NBA

«Wir entschuldigen uns, wir lieben China» – wie die NBA ihre Seele verkauft

Immer mehr Chinesen schauen sich die Spiele der NBA an.

Immer mehr Chinesen schauen sich die Spiele der NBA an.

Der Manager der Houston Rockets setzt sich mit einem harmlosen Tweet für die demokratischen Rechte Hongkongs ein und löst damit eine diplomatische Krise aus. Einmal mehr zeigt sich: In der National Basketball Association (NBA) steht der Profit über allem.

Am Freitag tweetete Daryl Morey ein Bild mit der Inschrift: «Kämpft für Freiheit, setzt euch für Hongkong ein.» Morey, 47, der Manager der Houston Rockets, dem Team von Clint Capela und Thabo Sefolosha, hat damit ein politisches Erdbeben ausgelöst, bei dem die NBA ein jämmerliches Bild abgibt.

China reagierte zu Tode beleidigt, der nationale Verband mit dem Präsidenten Yao Ming, einer einstigen Rockets-Grösse, strich die Kooperation mit dem Team und sagte ein geplantes Spiel des G-League-Farmteams der Rockets ab. Online-Shops strichen Rockets-Merchandise aus dem Angebot und der chinesische Streaming-Dienst Tencent kündigte an, keine Spiele der Rockets mehr zu übertragen.

Die Schweizer Thabo Sefolosha (rechts) und Clint Capela spielen bei den Houston Rockets.

Die Schweizer Thabo Sefolosha (rechts) und Clint Capela spielen bei den Houston Rockets.


Der chinesische Druck wirkte, die NBA knickte schneller ein als ein Stück Karton. Der Liga-Sprecher Mike Bass nannte den später eilig gelöschten Tweet Moreys «bedauerlich», in der auf sozialen Netzwerken verbreiteten offiziellen Übersetzung schrieb die Liga gar: «Wir sind extrem enttäuscht über diesen unangebrachten Kommentar. Morey hat zweifellos die Gefühle von chinesischen Basketballfans verletzt.» Und der Rockets-Superstar James Harden sagte den verwirrenden Satz: «Wir entschuldigen uns, wir lieben China.» Als ob Moreys Tweet Gegenteiliges suggerieren würde. 

James Harden entschuldigte sich bei China für den Tweet seines Managers.

James Harden entschuldigte sich bei China für den Tweet seines Managers.


Die Art und Weise, wie die NBA den einflussreichen Manager fallen liess, ist ein Musterbeispiel an Doppelmoral. Noch im Zug der Spielerproteste gegen den in der Liga extrem unbeliebten US-Präsidenten Donald Trump hatte der NBA-Kommissionär Adam Silver mit viel Pathos schwadroniert: «Wir sind stolz, dass unsere Spieler den Menschen weltweit zeigen, dass sie multidimensional sind. Dass sie mehr als nur Basketballspieler sind und Ansichten zu gesellschaftlichen Themen haben.»

Der NBA-Commissioner Adam Silver an einer Medienkonferenz in Japan

Der NBA-Commissioner Adam Silver an einer Medienkonferenz in Japan

Geld ist wichtiger als Werte

Aber nun, da ein harmloser Tweet die Geschäftsinteressen der NBA in ihrem wichtigsten Wachstumsmarkt gefährdete, sieht alles ganz anders aus. So gespalten wie die USA in diesen Tagen auch sind: es herrscht Konsens darüber, dass Freiheit und Demokratie erstrebenswert sind; harmloser kann man einen Tweet eigentlich nicht mehr formulieren.

Rund um die Kontroverse schlugen sich die politischen Erzfeinde Bernie Sanders (Demokraten) und Ted Cruz (Republikaner) auf die Seite Moreys, was zeigt, wie verquer die Aufregung ist. Doch die NBA hat mit ihrer Reaktion klargemacht, dass es etwas gibt, was ihr wichtiger ist als Werte: das Geld – und in dieser Geschichte geht es fraglos um sehr viel davon. 500 Millionen Chinesen sahen 2018/19 mindestens eine NBA-Partie, die Liga boomt; Experten schätzen, dass die Liga in China vier Milliarden Dollar umsetzt – pro Jahr.

Die NBA drängt mit Nachdruck nach China - aktuell befinden sich mit den Brooklyn Nets und Los Angeles Lakers zwei Teams in Schanghai und Shenzhen auf Promotour, am Donnerstag und Samstag werden Exhibitionspartien ausgetragen. Das chinesische Staatsfernsehen hat angekündigt, die Partien aus dem Programm zu nehmen. Man kann die chinesischen Reaktionen für überrissen, falsch und trotzig halten. Aber im Gegensatz zu jener der NBA sind sie immerhin konsequent.

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