Seine Augen sind zugekniffen. Seine Stirn ist voller Runzeln. Sein Blick verrät totales Unverständnis. Mit den Händen gestikuliert er wild. Sein Ausdruck als Ganzes ist: zurechtweisend.

Wer Xherdan Shaqiri in diesen Tagen wieder einmal etwas genauer unter die Lupe nimmt, erkennt nicht immer nur einen aufgehenden Stern des Schweizer Fussballs. Nicht immer nur einen jungen, unbeschwerten 22-Jährigen, der das Schweizer Nationalteam mit seiner famosen Art, Fussball zu spielen, in den Erfolg führt.

Shaqiri hat auch ein anderes Gesicht. Ein weniger schönes eben. Eines, das verrät, wie er sich fühlt in diesem Team. Als Star, dem sich andere unterzuordnen haben. Als Spieler, der für die entscheidenden Dinge verantwortlich sein will. Nichts weniger ist sein Anspruch. Und wenn ihn jemand daran hindert, sei es ein ihn attackierender Gegner oder ein Mitspieler, der ihm den Ball zu spät weiterleitet, dann verfinstert sich seine Miene. Der Rasen wird dann zu seinem Liegeteppich. Die Worte an den Mitspieler drücken sein Unverständnis aus. Jeder auf der Tribüne kann das sehen.

«Ich bin beim FC Bayern»

Vielleicht sind das die Folgen, wenn einer wie Xherdan Shaqiri im Umfeld des Schweizer Trosses Tag für Tag zu spüren bekommt, wie sehr er sich von den anderen abhebt. Wenn die Schweiz trainiert, rufen die Fans: «Shaqiri! Shaqiri! Shaqiri!» Das ist in Vevey so, das ist in Freienbach so. Und auch in Porto Seguro nicht anders. Das wissen wir seit den vergangenen Tagen. «Es ist klar, dass mich die Leute hier in Brasilien kennen – schliesslich bin ich beim FC Bayern München, das ist ein Weltverein, den jeder kennt», sagt Shaqiri dann.

Ja, der FC Bayern München. Beim Verein an der Säbener Strasse ist für Shaqiri vieles ganz anders als im Nationalteam. Er ist nur einer unter vielen. Einer, der beim Feiern der zahlreichen Titel zwar gerne weit vorne steht, aber einer, der auf dem Platz mit einer Nebenrolle vorlieb nehmen muss. Weil es bei den Bayern Spieler wie Robben, Ribéry, Müller, Götze oder Kroos gibt, die allesamt weit vor ihm stehen.

Das hat, natürlich, einen Einfluss auf sein Verhalten auf dem Platz und sein Auftreten neben dem Platz. Spielt Shaqiri in der Allianz Arena, ist er der junge, draufgängerische, quirlige Fussballer, der die Fussball-Schweiz schon in Basel entzückte. Dann steht er sofort wieder auf, wenn er den Ball verliert. Dann hält er seinen Mund, wenn er den Pass nicht erhält, und läuft sich eben in eine noch bessere Position, dass der Mitspieler keine andere Wahl hat, als ihn zu bedienen. Denn Shaqiri weiss: Etwas anderes kann er sich nicht erlauben. Sonst ist er schnell ausser Rang und Traktanden gefallen.

Hitzfelds Machtworte

Im Schweizer Nationalteam ist das ganz anders. Und zunehmend ein Problem. Es gibt erste Indizien, dass sein Gebaren nicht von allen im Team goutiert wird. Eindrücklich war die Szene, als Valon Behrami in der Pause des Testspiels gegen Peru Shaqiri noch auf dem Platz massregelte. Auch Trainer Ottmar Hitzfeld sagt, er habe mit Shaqiri schon über sein Verhalten auf dem Platz gesprochen. Shaqiri selbst beteuert, er hätte sich gebessert. Nur war davon im ersten Schweizer WM-Spiel gegen Ecuador nichts zu sehen. Entsprechend bescheiden war Shaqiris Leistung.

Nun geht es gegen Frankreich. Es ist ein Gegner, der im Normalfall eine Nummer zu gross ist für die Schweiz. Gerade darum brauchen wir einen Shaqiri in Hochform. Heute in Salvador wollen wir den Bayern-Shaqiri sehen!