Exoten machen den Reiz einer Fussball-WM aus. Wer allerdings derart defensiv auftritt wie die Iraner macht sich keine neuen Freunde. Die Perser riegelten gegen Nigeria das eigene Tor resolut ab und suchten nur äusserst selten die Offensive. Die "Super Eagles" konnten dieses Bollwerk nur einmal knacken, doch als Ahmed Musa nach nur sieben Minuten getroffen hatte, wurde das Tor wegen eines vorangegangenen Fouls an Torhüter Alireza Haghighi zurecht nicht anerkannt. Haghighi hatte überraschend den Vorzug vor dem neuen GC-Goalie Daniel Davari erhalten und erhielt kaum Gelegenheit, sich auszuzeichnen.

Zu harmlos und eindimensional agierten die Nigerianer bei ihrem Angriffs-Powerplay. Die physisch starken "Superadler" liessen jegliche Kreativität vermissen und rannten sich immer wieder in der massierten Abwehr fest oder spielten stereotype hohe Bälle in den Strafraum, die keinen Abnehmer fanden. Mit einem Durchschnittsalter von 24,4 Jahren stellte Coach Stephen Keshi die bisher jüngste Anfangsformation an dieser WM aufs Feld - dafür fehlte es an der nötigen Ruhe und Übersicht sowie immer wieder am technischen Rüstzeug.

Nie zuvor hatte Iran in einem WM-Spiel zu null gespielt, diesmal wurde es ihnen einfach gemacht. Fast wären sie sogar noch königlich belohnt worden, als die einsame Sturmspitze Reza Ghoochannejad in der 34. Minute nach dem ersten Corner aus fünf Metern am souveränen Vincent Enyeama scheiterte, der massgeblichen Anteil an der Champions-League-Qualifikation Lilles in Frankreich hatte. Schon beim Gang in die Halbzeitpause pfiff der Grossteil der einheimischen Fans in Curitiba angesichts des Gebotenen, am Schluss feierten sie sich in einer Art Galgenhumor selber.

Beide Teams konnten jedenfalls nicht verbergen, warum sie seit 1998 auf einen Sieg an einer WM warten. Bosnien-Herzegowina und erst recht Argentinien, die anderen Gruppengegner, dürften keine schlaflosen Nächte bekommen haben.

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