Eishockey
WM-Zwischenbilanz: Riese Genoni – Zwerge Suri und Wieser

Rang 3 nach vier Spielen, vor dem Gastgeber Tschechien klassiert und fünf Punkte Polster auf die Viertelfinal-Qualifikation. Die Tabelle spricht definitiv für die Schweizer WM-Truppe, alles andere – insbesondere der Spielplan – jedoch weniger.

Marcel Kuchta, Prag
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Die Zwischenbilanz der Schweizer Nationalspieler nach den ersten vier Partien der Weltmeisterschaft.

Die Zwischenbilanz der Schweizer Nationalspieler nach den ersten vier Partien der Weltmeisterschaft.

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Die ersten vier Auftritte der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft an der WM in Tschechien waren alles andere als eine Offenbarung. Noch hat das Team von Headcoach Glen Hanlon die Chance, das gesteckte Ziel Viertelfinal aus eigener Kraft zu schaffen. Dazu bedarf es allerdings angesichts der Gegner Schweden (Samstag), Kanada (Sonntag) und Tschechien (Dienstag) von einem Grossteil der Schweizer Spieler markante Leistungssteigerungen. Eine Zwischenbeurteilung des bisher sehr guten «Riesen» Leonardo Genoni und der schwachen «Zwerge» Reto Suri und Dino Wieser.

Sehr gut: Leonardo Genoni. Der Goalie von Meister Davos stand bei den beiden Siegen gegen Frankreich (3:1) und Deutschland (1:0) zwischen den Pfosten und zeigte dabei zwei tadellose Leistungen. Er hat den von Glen Hanlon vor der WM zur Nummer eins ausgerufenen Reto Berra überraschend schnell überflügelt.

Gut: Andres Ambühl, Roman Josi. Es gibt in dieser Schweizer Mannschaft zu wenige Spieler, die mit individueller Klasse für den Unterschied sorgen können. Josi mit seinen Rushes in die offensive Zone und seiner brillanten Übersicht ist der eine, Ambühl mit seinem cleveren Zweikampfverhalten, seiner Fähigkeit, den Puck zu halten und auch mal einen Gegner auszudribbeln, ist der andere.

Genügend: Reto Berra, Matthias Bieber, Reto Schäppi, Felicien DuBois, Patrick Geering, Morris Trachsler, Cody Almond, Eric Blum, Denis Hollenstein, Kevin Fiala. Der grösste Teil der Spieler bewegt sich nach vier Partien im genügenden Bereich, teilweise im Grenzbereich Richtung ungenügend. Was das eigentliche Problem unterstreicht. Bei den Schweizern stehen zu viele Mitläufer wie Bieber, Trachsler, Almond oder Schäppi im Einsatz, die auf diesem Level untertauchen. Oder, wenn sie, wie Fiala, die Anlagen hätten, eine spezielle Note ins Spiel zu bringen, diesen Vorteil mit haarsträubenden Fehlern wieder eliminieren. Oder wenn sie, wie Hollenstein, zwar wichtige Tore schiessen, dann aber in anderen Bereichen Defizite aufweisen – zum Beispiel in Sachen Körperspiel. Oder wenn sie, wie Berra, eigentlich solid spielen, aber mit einem unglücklichen Auftritt wie gegen Österreich mitverantwortlich sind für Punktverluste.

Ungenügend: Mark Streit, Kevin Romy,Robin Grossmann, Timo Helbling, Julian Walker, Simon Bodenmann, Damien Brunner. In dieser Kategorie befinden sich mit Streit und Brunner zwei der Hauptverantwortlichen für den mässigen Start der Schweizer. Streit schaffte es bisher nicht, das Team auf die erhofft souveräne Art zu führen. Immer wieder verzögert er die Angriffsauslösung oder trägt die Scheibe zu lange – und fabriziert Fehler wie in der Verlängerung gegen Lettland. Seine Kernkompetenz, das Powerplay, kam bisher nicht zur Geltung. Brunner hatte seine guten Momente an dieser WM (beispielsweise der Traumpass auf Hollenstein beim 1:0 gegen Deutschland). Trotzdem ist seine gesamte Performance ungenügend. Vor allem deshalb, weil er als designierter Goalgetter immer noch eine fette «Null» in der Buchhaltung stehen hat. Ein Damien Brunner, der keine Tore schiesst, ist – hart ausgedrückt – wertlos.

Schwach: Reto Suri, Dino Wieser. Man kann Reto Suri nicht vorwerfen, dass er sich keine Mühe gibt. Im Gegenteil: Kein anderer Spieler erarbeitet sich so viele Torchancen wie der Zuger. Aber kein anderer unterstreicht gleichzeitig seine Harmlosigkeit so wie er. Suri hat ganz einfach nicht die nötige Klasse, um an einer WM Akzente zu setzen. Dino Wieser funktioniert beim HC Davos im System von Arno Del Curto in der Rolle als furchtloser Forechecker bestens. In der Nationalmannschaft war er bisher ein Fremdkörper.

Besonders für die Spieler, die keinen guten Start in das WM-Turnier hatten, bietet sich in den kommenden drei Partien gegen «grosse» Gegner die Gelegenheit, zu beweisen, dass sie besser sind. Nur wenn es einen kollektiven Steigerungslauf gibt, dann können die Schweizer die Viertelfinal-Qualifikation noch schaffen.

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