Wenn im Fernsehen halbe Legionen reden, dann redet auch der Couch-Potato vor dem Kasten mit. Jeder kommentiert alles, was auf dem Rasen geschieht. Zunehmend rasend aber auch das Stroh, das neben dem Rasen gedroschen wird. Denn bei einer WM ist der Rest nicht Schweigen, obwohl es auf dem Gipfel aller Fussballweisheit keinen Übersteiger gibt: «Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.»

In aller Regel kommen die Kommentatoren im TV-Kasten beim Publikum vor dem Kasten schlecht weg. Aller achtbaren Quoten zum Trotz. Nach Angaben des Schweizer Fernsehens schauten 73,6 Prozent das Spiel Schweiz - Ecuador (1,44 Millionen). Der Marktanteil von SRF bei den ersten elf Spielen betrug 46,8 Prozent.

Die Qualität der Sendungen ist ähnlich genau nicht messbar. Aber unsicher sind sich Zuschauer und Zuschauerinnen nicht: Das Gebotene bisher sei eher schwach. Nun unterzieht sich für einen solchen Befund kaum jemand der langwierigen Systematik, alle Spiele auf mehreren Kanälen zu verfolgen. Von einer gewissen Stammtisch-Unschärfe ist das Thema also niemals frei. Aber auffällig bleibt doch, wie sich der kritische Tenor durch die Reihen zieht. Auch intern, auf unserer Redaktion, wie eine Mailumfrage zeigte.

Durcheinander bei Schweizer Toren

Fangen wir beim ehemaligen FCB-Meistertrainer an, Christian Gross: «Der nasal vor sich hinbrummende, beinahe eindösende Gross - ein Ablöscher», mailt aus Solothurn Kollege Theo Eckert und fügt an: «Zurückzappen auf ZDF!» Das aber, erwidert Ivo Tuchschmid vom az-Sekretariat, sende gegenüber SRF drei bis fünf Sekunden verzögert. Um akustisch auf allgemeiner Höhe zu sein, bleibe man an SRF gefesselt. Sportkollege Marcel Kuchta zitiert einen Stossseufzer seiner Frau: «Wieso lädt man Christian Gross als Experten ein? Der macht ja keinen Satz fertig.»

Das Durcheinander während der Analyse zweier Schweizer Tore mit Matthias Hüppi im Studio und Schiedsrichter-Experte Bertolini strapazierte bei einigen das Behagen erheblich, das sich nach dem glücklichen Sieg in letzter Sekunde eingestellt hatte. «Zuerst reden sie lange aneinander vorbei. Dann bringt Bertolini die Dinge nicht auf die Reihe. Kann man den noch auswechseln?», fragt Raffael Schuppisser vom Ressort Leben &Wissen. Auch Hüppi gehöre «unbedingt ausgewechselt». Hanspeter «vor Ort» Latour, jeweils zugeschaltet, freue sich zwar wie ein Kind über den Sieg, könne dann aber nichts Substanzielles beitragen, auch nicht anders als ein Kind.

Kollegin Fränzi Rütti-Saner freut sich, das loszuwerden: «Selbst als unregelmässige WM-Zuschauerin sind mir diese ewig gleichen, uninspirierten Moderatoren und Gäste im SRF-Studio verleidet.» Christian Berzins von der Kultur merkt an: «Auch der Stadionlaferi war unterirdisch.» Darum schaltet Kollegin Rütti-Saner um, zu Oliver Welke vom ZDF.
Umgeschaltet hat Stefan Schmid vom Ressort Inland, aufs Westschweizer Fernsehen, offenbar mit Gewinn. Rolf Cavalli, Chef Digitale Medien, bemerkt: «Unsere Experten erzählen kaum mehr als das, was ich sehe. Die SRF-Leute gebärden sich so euphorisch wie Honigkuchenpferde, allen voran Paddy Kälin, glücklich, überhaupt dabei sein zu dürfen.»

Man kann die Moderation auch ein- oder abstellen. Das hat 2010 das Staatsfernsehen von Nordkorea getan, als man gegen Portugal an der WM hoffnungslos hinten lag.

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