Brasilien
«Willkommen in der Hölle!» – So begrüssen Polizisten von Rio 37 Tage vor Olympia-Start die Touristen

Gehälter werden nicht rechtzeitig ausgezahlt und in den Polizeiwachen fehlt WC-Papier: Polizisten haben in Rio de Janeiro gut einen Monat vor den Olympischen Spielen gegen ihre Arbeitsbedingungen demonstriert.

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«Willkommen in der Hölle» - so begrüssen die Polizisten von Rio wenige Tage vor Olympia-Start die Touristen.

«Willkommen in der Hölle» - so begrüssen die Polizisten von Rio wenige Tage vor Olympia-Start die Touristen.

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37 Tage vor dem Start der Olympischen Spiele laufen in Brasiliens Metropole Rio de Janeiro die Vorbereitungen alles andere als rund. Grosse Zweifel kommen auf, ob der Megaanlass ohne Zwischenfälle durchgeführt werden kann.

Dutzende Polizisten versammelten sich am Flughafen von Rio de Janeiro, um Touristen auf die Missstände in ihrer Stadt aufmerksam zu machen. In der Metropole Brasiliens, welche in rund einem Monat der Mittelpunkt des weltweiten Sportgeschehens darstellen wird. «Willkommen in der Hölle!», steht auf dem Plakat der brasilianischen Polizisten. Und weiter: «Polizisten und Feuerwehrleute werden nicht mehr bezahlt, wer auch immer nach Rio de Janeiro kommtwird nicht sicher sein.»

Auch vor dem Parlament des Bundesstaates Rio prangerten hunderte Polizisten die Missstände an. «Der Polizei geht es um die Menschen, der Regierung um die Olympischen Spiele», stand auf einem weiteren Transparent der Demonstranten.

Ein Beamter, der wie viele andere Protestteilnehmer aus Angst vor Nachteilen am Arbeitsplatz seinen Namen nicht nennen wollte, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe für den vergangenen Monat nur ein halbes Gehalt ausgezahlt bekommen. Seine Gehaltszahlung für diesen Monat stehe ebenfalls noch aus. «Auch meine Überstunden wurden mir seit fünf Monaten nicht gezahlt», sagte der 40-jährige Polizist.

Abgesehen von ausbleibenden Gehältern haben die Polizisten in Rio de Janeiro auch mit zunehmend schlechten Arbeitsbedingungen bei gleichzeitig steigender Kriminalität zu kämpfen.

«In den Wachen haben wir kein Papier oder Patronen für die Drucker, keiner kommt zum Saubermachen und manche Wachen haben keine Wasserversorgung mehr, so dass die Toiletten nicht funktionieren», sagte der 39-jährige André, der einer Eliteeinheit der Polizei angehört.

«Menschen aus der Bevölkerung bringen uns Klopapier», fügte er hinzu. Die Demonstranten beklagten überdies, dass wegen Treibstoffmangels die Benutzung von Polizeiwagen eingeschränkt sei.

Notstand erklärt

Der Bundesstaat Rio de Janeiro hatte vor gut einer Woche wegen seiner angespannten Haushaltslage den Notstand erklärt, um Finanzmittel für die Olympischen Spiele freizusetzen, die am 5. August beginnen.

Der Gouverneur des Bundesstaates, Luiz Fernando Pezão, hatte am Montag in einem Interview mit der Zeitung "O Globo" gewarnt, die Haushaltskrise drohe die Olympischen Spiele in einen "grossen Misserfolg" zu verwandeln. Die Finanzierung der Sicherheitsbehörden von Rio de Janeiro stehe nur bis "Ende dieser Woche".

Der Bundesstaat wartet auf 2,9 Milliarden Real (rund 835 Millionen Franken) aus dem Bundeshaushalt. Die brasilianische Volkswirtschaft durchläuft derzeit die schwerste Rezession seit 25 Jahren. Die Wirtschaftsleistung (BIP) sank im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent.