WM-Kolumne
Wildwechsel im Tirol

Hirsche wandern. Ihnen sind keine Grenzen gesetzt, sie brauchen keinen Pass um zwischen Ländern zu verkehren. So mancher Hirsch hat sich aber in ein Restaurant in St. Moritz verirrt.

Martin Probst
Martin Probst
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Die Ski-WM hat ihren eigenen Fleischskandal.

Die Ski-WM hat ihren eigenen Fleischskandal.

Wassermann Company

Da hat sich der Hirsch aber gehörig verirrt. Und das Tirol seinen Fleischskandal. Im Österreicher-Haus, an der Ski-WM traditionell «TirolBerg» genannt, findet am Montag eine Krisensitzung statt.

Der Grund: Der Hirsch ist zugewandert und kein Tiroler. Das «Seefelder Wildragout», das den Gästen serviert wird, enthält Fleisch aus Ungarn. Dumm für die Touristiker aus Österreich, dass in der Schweiz die Fleisch-Herkunft auf der Speisekarte deklariert werden muss. So wird auch die Schnitzelsemmel als kroatisches Produkt enttarnt.

In Österreich ist die Aufregung gross. Von links bis rechts röhren zahlreiche Politiker wie brunftige Hirsche. Ausgerechnet das Tirol erlaubt sich den Marketing-GAU. Dabei heisst es doch, die Schweizer Tourismus-Destinationen müssten sich nicht wundern, wenn die Gäste zusehends nach Österreich und besonders ins Tirol abwandern. Schliesslich sei man dort einfach innovativer und gastfreundlicher.

In St. Moritz wirbt der «TirolBerg» an bester Lage und will dieses gute Image hegen und pflegen wie die Hirsche in der Zucht. Dumm nur, dass es zum Wildwechsel kommt. Die Abgeordnete der österreichischen «Grünen», Gabriele Fischer, sagt der Zeitung «Der Standard»: «Wir schneiden uns im wahrsten Sinne des Wortes ins eigene Fleisch, wenn nicht einmal das Vorzeigeprojekt der ‹Tirol Werbung› auf die Qualität der heimischen Produkte setzt.»

Im «TirolBerg» in St. Moritz wird nun umgehend reagiert. Seit gestern gibt es im Österreicher-Haus auf der Speisekarte nur noch Produkte mit Fleisch aus der Heimat. Und wenn nun Vegetarier denken, man verzichte ob des GAUs doch lieber ganz auf Fleisch: Auch die Kartoffeln für das «Innsbrucker Gröstl» kamen im «TirolBerg» aus Deutschland. Selbst die Pflanzen gediehen also nicht in der frischen Luft der Tiroler Berglandschaft.

Ab sofort gilt im «TirolBerg» also wieder das Motto: wenn schon Hirsch, dann heimisch. Daumen Drücken heisst es im Österreicher-Haus in der zweiten WM-Woche vor allem für Superstar Marcel Hirscher. Der ist zwar auch kein Tiroler – aber immerhin nicht aus Ungarn.

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