WM-Qualifikation
Mit dem Herzen und Yann Sommer zum Punkt: Die Schweiz holt gegen Italien ein wichtiges 0:0

Die Schweizer Nationalmannschaft überzeugt in der WM-Quali beim 0:0 gegen Italien – Jorginho scheitert mit einem Penalty an Sommer.

Christian Brägger, Basel
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Die Schweiz bestätigt die Leistung an der Euro und holt gegen Europameister Italien einen Punkt.

Die Schweiz bestätigt die Leistung an der Euro und holt gegen Europameister Italien einen Punkt.

Bild: Urs Lindt / freshfocus

Es ist die grosse Frage vor dieser Affiche gegen den Europameister. Was darf von diesen Schweizern erwartet werden? Mit all den teils ärgerlichen Problemen, die sie diese Woche begleitet haben? Wobei Yakin kein Trainer ist, der Probleme sieht, sondern Lösungen. Vor allem im Mittelfeld muss der neue Nationalcoach sie gegen Italien finden und bringt Sow und Aebischer. Und er setzt im Zentrum auf Frei, den Nachnominierten, der erstmals seit 2018 wieder da ist.

Und dann gibt es diesen Abend im ausverkauften St. Jakob-Park in Basel, an dem sich eine Schweizer Mannschaft präsentiert, wie man sie nur ins Herz schliessen kann. Weil sie leidet. Weil sie alles gibt gegen diesen scheinbar übermächtigen Widersacher, wofür es nach dem Schlusspfiff viel Applaus gibt. Weil sie allen Widrigkeiten trotz und mit dem 0:0 im Rennen bleibt um den Gruppensieg in dieser Qualifikationsgruppe, der direkt an die WM führt. Und weil sie Sommer im Tor hat.

Zu Beginn spielt nur Italien – aber Sommer ist immer da

19 Minuten sind gespielt, und keine Szene verdeutlicht die anfängliche Dominanz der Italiener besser als dieser eine Konter nach dem ersten Eckball der Schweiz. Berardi rennt aus der eigenen Platzhälfte los, Locatelli hat ihn lanciert, einzig Zuber kann noch folgen, ihm bleibt aber das Nachsehen. Es kommt zum Eins gegen Eins mit Sommer – und der Schweizer Goalie bleibt Sieger gegen den italienischen Flügel. Dass Sommer in den Fokus rückt, das mag der neue Nationaltrainer nicht gern sehen, deshalb setzt er ja auf die Viererkette und auf ein eher defensives Mittelfeld. Durchatmen, aber viel Zeit bleibt nicht, und Sommer rückt mehr und mehr ins Zentrum des Geschehens, weil die Schweizer viele Fehlpässe haben und es Abstimmungsprobleme gibt.

Zu Beginn spielt Italien überlegen, verpasst aber den Führungstreffer.

Zu Beginn spielt Italien überlegen, verpasst aber den Führungstreffer.

Bild: Urs Lindt / freshfocus

Doch die Schweizer schaffen es, nach der ersten Druckperiode Ruhe ins Spiel zu bringen, und nach Ablauf einer halben Stunde haben sie mit einem abgefälschten Ball durch Rodriguez auch die erste Möglichkeit. Kurz darauf hat Insigne zwei Chancen, ehe Akanji mit dem Kopf die Führung knapp verpasst. Es ist die Phase, in der die Schweizer voll im Spiel angekommen sind, dagegenhalten, solidarisch agieren. Und spüren: Diese Italiener kochen auch nur mit Wasser. Einzig vor dem Pausenpfiff, da müssen sie bei einem Insigne-Freistoss fast von der Grundlinie nochmals zittern. Aber sie hat ja Sommer.

Endlich wieder Fans im Stadion. Der Basler St. Jakob-Park ist gut gefüllt mit Schweizern ...
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... und Italienern. Über 30'000 Tickets sind abgesetzt worden.
Auch die «Fankurve Schweiz» ist wieder da.
Italien-Trainer Roberto Mancini winkt den Fans zu.
Viele Spieler fehlen, dennoch sind elf konkurrenzfähige Mannen aufgestellt. Unter anderem Fabian Frei (Nr. 10, hinten rechts), der nach drei Jahren sein Nati-Comeback gibt.
Die Schweizer schwören sich auf das Spiel ein.
Und dann gehts los: Ein erster Zweikampf zwischen Lorenzo Insigne und Silvan Widmer.
Murat Yakin gibt erste Anweisungen.
Altmeister Giorgio Chiellini gegen den Startelf-Debütanten der Schweiz, Michel Aebischer.
Zweikampf zwischen Fabian Frei (links) gegen Nicolo Barella.
Renato Steffen versucht, an Emerson vorbeizukommen.
Yann Sommer ist in der ersten Halbzeit immer wieder gefordert. Hier rettet er vor Ciro Immobile.
Ciro Immobile (links) versucht, Manuel Akanji zu enteilen.
Yann Sommer pariert gegen Domenico Berardi.
Renato Steffen (hinten) kämpft mit Manuel Locatelli um den Ball.
Yann Sommer hat wenig Freude an seinen Vorderleuten.
Nico Elvedi gegen Domenico Berardi.
Und noch einmal dieses Duell: Elvedi grätscht Berardi ab.
Und auch Aebischer rutscht gegen Immobile ordentlich rein.
Yann Sommer gibt seinen Vorderleuten lautstark Anweisungen. Hier dirigiert er die Mauer vor einem Freistoss.
Haris Seferovic (rechts) hat gegen die italienischen Verteidiger um Captain Giorgio Chiellini einen schweren Stand.
Steven Zuber mit Giovanni Di Lorenzo im Zweikampf.
Ricardo Rodriguez foult Domenico Berardi im Strafraum, es gibt Elfmeter, aber...
... Yann Sommer hält den harmlosen Versuch von Jorginho.
Ulisses Garcia, der eingewechselte YB-Verteidiger gegen Nicolo Zaniolo.
Sorgt für noch mehr Spektakel: Yann Sommer behändigt auch den Versuch von Inisgne.
Nico Elvedi kann vor Lorenzo Insigne klären.
Sommers Antipode, Gianluigi Donnarumma, ist weniger beschäftigt. Doch auch er lässt sich nicht bezwingen.
Ruben Vargas und Nicolo Barella im Zweikampf.
Sogar der Altmeister staunt: Giorgio Chiellini ist beeindruckt ob der Leistung von Yann Sommer.
Ulisses Garcia drängt Juventus-Spieler Federico Chiesa ab.
Giovanni Di Lorenzo stellt sich vor Ruben Vargas.
Trikottausch der Torhüter: Yann Sommer und Gianluigi Donnarumma gratulieren sich gegenseitig zum «Shutout».
Yann Sommer und seine Teamkollegen holen sich den Applaus der Fans ab.
Dieser Fan hat auf den richtigen Spieler gesetzt.

Endlich wieder Fans im Stadion. Der Basler St. Jakob-Park ist gut gefüllt mit Schweizern ...

Freshfocus

Ihn braucht es nie mehr, als Rodriguez den Ball vertändelt im eigenen Sechzehner und dazu noch zum Tackling an Berardi ansetzt. Penalty, wieder ein Eins gegen Eins, diesmal gegen Jorginho. Doch der Überflieger der EM im Schweizer Tor und zugleich wegen der leidigen Coronaabsenz Xhakas der Captain, ahnt die Ecke und hält. Und so entwickelt sich ein Spiel, das mehr und mehr von der Spannung lebt zwischen zwei Teams, bei dem vor allem die Italiener mehr von sich erwarten.

Yann Sommer hält Jorginhos schwach geschossenen Penalty.

Yann Sommer hält Jorginhos schwach geschossenen Penalty.

Bild: Urs Lindt / freshfocus

Mancini, der beliebte «Allenatore» der «Squadra Azzurra», beginnt zu wechseln, bringt Chiesa und Zaniolo, später den nicht ganz fitten Verratti. Bis dahin hat er bis auf den verletzten Spinazzola dieselbe Formation aufs Feld geschickt, die der Schweiz dieses ernüchternde, lamentable 0:3 zugeführt hat im zweiten Gruppenspiel dieses EM-Sommers. Aber auch Yakin bringt frischen Wind, der Meister der Improvisation bringt Garcia, Vargas und Zakaria und später Fassnacht und Zeqiri. Es schadet gewiss nicht, dass nur fünf Spieler der Schweizer Startformation diese kollektive Erinnerung an jenen miserablen Auftritt in Rom haben. Plötzlich hat sogar Zakaria noch zwei Chancen, doch auch Chiesa ist ein ständiger Unruheherd. Am Ende bleibt es beim 0:0, mit dem die Schweizer leben können. Wie gut, wird die Zukunft zeigen, Italien hat vier Punkte Vorsprung bei zwei mehr ausgetragenen Spielen. Weiter geht es für Yakin und Co. am Mittwoch in Belfast gegen Nordirland.

Spiel verpasst? Hier können Sie es im Liveticker nachlesen:

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