Fussball-WM
Vier Kontroversen: Xhakas Griff ins Gemächt, eine politische Botschaft und Beleidigungen

Beim 3:2-Sieg über Serbien blieb es ruhiger als in Russland vor vier Jahren – doch es gab und gibt dennoch mehrere Nebenschauplätze. Mittendrin: Der Schweizer Captain Granit Xhaka.

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Xhakas Griff ins Gemächt

Granit Xhaka war vor vier Jahren einer der Torschützen. Die Serben warfen seinen Vater einst ins Gefängnis, Xhaka hat daher kein ungetrübtes Verhältnis mit Serbien. In Katar gelang es ihm weitgehend, ruhig zu bleiben.

In einer Szene hatte er sich jedoch nicht im Griff, dafür sein Gemächt. Ob er die Geste als Reaktion auf eine serbische Provokation machte oder ob er von sich aus damit provozieren wollte, ist unklar.

In der Folge kam es zu einem kleineren Tumult vor der serbischen Ersatzbank.

Xhakas Jubel mit Jashari-Trikot

Nach dem Schlusspfiff setzte Xhaka zudem ein Zeichen mit politischem Hintergrund. Der Schweizer Spielführer jubelte im Trikot seines Teamkollegen Ardon Jashari und ehrte so den kosovo-albanischen Nationalhelden Adem Jashari.

Jashari hatte in den 90er-Jahren für die Unabhängigkeit seines Landes von Serbien und gegen das Regime gekämpft. 1998 wurde er von der serbischen Polizei zusammen mit zahlreichen Familienmitgliedern getötet. Er erlangte deshalb Märtyrer-Status und gilt heute als grösster Nationalheld des Kosovo.

Ob die klar politische Botschaft für Xhaka seitens der Fifa Konsquenzen hat, ist noch nicht klar.

Dragan Stojkovic’ Tirade

Doch auch die Serben sorgten für diskutable Momente: Nach dem zweiten Treffer der Serben durch Dusan Vlahovic fingen die Kameras Trainer Dragan Stojkovic beim Jubel ein. Wobei: Von grossem Jubel kann nicht die Rede sein. Der 57-Jährige ballte beide Fäuste und sprach mit wütendem Gesicht vor sich hin.

Ein Video davon machte schnell die Runde und wie unter anderem «heute.at» berichtet, soll er eine Beleidigung gegenüber albanisch-stämmigen Menschen ausgesprochen haben. Stojkovic soll gesagt haben: «Ich f***e eure albanischen Mütter.» Dabei benutzte er das abwertende Wort «Šiptar». Damit meinte er wohl die Schweizer Nationalspieler Xherdan Shaqiri und eben Xhaka.

Auch in der Schlussphase der Partie wurde es noch einmal heiss. In einem Zweikampf gerieten Nikola Milenkovic und Xhaka aneinander, weil der Schweizer dem serbischen Verteidiger wohl etwas zu nah kam, woraufhin Milenkovic den Captain der Nati wegschubste. Es kam zur Rudelbildung, die Schiedsrichter Fernando Rapallini nur mit Mühe auflösen konnte. Sowohl Xhaka als auch Milenkovic sahen Gelb.

Nikola Milenkovic gegen Granit Xhaka.

Nikola Milenkovic gegen Granit Xhaka.

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Diese hat für Xhaka vorerst keine Folgen für den Achtelfinal vom Dienstag gegen Portugal. Es war die erste Verwarnung für den 30-Jährigen an diesem Turnier. Ob die Vorkommnisse im Spiel gegen Serbien aber nachträglich noch zu Konsequenzen führen, ist noch nicht bekannt. Laut dem SRF prüft die Fifa, den Vorfall von Xhakas Griff in den Schritt zu untersuchen – und womöglich auch den Jubel im Jashari-Trikot. Die Fifa zeigte in Katar bisher bekanntlich wenig Toleranz bezüglich Botschaften mit politischem Anstrich.

Serbien-Trainer Stojkovic zeigte sich nach der Partie als fairer Verlierer. «Wir sind nicht glücklich, aber der Schweizer Sieg war verdient», sagte er. «Sie hat viel Qualität, nicht nur Xherdan Shaqiri.»

Serbischer Fan-Gesang

Die serbischen Fans waren im Stadion in Doha in der Überzahl. Das machte sich vor allem auch in der Schlussphase bemerkbar. Als es an der Seitenlinie zum einen oder anderen Scharmützel kam, waren von den Tribünen Gesänge zu hören. Berichten zufolge, sollen serbische Fans «ubij, ubij, ubij šiptara» skandiert haben. Das bedeutet «tötet, tötet, tötet Albaner», wobei auch hier ein beleidigendes Wort für Albaner verwendet worden sein soll. (ram/nih/con/abu/watson.ch)