Wintersport
Wieso Skistar Corinne Suters auf ein Privileg verzichtet und wo Cédric Noger mit Beat Feuz mithalten kann

Nicht weniger als 38 Serviceleute arbeiten für die Athletinnen und Athleten von Swiss Ski. Doch längst nicht alle Kosten dafür werden vom Skiverband bezahlt.

Rainer Sommerhalder
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Corinne Suter vertraut auf den bewährten Servicemann von Swiss Ski, obwohl sie von ihrer Skimarke Head als VIP-Athletin betreut würde.

Corinne Suter vertraut auf den bewährten Servicemann von Swiss Ski, obwohl sie von ihrer Skimarke Head als VIP-Athletin betreut würde.

Freshfocus (Sölden, 16. Oktober 2020

Je besser die Resultate eines Skifahrers, desto privilegierter steht er auch bei der Skipräparation da. Die Stars der Szene haben ihren eigenen Servicemann, den die Skimarke stellt und finanziert. Beat Feuz gehört ebenso dazu wie Marco Odermatt, Wendy Holdener oder Lara Gut. Insgesamt werden sieben Athletinnen und Athleten von Swiss Ski direkt über den Ausrüster versorgt. Die Arbeit dieser Serviceleute kann über Sieg und Niederlage entscheiden.

13 solcher Firmen-Wachsspezialisten von sieben verschiedenen Skimarken sind Teil des Schweizer Weltcupteams. Die meisten von ihnen kümmern sich um jeweils zwei Fahrer des gleichen Ausrüsters, etwa der Servicemann von Fischer um die Slalomcracks Daniel Yule und Tanguy Nef.

Es versteht sich von selbst, dass ein Servicemann nicht Athleten aus verschiedenen Ländern betreut. Zwar sind Beat Feuz und der Österreicher Vincent Kriechmayr bei Head neu Markenkollegen, auf der Piste aber bleiben sie in erster Linie scharfe Konkurrenten. So arbeiten die rund 20 Serviceleute von Head in den seltensten Fällen grenzübergreifend.

Keine Regel ohne Ausnahme. Corinne Suter hätte nach dem Gewinn von zwei Weltcupwertungen im vergangenen Winter bei Head ebenfalls das Privileg eines eigenen Servicemanns. Die Schwyzerin baut aber weiterhin auf die Arbeit ihres langjährigen Pool-Servicemanns von Swiss Ski, den sie sich bis zum vergangenen Frühling mit Priska Nufer teilte. Die Beziehung zwischen Sportler und Wachsspezialist ist eben auch Vertrauenssache.

Wo Cédric Noger und Beat Feuz gleichauf sind

Am anderen Ende der Skala steht der Ostschweizer Riesenslalom-Spezialist Cédric Noger. Obwohl es der 28-Jährige in seiner Weltcup-Karriere ein einziges Mal in die Top 10 schaffte, stellt ihm die Skimarke einen eigenen Servicemann. Das liegt an der besonderen Konstellation. Noger wechselte auf diesen Winter hin zu Kästle. Jene Vorarlberger Traditionsmarke, die in den Achtzigerjahren mit Pirmin Zurbriggen Erfolge ohne Ende feierte, ein Jahrzehnt später aber Konkurs ging und von der Bildfläche verschwand.

Aktuell versucht Kästle ein Comeback im Rennzirkus, Noger ist der erste Weltcupfahrer unter Vertrag. Entsprechend konnte Swiss Ski bei der Wiederaufnahme der Kultmarke in den Skipool die Bedingungen mitdiktieren, andererseits ist die enge Begleitung des Athleten-Prototypen für die Weiterentwicklung der Skis auch für Kästle essenziell.

Wer keinen Skipräparier des Ausrüsters hat, erhält den Support von einem der 25 Serviceleute, die bei Swiss Ski angestellt sind. Auf Stufe Weltcup teilen sich zwei Fahrer, die durchaus auf verschiedenen Skis unterwegs sein können, einen Materialverantwortlichen. Auch hier gibt es eine Ausnahme. Ramon Zehnhäusern hat exklusiv einen Wachsmann für sich. Seine Grösse von zwei Metern spielt mit, dass die Skipräparation beim Walliser aufwendiger ist.

Die teuersten Angestellten von Swiss Ski

Aufwändig ist auch die Finanzierung der 25 Serviceleute. «ie gehören bei der Vollkostenrechnung zu den teuersten Angestellten», sagt Alpindirektor Walter Reusser. Das liegt nicht etwa an exorbitanten Löhnen. Neben den grossen Reisekosten schlägt auch aufs Budget, dass die Wachsmänner selten mit leichtem Gepäck unterwegs sind. Die Kosten für das Übergewicht bei Flugzeugtransporten der Skis etwa taucht Ende Saison auch unter dem Ausgabeposten «Servicemann» auf.

Deshalb gibt es innerhalb des Schweizer Skipools, wozu derzeit alle grossen Skimarken mit Ausnahme von Elan und Blizzard gehören, eine spezielle Finanzierung – auf Basis eines Gentleman Agreements. Für einen durch Serviceleute von Swiss Ski betreuten Athleten der Top 30 der Welt bezahlt die Skimarke jährlich 25 000 Franken an die Kosten, bei einem Top-15-Fahrer sogar das Doppelte. Sportliche Erfolge der Schweizer Skicracks senken also unmittelbar Lohnkosten des Verbandes. Derzeit keine schlechte Gleichung für Swiss Ski.

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