm.

Am San Sebastian Square, direkt neben dem berühmten «Teatro Amazonas» lässt der Brasilianer bei einem Bier den Abend ausklingen. Der nächste Morgen beginnt nach dem 4:1-Sieg der Seleção gegen Kamerun ein bisschen später und glücklicher als sonst.

In Manaus erwartet die Schweiz gegen Honduras eine Hitzeschlacht

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In der Hängematte

Es ist auffallend, wie nahe Melancholie und Fröhlichkeit beieinander liegen. Unser Rundgang führt an den Hafen. Hier pulsiert das Leben. Es ist quasi der Hauptbahnhof von Manaus. Überall wieselflinke Helfer, die Koffer und Material auf die Decks schleppen. Wer mit einem Schiff reist, bucht eine «Rede» – eine Hängematte. Einige Städte am Amazonas sind nur per Wasser erreichbar. Von Manaus bis Tabatinga dauert die Reise eine Woche. Da tut eine Ruhegelegenheit gut.

Direkt gegenüber liegt der «Mercado Municipal». Ein Paradies für Freunde der frischen Früchte. Wassermelonen ohne Ende. Die Bananen sind noch etwas gar grün. Weiter geht es zu den unzähligen Fisch-Ständen. Die Messer werden im Sekundentakt gewetzt. Die Eingeweide fachmännisch entsorgt. «Tambaqui», versprechen die Verkäufer, sei der beste Fisch. Nach dem staunenden Blick auf ein anderes riesiges Exemplar, wird der Besucher aufgefordert, den Fisch hochzuhalten und zu posieren.

Weiter geht es durch die Gassen von Manaus. Noch immer sind tausende «Neymars» unterwegs. Die billigsten Fussball-Shirts kosten 10 Reais, also nicht einmal fünf Franken. Auch viele Röcke der Frauen haben die Nummer 10 aufgedruckt. Man verliert sich gerne in den vielen kleinen Dingen, die es anzuschauen gibt. Von einem Moment auf den anderen, nur eine Ecke weiter, bietet sich aber ein völlig anderes Bild. Jetzt reiht sich Schaufenster an Schaufenster. Zu kaufen gibt es Coca-Cola Schuhe.

Es ist schnell Mittag geworden. Die Sonne brennt nun. Aber Temperatur und Luftfeuchtigkeit bereiten nicht die geringsten Probleme. Das tut höchstens der ab und zu aufkommende Gestank auf den Strassen.

Die Zusammenkunft der Flüsse

Zurück zum Hafen. Wir nehmen ein Schnellboot und fahren mit Bruno hinaus ins Wasser in Richtung Osten. Unser Ziel: de Zusammenkunft der Flüsse
«Rio Negro» und «Rio Solimões». Beide Ströme fliessen im gemeinsamen Flussbett des Amazonas fast sechs Kilometer nebeneinander, ohne sich zu vermischen. Das ist möglich aufgrund der unterschiedlichen Wassertemperaturen der Ströme.

Die Eindrücke sind sehenswert. Fast so schön wie Brunos Hoffnung, der erzählt: «Brasilien wird Weltmeister, nach einem Final-Sieg über die Schweiz.» Auf dem Rückweg will er den Gästen noch zeigen, was sein Schnellboot wirklich kann. Er setzt zum Sprint an. Dumm nur, dass ihm plötzlich das Benzin ausgeht. Bruno muss den Kanister abmontieren, einen Freund aufbieten, der an der nahen Tankstelle auf dem Fluss neues Benzin holt. Er tut es in einer Seelen-Ruhe.