Korruption im Sport

Wieder Razzia bei Schweizer Messebauer

Messebauer Nüssli musste in Indien erneut eine Hausdurchsuchung über sich ergehen lassen. Die Firma ist in eine Korruptions-Affäre verwickelt, die während den «Commonwealth Games 2010» öffentlich wurde.

Wo Olympiaden, die FIFA-Fussballweltmeisterschaft oder Ski-Grossanlässe stattfinden, ist Nüssli nicht weit weg. Die weltweit tätige Firma aus Hüttwilen im Kanton Thurgau ist auf Eventbauten für Grossanlässe im Bereich Sport und Kultur spezialisiert und in ihrem Fach eine absolute Top-Nummer.

In Asien aber hat die Firma momentan einige Probleme. Das indische FBI, das Central Bureau of Investigation (CBI), ermittelt seit Monaten wegen massiven Unregelmässigkeiten und Korruptionsvorwürfen gegen verschiedene Firmen, die für die «Commonwealth Games 2010» (CWG) Arbeiten ausführten. Auch Nüssli ist davon beroffen.

Grossauftrag war «Meilenstein»

Nüssli erhielt einen Grossauftrag für sechs Veranstaltungsorte. Der Vertrag galt intern als ein Meilenstein in der Geschichte der Firma, denn die CWG sind die Olympiaden der ehemaligen britischen Kolonien.

Verschiedene indische Quellen schätzten den Wert des Auftrags auf umgerechnet 29,6 Millionen Franken (Rs 141 crore, 1'410'000'000 Rupien) ein.

Journalisten machten Wochen nach dem Ende der Spiele interne E-Mails publik, in denen sich ein indischer Verantwortlicher bitter über Nüssli beschwerte.

Verschiedene Unregelmässigkeiten

Statt hochwertigen Produkten seien minderwertige Geräte geliefert worden - etwa Klimaanlagen. Auch sei der Preis für die Produkte viel höher veranschlagt worden, als dies normalerweise der Fall sei, war einer der Vorwürfe.

Für den Abbruch der Anlagen wurde von einer Firma 98 Rupien per Kubikmeter Schutt veranschlagt, während Nüssli für die gleiche Arbeit 136-fache verlangte.

Im Zusammenhang mit weiteren solchen Unregelmässigkeiten kam es Ende 2010 zu diversen Razzias. Auch die Räume von «Nüssli India» bekamen Besuch der indischen Beamten.

Verdacht auf «kriminelle Verschwörung»

Nun kam es gestern Donnerstag erneut zu Hausdurchsuchungen, wieder war Nüssli betroffen. Diesmal wurden unter anderen auch die Räumlichkeiten von Martin H., Projektleiter der Nüssli Switzerland Ltd, von CBI-Agenten durchsucht. Die Beamten beschlagnahmten diverse Akten sowie Digitalträger.

Die Hausdurchsuchungen fanden kurz nach einer eintätigen Einvernahme des Commonwealth Games 2010-Organisators Suresh Kalmadi statt.

Die Inder ermitteln wegen des Verdachts auf eine «kriminellen Verschwörung» des Organisationskommittees, des Generaldirektors der Spiele, Veranstaltungs-Manager sowie verschiedener Auftragsnehmer und deren Manager.

«Wir zeigen uns kooperativ»

Nüssli-Pressesprecherin Karin Ruhland bestätigt gegenüber «az», dass im Rahmen der Korruptionsuntersuchung beim Organisations-Kommittee der Commonwealth Games in Indien, eine Hausdurchsuchung bei H. statt gefunden hat.

Ruhland meinte weiter: «Wir zeigen uns bei dieser Angelegenheit kooperativ, da es in unserem Interesse ist, dass die Untersuchungen abgeschlossen werden können.»

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