Er suchte vor dem Schuss die Nähe zu den gegnerischen Schützen, fixierte sie mit den Augen, redete auf sie ein und fuchtelte danach auf der Linie mit den Armen. Zumindest Costa Ricas Captain David Ruiz liess sich ablenken und scheiterte mit seinem Versuch an Krul.

Die belgische Torhüter-Legende Jean-Marie Pfaff regte sich im Studio des Schweizer Fernsehens SRF fürchterlich auf. "Da werde ich krank und böse, wenn ich so etwas sehe. Das ist kein erwachsenes Verhalten." Die Fans auf der ganzen Welt diskutieren nun, ob Schiedsrichter Rawschan Irmatov Tim Krul hätte verwarnen müssen. "Der Schiedsrichter hätte eingreifen müssen. Nicht unbedingt mit einer Gelben Karte, sondern, um ihm klarzumachen: Bleib da und unterlasse das."

Für den Schweizer Schiedsrichter-Chef Carlo Bertolini wäre eine Verwarnung zwingend gewesen: "Das Verhalten des Goalies war absolut unfair. Der Schiedsrichter hätte eingreifen müssen, zwingend, und zwar mit Gelb. Das war eine Provokation", so der Tessiner. Etwas entspannter sah es der ZDF-Experte und frühere Bayern-Torhüter Oliver Kahn. "Eine Verwarnung wäre nicht schlimm gewesen, denn es war ein wenig unsportlich. Aber es gehört zum Profisport dazu, dass man mal das eine oder andere Gespräch mit dem Schützen führt."

Kein neues Phänomen

In der Tat ist es nicht neu, dass Torhüter beim Penaltyschiessen in die Kiste der Psychotricks greifen. Vor zwei Jahren fixierte der Basler Goalie Yann Sommer im Cupfinal gegen Luzern die Gegner und streckte ihnen sogar die Zunge raus. Florian Stahel scheiterte damals mit dem letzten Schuss - Basel gewann den Cup. 

(Quelle: Youtube/briiqhtTV)

Sommer Cupfinal 2012

Die bekanntesten Provokateure auf der Linie waren die Liverpool Keeper Bruce Grobbelaar und Jerzy Dudek. Sie waren mit ihren Faxen mitentscheidend, dass der englische Klub 1984 bzw. 2005 in der finalen Entscheidung den Meistercup bzw. die Champions League gewannen. 

Grobbelaar wackelte vor 30 Jahren gegen die AS Roma mit dem Hintern, zeigte den Schützen schlotternde Knie und imitierte italienische Spaghetti-Esser. 21 Jahre später zog Dudek gegen Milan Grimassen, tänzelte auf der Linie und ruderte mit den Armen, bis die Schützen die Nerven verloren. Die Opfer von Grobbelaar und Dudek trugen grössere Namen als Bryan Ruiz und Florian Stahel. Sie hiessen Francesco Graziani, Bruno Conti, Andrea Pirlo und Andrej Schewtschenko.

(Quelle: Youtube/Konrad Kowalko)

Jerzy Dudek

(Quelle: Youtube/Canale di Z3br4bianconero)

bruce gobbelaar