Mission impossible – mit dieser Einschätzung haben die lokalen Medien in Manaus die Nationalmannschaft von Honduras am Amazonas empfangen.

Mit zwei Toren Unterschied müssen die Catrachos in der Arena da Amazônia die Schweiz heute schlagen.

Dann sind sie zumindest mal in der Tabelle vor jener Mannschaft, der sie schon 2010 in Südafrika im abschliessenden WM-Gruppenspiel mit dem 0:0 gehörig die Suppe versalzen haben.

Um erstmals in die Achtelfinals einzuziehen, bräuchten sie dann aber auch noch einen Sieg der Franzosen gegen Ecuador; so hoch, dass sie bei Punktgleichheit auch gegenüber den Südamerikanern das bessere Torverhältnis hätten.

Selbstverständlich glauben die bei einer WM noch sieglosen Honduraner selber an ihre Chance. Roger Espinoza, der Aufbauer von Wigan Athletic, sagt dazu: «Honduraner geben immer alles. Honduraner geben nie auf.»

Er selber geht jeweils mit gutem Beispiel voran. Kein Weg ist ihm zu weit, kein Zweikampf zu aussichtslos, um ihn nicht doch zu bestreiten.

«Niemand hat geglaubt, wir würden uns vier Jahre nach Südafrika schon wieder für eine WM qualifizieren», sagt Espinoza, «jetzt sind wir hier und träumen vom Weiterkommen.»

In den Qualifikationsspielen der Mittelamerika-Gruppe hat Honduras die Mexikaner hinter sich gelassen und sich direkt für Brasilien qualifiziert.

Und: Sie haben nicht nur Mexiko, sondern auch die USA und Costa Rica geschlagen. Siege, die jetzt durch die hervorragenden Leistungen dieser drei Mannschaften bei der WM noch aufgewertet werden.

Vom englischen Fussball geprägt

Weil mit Maynor Figueroa (Hull City), Wilson Palacios (Stoke City), Emilio Izaguirre (Celtic Glasgow) sowie Espinoza gleich vier Stammspieler – mit Arnold Peralta (Glasgow Rangers) musste ein fünfter verletzungsbedingt absagen – beruflich auf der Insel beschäftigt sind, ist es nicht erstaunlich, dass der von Honduras praktizierte Stil durchaus Elemente enthält, die typisch für den traditionellen Fussball Englands und Schottlands sind.

Die Mannschaft von Trainer Luis Fernando Suarez, normalerweise immer im 4-4-2-System auflaufend, scheut sich nicht, einen langen Ball in die Spitze zu spielen. In der Hoffnung, eine der beiden Sturmspitzen Carlos Costly oder Jerry Bengtsson würde diesen dann verarbeiten. Dies allerdings geschieht zu selten, sodass der Treffer durch Costly beim 1:2 gegen Ecuador, 32 Jahre nach dem letzten WM-Goal fast historischen Charakter bekam. Costlys Vater Allan war damals dabei und ist in Honduras eine Legende. Er sagt: «Wir haben nicht das Niveau der europäischen oder südamerikanischen Teams, aber mit etwas Glück können wir auch bei einer WM etwas erreichen.»

Der Bruder wurde ermordet

Dies sieht auch Wilson Palacios so. Der Profi von Stoke City ist nach seinem Platzverweis gegen Frankreich und der Sperre gegen Ecuador wieder verfügbar.

Er ist sich aber nicht ganz sicher, ob er wieder aufgestellt wird. «Die Mannschaft hat ja gut gespielt», sagt Palacios.

Der 29-Jährige war schon 2010 in Südafrika dabei gewesen und ins Blickfeld geraten, weil mit ihm zusammen auch noch die Brüder Jerry und Johnny im Kader standen.

2007 war deren jüngster Bruder Edwin entführt worden und trotz einer Lösegeldzahlung von 500 000 Dollar zwei Jahre später tot aufgefunden worden.

Wilson war einst bei Arsène Wenger bei Arsenal im Probetraining gewesen und hatte danach für Wigan und Tottenham gespielt, ehe er bei Stoke anheuerte. Dort war er zwar in der vergangenen Saison mehrheitlich Ersatzmann, für die Nationalmannschaft von Honduras aber ein wichtiger Wert. «Gegen die Schweiz müssen wir etwas riskieren. Es geht um Leben oder Tod», sagt Palacios.