Eine solch grosse Delegation von Sportlerinnen und Sportlern an Olympischen Winterspielen hatte die Nordwestschweiz noch nie. Mit ganz wenigen Ausnahmen gehören die «Flachländer» aber nicht zu den heissen Schweizer Eisen.

Die grössten Hoffnungen für eine Einzelmedaille ruhen auf dem Exil-Aargauer Fabian Bösch. Der 20-Jährige aus Engelberg stammt aus der Region Lenzburg und hat immerhin einen Viertel seines Lebens dort verbracht. Da fällt es leicht, den medaillenverdächtigen Slopeystyle-Freeskier für die Olympischen Spiele vorübergehend zu adoptieren.

Mass nehmen für Pyeongchang

Mass nehmen für Pyeongchang

Am Montag haben die Schweizer Winter-Olympioniken ihre Kleider für die bevorstehenden olympischen Spiele im südkoreanischen Pyeongchang erhalten. Zwischen der Anprobe von Pullis, Jacken und Schuhen blieb Zeit, über Erwartungen und Hoffnungen in Zusammenhang mit Olympia zu reden.

Nordwestschweizer Medaillenhoffnung auf Eis

Ansonsten liegen die Nordwestschweizer Aussichten für Edelmetall buchstäblich auf Eis. Sowohl das Curlingteam aus Aarau wie mit Abstrichen auch der Viererbob von Rico Peter haben Chancen auf einen Podestplatz. Allerdings dominiert im Curlingteam von Silvana Tirinzoni «Züridütsch». Neben dem Skip fahren auch Marlene Albrecht und Esther Neuenschwander mit ZH-Nummernschildern ins Training nach Aarau.

Die Nordwestschweizer Flagge hält bei den Curlerinnen die Baslerin Manuela Siegrist hoch. Beim Vierer des Aargauer Bobpiloten Rico Peter kurven dank Simon Friedli (Zuchwil) immerhin 50 Prozent Original-NWS-Qualität durch den Eiskanal. Über eine Medaille freuen wir uns so oder so.

Swiss Olympic rechnet in Pyeongchang mit elf Medaillen

Swiss Olympic rechnet in Pyeongchang mit elf Medaillen

Elf Medaillen sollen die Schweizer Sportlerinnen und Sportler aus Südkorea nach Hause bringen. So fordert es der Verband Swiss Olympic. Insgesamt wird die Schweiz an den olympischen Winterspielen in Pyeongchang von 171 Athletinnen und Athleten vertreten.

Mario Dolder aus Sissach – Biathlon

Beim Oberbaselbieter ist mit der Qualifikation für die Olympischen Spiele eine alte Wunde definitiv verheilt. 2014 in Sotschi wurde ihm ein anderer Athlet vorgezogen. Für Dolder eine riesige persönliche Enttäuschung. Er nahm sich bereits damals vor, bei den Spielen 2018 dabei zu sein. Dieses Ziel hat der 27-Jährige erreicht.

Souverän bei der erstbesten Gelegenheit, aber trotzdem nicht mit viel «spatzig». Denn seit dem besten Weltcupresultat seiner Karriere gleich beim Saisonauftakt im schwedischen Östersund – einem 6. Rang in der Paradedisziplin Sprint – passte nur noch wenig zusammen. Statt dass ihm mit dem Erreichen des grossen Karriereziels ein Stein vom Herzen gefallen wäre, harzte es zuletzt regelmässig im Schiessstand.

Mario Dolder

«Ich probiere, die Bedeutung des Anlasses mental nicht zu sehr zu pushen.»

Mario Dolder

Mit nur 67 Prozent Trefferquote weist er den schlechtesten Wert seit vielen Jahren auf. Die Ränge 61, 92, 62 und 83 in den letzten vier Einzelrennen im Weltcup sind alles andere als eine Offenbarung für den Athleten, der doch zuletzt in der Loipe so grosse Fortschritte gemacht hat.

Selbstvertrauen wieder finden

«Ich muss beim Schiessen mein Selbstvertrauen wieder finden», sagt Dolder. Deshalb versucht er auch, sich mit dem «Traum Olympia» nicht noch mehr Druck zu auferlegen. «Ich probiere, die Bedeutung des Anlasses mental nicht zu sehr zu pushen.» Erst nach den Wettkämpfen will er die einzigartige Atmosphäre so richtig aufsaugen. T

rotz zuletzt enttäuschender Resultate glauben die Trainer diesmal an ihn und haben ihn für alle Olympia-Rennen aufgeboten. Eine wichtige Rolle spielt Dolder in der Schweizer Staffel, die sich einiges ausrechnen darf.

Tim Hug aus Gerlafingen – Nordische Kombination

Der Solothurner ist der einzige Schweizer Nordisch-Kombinierer, der international an den Start geht. Für seine letzten Olympischen Spiele ging er das Risiko ein, seine Sprungski zu wechseln und dank einem «aggressiveren Setting» auf der Schanze vielleicht weiter nach vorne zu springen.

Just auf die Olympischen Spiele hin wechselt er nun aber auf seine alten Ski zurück. Seit der 30-Jährige Ende November beim Weltcup in Lillehammer wegen zu grosser Skisprungschuhe disqualifiziert wurde, läuft es nicht mehr rund. Dabei hatte Hug doch zu Saisonbeginn mit einem 15. Platz an die Resultate der WM in Lahti angeknüpft.

Tim Hug

«Ich vermisse die volle Überzeugung. Aber ich weiss, dass nur sehr wenig fehlt.»

Tim Hug

Doch mit den neuen Schuhen klappt es beim Springen nicht mehr. «Diese Geschichte hat mich schon ein wenig verunsichert. Kommt dazu, dass der neue Schuh nicht wie gewünscht passt. Für die Olympischen Spiele bekomme ich noch ein anderes Modell», sagt er.

Schanzentraining nachholen

Pech hatte er auch mit seiner Olympia-Vorbereitung. Der Plan, zwischen den Wettkämpfen Schanzentrainings einzubauen, wurde gleich mehrfach durch Wetterkapriolen zunichtegemacht.

Vielleicht kommt in dieser Situation eine gewisse Abwechslung gerade recht. Gestern Montag absolvierte Hug in seinem Studium «Erneuerbare Technologien und Umwelttechnik» eine wichtige Prüfung, heute Dienstag reist er für einen letzten Wettkampf nach Japan. Dort wird der Solothurner danach nochmals Trainingssprünge absolvieren. «Es ist derzeit eine schwierige Situation. Ich vermisse noch die volle Überzeugung. Aber ich weiss auch, dass nur sehr wenig fehlt», sagt Tim Hug.

Nicolas Gygax aus Islisberg – Ski Freestyle

Sein grosses Ziel äusserst knapp erreicht hat der Aargauer Nicolas Gygax. Die beiden Bestresultate in diesem Weltcup-Winter sind ein 17. und ein 18. Rang. Dennoch traut sein Trainer dem ehemaligen Europacup-Gesamtsieger den Finalvorstoss bei den Olympischen Spielen zu. Gygax selber spricht von einer Steigerung während der Saison. «Die Resultate waren aber trotzdem noch nicht ganz so gut, wie ich es mir erhofft habe.»

Wichtig im Hinblick auf den Wettkampf in Pyeongchang, der nur drei Tage nach seinem 22. Geburtstag stattfindet, ist das gute Gefühl. Er sei derzeit sehr zufrieden mit seinen Sprüngen. «Die Form stimmt und ich fühle mich somit bereit für Olympia.»

Nicolas Gygax

«Mit meinen drei Saltos und drei Schrauben liegt ein Finalplatz drin.»

Nicolas Gygax

Gygax, der in seiner Karriere bereits dreimal auf Stufe Europacup auf dem obersten Podest stand und sein Weltcupdebüt erst am 20. Februar 2016 feierte, sieht sich nach der Olympiaqualifikation von einem grossen Druck befreit. Das helfe ihm, in Pyeongchang die bestmögliche Leistung abzurufen.

«Ein Finalplatz liegt drin»

«Da ich noch nicht die ganz schwierigen Sprünge zeige, ist es für mich eher schwierig, mich ganz nach vorne zu kämpfen. Mit meinen drei Saltos und drei Schrauben liegt ein Finalplatz aber drin», sagt Gygax. Dafür braucht er saubere Landungen und gute Stilnoten der Punktrichter.

Mit seinen stolzen 188 cm Körperlänge strahlt der ehemalige Kunstturner, der mit 14 Jahren zu gross für den Wettkampfsport auf der Turnmatte wurde, eine spezielle Eleganz aus. Diese technischen Fähigkeiten will er auch bei seiner Olympia-Premiere in die Waagschale werfen.

Ramona Härdi aus Möriken – Eisschnelllauf

Eigentlich ist sie ja vier Jahre zu früh. Als die Aargauerin Ramona Härdi vor wenigen Jahren vom Inlineskating zum Eisschnelllauf wechselte, nahm sie sich vor, 2022 bei den Olympischen Winterspielen in Peking dabei zu sein. Nun schaffte sie die Qualifikation bereits für Südkorea.

Zwei Hauptfaktoren führten zur wohl unerwartetsten Selektion im gesamten Team von Swiss Olympic. Erstens setzte die 20-Jährige konsequent auf die neue Olympiadisziplin «Massenstartrennen». Ihre Erfahrung in vielen Inline-Wettkämpfen, wo der direkte Kampf Frau gegen Frau und das Ellbögeln im Gegensatz zum Eisschnelllauf alltäglich sind, verschaffte der Aargauerin einen Vorteil zur höher eingeschätzten Konkurrenz.

Ramona Härdi

«Ich will die Spiele erleben und am Tag X meine bestmögliche Leistung zeigen.»

Ramona Härdi

Die 24 Besten der Weltrangliste ergatterten sich einen Olympia-Startplatz, Ramona Härdi lag am Schluss der Qualifikationsphase auf Rang 23. Die beste Weltcupplatzierung war der neunte Rang in Holland.

Erfahrungen sammeln 

Holland ist gleichzeitig das zweite Puzzleteil, das zu Ramona Härdis Teilnahme an den Olympischen Spielen im allerersten Jahr bei der Elite führte. Die junge Athletin hatte den Mut, nach dem Ende ihrer Lehre alles auf die Karte Sport zu setzen. In der Schweiz ist es mangels Trainingsgelegenheiten und Gegnern praktisch unmöglich, im Eisschnelllaufen auf einen grünen Zweig zu kommen.

Ganz im Gegensatz zu Holland, wo die Sportart Nationalheiligtum ist. «Dort konnte ich auch regelmässig Massenstarts gegen starke Konkurrentinnen trainieren. Am Schluss ist wirklich alles aufgegangen», freut sich Härdi.

Bezüglich ihrer Ambitionen fürs Olympiarennen ist die 20-Jährige realistisch. «Es geht bei mir in erster Linie darum, Erfahrungen zu sammeln. Ich will die Olympischen Spiele erleben und am Tag X meine bestmögliche Leistung zeigen.»

Dimitri Isler aus Fahrwangen – Ski Freestyle

Für den Seetaler ist es die erste Olympiateilnahme, obwohl er im Sprung-Team der Skiakrobaten bereits zu den Routiniers gehört. Die Qualifikation für Pyeongchang schaffte der 24-Jährige gleich beim allerersten Weltcup Anfang Dezember in China.

Dieser neunte Rang blieb seither allerdings die einzige Finalqualifikation. «Die Saison ist sicherlich nicht wunschgemäss verlaufen, die erwünschten Topresultate blieben leider aus», sagt Dimitri Isler selbstkritisch.

Dimitri Isler

«Ich habe im Vergleich zur Konkurrenz zwei wirklich gute Sprünge auf Lager.»

Dimitri Isler

Der Aargauer hat auf diese Saison hin seine Sprünge noch einmal erschwert und zeigt in der Luft drei Salti mit fünf Schrauben. Er weiss, dass er auch im Vergleich zur Konkurrenz «zwei wirklich gute Sprünge auf Lager» hat. Aber bislang fehlte das Wettkampfglück respektive das Stehvermögen.

«Ich weiss was ich kann»

Das Aerials-Team mit den drei Nordwestschweizern geht in der Vorbereitung auf Pyeongchang im wahrsten Sinn einen eigenwilligen Weg. Nach dem letzten Weltcup am 20. Januar in den USA reiste man gemeinsam für einige Tage zum Ausspannen nach Hawaii. Diese Woche geht es weiter nach Japan zum abschliessenden Trainingslager. «Hier werde ich nochmals intensiv an meinen Sprüngen feilen und dann hoffentlich an den Spielen einen raushauen», sagt Isler selbstbewusst.

Er mache sich im Hinblick auf Olympia nicht zu viel Druck, bleibe gelassen. «Ich weiss, was ich kann und was damit zu erreichen ist», sagt er. Als Ziel nennt Dimitri Isler ein olympisches Diplom. Damit dies gelingt, muss er sich für den Final der Top 12 qualifizieren. Etwas, das ihm zuletzt im Weltcup bei fünf von sechs Anläufen nicht gelang.

Silvana Tirinzoni Team Aarau – Curling

In dieser Woche gibt das Team von Skip Silvana Tirinzoni im Training nochmals Vollgas. Mit letzten intensiven Einheiten wollen die Aarauer Curlerinnen den letzten Schliff für das Olympische Turnier holen, bei dem sie zu den Medaillenanwärterinnen gehören.

Die vier Spielerinnen, darunter die 27-jährige Baslerin Manuela Siegrist, haben den Aufwand für Olympia generell nochmals erhöht. Das Team hat mehr trainiert und im Sommer früher mit dem Training begonnen als in anderen Jahren.

Silvana Tirinzoni

«Es wäre falsch, wegen eines Fehlsteins alles infrage zu stellen.»

Silvana Tirinzoni

Dabei gibt es durchaus teaminterne Unterschiede. «Die Frontspielerin muss körperlich anders fit sein als der Skip. Dieser hat mental eine viel grössere Herausforderung», erklärt Tirinzoni. «Curling hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Wer körperlich nicht auf Toplevel ist, kann an der Weltspitze nicht mehr bestehen.»

«Jeder kann jeden schlagen»

Mit zwei Turnieren im Januar in Kanada hat sich das Schweizer Team für die Winterspiele vorbereitet. Man traf dabei auf mehrere Gegner in Pyeongchang und konnte aus den Partien einige taktische Dinge mitnehmen. Silvana Tirinzoni sagt aber auch: «Die Top 20 der Weltrangliste sind sehr nahe beieinander, da kann jeder jeden schlagen.»

Diese Erfahrung musste sie an der Heim-EM in St. Gallen machen, als man in den entscheidenden Partien um die Medaillen zweimal knapp unterlag. Sie glaubt aber nicht, dass man deswegen viel am eigenen Spiel umstellen müsse. «Es wäre falsch, wegen eines Fehlsteins alles infrage zu stellen. Die Umstände in Korea werden ganz anders sein», sagt Tirinzoni.

Mischa Gasser aus Zuchwil – Ski Freestyle

Der Solothurner ist der einzige Skiakrobat aus dem aktuellen Aerials-Kader, der bereits bei Olympischen Spielen dabei war. Im Gegensatz zu Sotschi (18. Rang) weiss der 26-Jährige nun, was in knapp zwei Wochen auf ihn zukommt.

Im Vergleich mit Teamkollege Dimitri Isler dauerte es bei Gasser in dieser Saison eine ganze Weile, bis er das Olympia-Ticket im Sack hatte. Erst mit seinem 11. Platz im Januar beim Weltcup in Deer Valley durfte er sich seiner Selektion sicher sein.

Mischa Gasser

«Die Form wird immer besser. Ich hoffe, am Tag X auf dem Höhepunkt zu sein.»

Mischa Gasser

Gasser zieht deshalb auch ein selbstkritisches Fazit zu seinen bisherigen Leistungen: «Die Bilanz ist nicht gerade perfekt. Die Finalqualifikation war sicher sehr gut für mein Selbstvertrauen, doch die restlichen Weltcups waren nicht immer ganz befriedigend.»

Potenzial fürs Finale

Im Hinblick auf die Olympischen Spiele bleibt Mischa Gasser aber positiv. Denn er spürt, dass «meine Form eigentlich immer besser wurde. Ich hoffe, am Tag X auf dem Höhepunkt sein zu können». Der erste Schritt zu einem möglichen Exploit sei die Qualifikation für den Final der besten zwölf. Dies traut auch der Schweizer Chefcoach Michel Roth seinen insgesamt vier Athleten – darunter sein erst 17-jähriger Sohn Noé – durchaus zu.

«Unser Ziel ist, zwei Schweizer im Finale zu haben. Wenn ein Athlet bis ins Super Final (Top 6) springt, wäre das ein perfekter Exploit.» Roth ist überzeugt, dass Mischa Gasser das Potenzial hat, um ins Finale zu springen: «Alle vier können die Sprünge mit der nötigen Schwierigkeit und haben die saubere Haltung. Jetzt haben wir auch intensiv an den Landungen gearbeitet», sagt der Trainer.

Rico Peter aus Kölliken – Bob

Obwohl der Zehnte der Olympischen Spiele 2014 mit dem Zweierbob selber sagt, er habe während dieser Saison «eigentlich immer zu kämpfen gehabt», lässt er sich den Optimismus im Hinblick auf Pyeongchang nicht nehmen. «Die Bahn liegt uns. Ich glaube deshalb, eine Medaille kann oder muss drinliegen», sagt Rico Peter.

Einen «Lauf» hatte der 34-Jährige in diesem Winter wahrlich nie. Nach einem Lichtblick kam meist wieder ein Dämpfer. Manchmal war er mit dem Zweier stärker, dann wieder mit dem Vierer. Als Medaillenkandidat für die Olympischen Spiele hat er sich nie aufgedrängt.

Rico Peter

«Die Bahn liegt uns. Ich glaube, eine Medaille kann oder muss drinliegen.»

Rico Peter

Dass Rico Peter, der während Jahren als Spezialist für den kleinen Bob galt, seine Chancen nun primär im Vierer sieht, hat auch etwas mit dem Faktor Zeit zu tun. Am 7. Januar erlebte der Kölliker nämlich den Albtraum jedes Bobpiloten.

Er stürzte beim Weltcup in Altenberg mit dem grossen Schlitten bei Tempo 120. «Natürlich zieht dich so etwas runter, aber dank unserem Mentaltrainer und guten Gesprächen mit dem Team können wir das im Hinblick auf Olympia ausblenden.»

Thomas Amrheins Teilnahme noch unklar

Peter selber musste sich danach am Daumen operieren lassen, seinen Anschieber Thomas Amrhein erwischte es schlimmer. Nach dessen Schlüsselbeinbruch ist noch immer nicht hundertprozentig klar, ob er Peters Schlitten in Südkorea zusammen mit dem Solothurner Simon Friedli zur gewünschten Startgeschwindigkeit wird stossen können.

«Wir sind voll im Training. Zum Glück haben wir bis zum Rennen mit dem Vierer am 24. Februar noch mehr als drei Wochen Zeit», ist Peter optimistisch.

Sabina Hafner aus Liestal – Bob

Die Baselbieterin ist so etwas wie der Routinier im Nordwestschweizer Olympia-Grüppchen. Sabina Hafner war 2006 in Turin erstmals bei Olympischen Spielen dabei. Vor ihrer Pause und dem kurzen Abstecher zum Skeleton sauste die 33-Jährige auch 2010 in Vancouver den Eiskanal hinunter.

Mit den Resultaten – einem zehnten und zwölften Platz – allerdings war sie beide Male nicht zufrieden. Sabina Hafner will in Südkorea mehr, ist dabei aber realistisch genug. «Eine Medaille liegt nicht drin, aber mit einem Diplom wäre ich sehr happy», sagt sie. Am wichtigsten bleibt, dass sie nach den vier Läufen bilanzieren kann, mit ihren Leistungen zufrieden zu sein.

Sabina Hafner

«Noch 14 Fahrten sind es bis zu meinem definitiven Abschied als Bobpilotin.»

Sabina Hafner

Hafner weiss noch nicht, wer in Pyeongchang ihren Schlitten anschiebt. Es bleibt so oder so eine Familienangelegenheit, denn die routinierte Steuerfrau setzt auf die Schubkraft der Zwillinge Eveline und Rahel Rebsamen aus Eschenbach im Luzerner Seetal. Hafner will die ersten der insgesamt zehn Trainingsfahrten abwarten.

«Nach Olympia ist Schluss»

Eines ist jetzt schon klar: Zu den Schnellsten am Start gehört der Schweizer Frauen-Bob sicher nicht. Umso wichtiger, dass die Liestalerin auf der tückischen Bahn möglichst fehlerfrei durchkommt. «Es hat zwei Schlüsselstellen, bei denen man richtig viel Zeit verlieren kann», weiss sie.

Für Sabina Hafner beginnt mit der Reise nach Südkorea am 3. Februar ein Countdown. «Noch 14 Fahrten sind es bis zu meinem definitiven Abschied als Bobpilotin», sagt sie, «denn nach Olympia ist Schluss.» Dies stolze 16 Jahre nach ihrer ersten Fahrt an den Steuerseilen.

Fabian Bösch aus Engelberg – Ski Freestyle

Es ist beinahe so verwegen wie seine Tricks im Schnee, Fabian Bösch als Aargauer zu bezeichnen. Wir tun es trotzdem – und haben dazu den Segen des 20-jährigen Engelbergers. Schliesslich stammt seine Familie aus dem Raum Lenzburg, lebten seine Grosseltern bis zu ihrem Tod in Staufen und verbrachte er selber seine ersten fünf Lebensjahre in Lenzburg.

«Und ich besuche regelmässig meine Gotte im Aargau», betont er. Bösch startet in der jungen Disziplin Freeski-Slopestyle. Dass der Draufgänger dort zu den Weltbesten gehört, bewies der nur 1,70 m grosse und 57 kg leichte Bösch mit dem WM-Titel 2015 und dem Triumph bei den X-Games.

Fabian Bösch

«Was man zeigen muss, um der Beste zu sein, verändert sich jede Saison.»

Fabian Bösch 

Auch in der aktuellen Saison unterstrich der Exil-Aargauer, dass er für Pyeongchang ein realistischer Medaillenkandidat ist. Die hartnäckige Fersenprellung, die ihn im vergangenen Winter für acht Monate ausser Gefecht setzte, ist längst überwunden.

«Super-Super-Resultat liegt drin»

Der 23. Platz bei den letzten Winterspielen in Sotschi vergessen. «Das war mein allererster Grossanlass. Ich war schlicht noch nicht bereit dazu.» Jetzt präsentiert sich die Ausgangslage komplett anders. «Ich weiss, was ich kann. Ich weiss aber auch, wie nah die 10 Finalisten zusammenliegen. Der kleinste Fehler, und du bist weg vom Fenster», sagt Bösch.

Er will für Pyeongchang keine konkrete Prognose machen, «aber ich weiss, dass ein Super-Super-Resultat drinliegt, wenn meine Tricks gelingen.» Die Entwicklung seiner Sportart sei nach wie vor im Gang. «Was man zeigen muss, um der Beste zu sein, verändert sich jede Saison.»