Wimbledon
Novak Djokovic besiegt Matteo Berrettini und steht nun wie Rafael Nadal und Roger Federer bei 20 Grand-Slam-Titeln

Novak Djokovic bezwingt den Italiener Matteo Berrettini (25, ATP 8) 6:7 (4:7), 6:4, 6:4, 6:3 und gewinnt zum dritten Mal in Folge Wimbledon, zum sechsten Mal insgesamt. Der 34-jährige Serbe steht nun wie Roger Federer und Rafael Nadal bei 20 Grand-Slam-Titeln

Simon Häring
Merken
Drucken
Teilen
Zum sechsten Mal heisst der Wimbledon-Sieger Novak Djokovic.

Zum sechsten Mal heisst der Wimbledon-Sieger Novak Djokovic.

Kirsty Wigglesworth / AP

Novak Djokovic ist am Ziel seiner Träume angelangt. Mit einem 6:7 (4:7), 6:4, 6:4, 6:3 gegen den Italiener Matteo Berrettini (25, ATP 9) gewinnt der 34-jährige Serbe zum dritten Mal in Folge in Wimbledon, zum sechsten Mal insgesamt. Nur Rekordsieger Roger Federer (8 Titel) und Pete Sampras (7) haben das wichtigste Tennisturnier der Welt öfter gewonnen. Djokovic steht damit bei 20 Grand-Slam-Titeln – so viele wie Roger Federer und Rafael Nadal. Das war seit Jahren sein Ziel. Nun hat er es erreicht.

Auf dem Weg zu seinem Wimbledon-Sieg gibt Djokovic nur zwei Sätze ab - den allerersten im Turnier gegen den Briten Jack Draper. Und im Final gegen Matteo Berrettini, der erstmals überhaupt im Final eines Grand-Slam-Turniers stand. Spielerisch war es ein bescheidener Final. Im ersten Satz verspielte Djokovic eine 5:2-Führung und verlor das Tiebreak. Im zweiten Satz führte er mit 5:1, gewann diesen aber am Ende nur mit 5:4. Auch im dritten Durchgang liess Berrettini mehrere Chancen ungenutzt, in den Satz zurückzufinden. Und im vierten Satz legt Djokovic mit einem Break zum 4:3 den Grundstein zum Sieg.

Ein Ritual, das Djokovic lieb gewonnen hat: Nach seinen Siegen pflegt er, den Wimbledon-Rasen zu kosten.

Ein Ritual, das Djokovic lieb gewonnen hat: Nach seinen Siegen pflegt er, den Wimbledon-Rasen zu kosten.

Neil Hall / EPA

Seit 2011 dominiert Djokovic nach Belieben

Novak Djokovic hat das letzte Jahrzehnt im Männertennis nicht nur geprägt, sondern dominiert. Seit 2011 hat er 19 von 42 Major-Titeln gewonnen und damit alleine mehr als seine Rivalen Nadal (11) und Federer (4) zusammen. Seit er am 4. Juli 2011 erstmals an die Spitze der Weltrangliste vorgestossen ist, führte nur noch während 160 Wochen ein anderer Spieler das Ranking an. Im März löschte er die bisherige Rekordmarke von Roger Federer für die meisten Wochen an der Spitze. Inzwischen steht er bei 328 Wochen. Ein Ende ist nicht absehbar.

Novak Djokovic hat als einziger Mann alle vier Grand-Slam-Turniere und alle Masters-Turniere mindestens zwei Mal gewonnen. Dazu hat er gegen seine grössten Rivalen er öfter gewonnen, als verloren; 30:28 Siege gegen Nadal und 27:23 gegen Federer. Er ist unbestritten der beste Tennisspieler der Gegenwart, der beste der Epoche und der beste der Geschichte. Daran besteht kein Zweifel mehr. Novak Djokovic ist der König unter Tennis-Königen. Ist er der Beste der Geschichte? Djokovic sagt: «Ich betrachte mich als den Besten. Aber ob ich der grösste aller Zeiten bin, überlasse ich anderen. Es ist schwierige, verschiedene Epochen zu vergleichen.»

Novak Djokovic ist zum sechsten Mal Wimbledon-Sieger.

Novak Djokovic ist zum sechsten Mal Wimbledon-Sieger.

Keystone

Sein Hunger auf Erfolge ist nicht gestillt. «Meine Reise ist noch nicht zu Ende», sagte er. Und es ist klar, wohin ihn diese noch führen soll. Zuvor hatte er schon die Australian Open und die French Open gewonnen. Nach Jack Crawford (1933), Don Budge (1938), Lew Hoad (1956) und Rod Laver (1962 und 1969) ist er der fünfte Mann in der Tennis-Geschichte, der die drei ersten Grand-Slam-Turniere des Jahres gewinnen konnte. Budge und Laver gewannen danach auch die US Open und vollendeten den «Grand Slam» – Laver gelang das sogar gleich zwei Mal – ein Mal als Amateur, ein Mal als Profi. Und doch ist es eine Premiere: Djokovic ist der erste Mann, dem das auf drei verschiedenen Unterlagen gelungen ist – auf Hartplatz in Melbourne, auf Sand in Paris und nun auf Rasen in Wimbledon.

Matteo Berrettini ist in seinem ersten Grand-Slam-Final ein guter Gegner für Novak Djokovic, aber eben kein sehr guter.

Matteo Berrettini ist in seinem ersten Grand-Slam-Final ein guter Gegner für Novak Djokovic, aber eben kein sehr guter.

Keystone

Novak Djokovics neues Ziel: Golden Slam

Ob er die Olympischen Spiele bestreiten wird, lässt Djokovic zwar vorerst noch offen. Tritt er in Tokio an und gewinnt Gold, könnte im September bei den US Open das Tatsache werden, was bisher nur Steffi Graf 1988 gelungen ist, und wovon Roger Federer und Rafael Nadal im Gegensatz zu Djokovic nie zu träumen gewagt hatten: der Golden Slam, bestehend aus Siegen bei den vier Grand-Slam-Turnieren innerhalb eines Kalenderjahres und Einzel-Gold beim olympischen Tennisturnier, das vom 24. Juli bis 1. August ausgetragen wird. Der Kalender-Grand-Slam und Olympia-Gold – beides fehlt Novak Djokovic in seinem fast makellosen Palmarès noch.

Doch wer sieht, mit welch unvergleichlicher Hartnäckigkeit, Ausdauer, Beharrlichkeit und Leidenschaft Novak Djokovic derzeit Tennis spielt und seine Ziele verfolgt, der ahnt, dass er wohl auch diese Lücken schon bald schliessen wird. Schon jetzt ist er unbestritten der König unter Königen.