WM-Quali
Sie sind on Fire und wollen eine unvergessliche Nacht schenken

Am Mittwochabend trifft die Schweiz im WM-Qualifikationsspiel auf Nordirland. Eine stolze Nation mit schwerer Vergangenheit und tiefen Gräben. Gerade im Kollektiv liegt jedoch die Stärke der Nordiren.

Christian Brägger, Nordirland
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Tordurchfahrt und Check-Point zwischen katholischem und protestantischem Stadtteil.

Tordurchfahrt und Check-Point zwischen katholischem und protestantischem Stadtteil.

Imagebroker / Matthias Graben / imago stock&people

Es ist ein trauriger Rekord. Im Zentrum Belfasts steht mit dem «Europa» jenes Hotel, das Zielobjekt der häufigsten Bombenanschläge weltweit wurde. 36 haben die Nordiren gezählt, sie geschahen während den «Troubles», ethnisch-nationalistisch motiviert und nicht religiös. Auch wenn sich die verfeindeten Lager in Protestanten (wollen Teil des Vereinigten Königreichs Grossbritanniens und Nordirland bleiben) und Katholiken (wollen Vereinigung mit der Republik Irland) teilten.

Seit dem Karfreitagsabkommen 1998 gilt der mehr als 30 Jahre dauernde «Nordirlandkonflikt» als beendet, doch haben mit dem Brexit die wirtschaftlichen Probleme und Spannungen wieder zugenommen. Erst an Ostern kam es zu heftigen, tagelangen Ausschreitungen.

Diesen Hintergrund sollte man kennen, wenn es am Mittwochabend für die Nordiren in ihrer Hauptstadt zum Showdown mit der Schweiz kommt, sie voller Stolz für ihr Land das giftgrüne Nationaldress überstreifen und inbrünstig von den Rängen «Sweet Caroline» (gut, das machen die Aarauer im Brügglifeld auch) intonieren. Und wenn ihr Trainer Ian Baraclough, seit etwas mehr als einem Jahr im Amt und in der Vergangenheit Profi bei den Queens Park Rangers, sagt: «Wir wollen mit einem Sieg unseren Fans eine unvergessliche Nacht schenken. Kommt zahlreich und seid so laut, wie es nur geht.»

16'000 Fans werden im Windsor Park, diesem kleinen Tempel des Fussballs, erwartet. Die Nordiren haben gerade einen kleinen Lauf, nachdem sie Litauen in der WM-Qualifikation 4:1 besiegt und auch den Test gegen Estland 1:0 gewonnen haben. Das sind selbstredend keine Gegner von Kaliber, doch sie schaffen Selbstvertrauen für das Unterfangen, sich die letzte Chance in der WM-Qualifikation zu bewahren. Derzeit haben sie drei Punkte Rückstand auf den Playoff-Platz, nur der Sieg hilft weiter.

Der Windsor Park in Belfast: Hier trifft die Nati auf Nordirland.

Der Windsor Park in Belfast: Hier trifft die Nati auf Nordirland.

Keystone

Die jüngere Vergangenheit schweisst zusammen

Die Nordiren bescherten mit kämpferischen Auftritten den etwas weniger als zwei Millionen Einwohnern jüngst zusammenschweissende Kollektiverlebnisse. 2016 in Frankreich nahmen sie überhaupt erstmals an einer EM teil, sie hatten den besten Fansong mit «Will Grigg’s on Fire» und schieden erst im Achtelfinal gegen Wales aus. Die WM 2018 in Russland verpassten sie gegen die Schweiz im Playoff, und auch in der Qualifikation für die paneuropäische EM 2020 schlug sich die Weltnummer 51 achtbar.

Das weckt Sehnsüchte und noch mehr den Nationalstolz, die im Fussball beide doch so gern gestillt werden. Zwar ist die heimische Liga wenig wert, die Fünf-Jahres-Wertung der Uefa listet sie auf Platz 40 und damit jenseits von Gut und Böse.

Mit Johnny Evans fehlt der Innenverteidiger von Leicester zudem verletzt, gegen die Schweiz müssen andere Akteure, die vorwiegend in zweitklassigen Klubs auf der Insel spielen, die Kohlen aus dem Feuer holen. Dazu gehört auch er, Jamal Lewis, Verteidiger von Newcastle. Er gilt als aufgehender Stern, hat im Klub aber keinen Stammplatz.

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