Corona-Virus

Wie treiben wir jetzt Sport? – Fünf Vorschläge für die kommenden Wochen

Haben Sie Hanteln zuhause? Wenn nicht, können Sie sehr effektiv mit dem eigenen Körpergewicht trainieren.

Haben Sie Hanteln zuhause? Wenn nicht, können Sie sehr effektiv mit dem eigenen Körpergewicht trainieren.

Was bedeutet der Notstand für Freizeitsportler? Fünf Vorschläge, wie wir in den kommenden Wochen trotzdem zu einer tägliche Dosis Sport kommen.

Tipp-Kick und Schach gegen Panik

Draussen Tennis spielen? Nein, das ist vorbei, auch wenn die Sonne scheint und der Sandplatz wunderbar aussieht. Die Golf-Platzreife? Muss weiter warten. Auf dem Schulhausplatz Fussball spielen, mit den eigenen Kindern und jenen aus der Nachbarschaft? Es gibt bessere Zeitpunkte dafür. Und die Jogging-Runde am Morgen, ganz alleine? Ja, die ist weiter opportun. Wobei, ich gebe es zu, sie fand meist nur in der Traumwelt statt. Die perfekte Gelegenheit also, um meine Gewohnheiten zu ändern.

Es sind schwierige Zeiten. Und noch kann niemand das Ausmass dieses Notstands in der Schweiz erahnen. Wie geht es mir in vier Wochen? Wie geht es uns allen in vier Wochen? So ganz ohne Sport? Ein bisschen befällt mich Panik. Erste Sofortmassnahmen sind nötig. Ich hole das «Tipp-Kick» aus dem Keller, bald wird die Champions League nachgespielt. Auch die Schach-Figuren stehen bereit. Wenn wieder Schule ist, sollen die Kinder das Spiel beherrschen – und meine «Elo-Zahl» auf der App um 200 Punkte gestiegen sein. Überhaupt: Spiele. Sie sind meine Hoffnung, dass ein Leben ohne Sport doch nicht so grausam ist, wie ich fürchte.

Einmal so richtig reinhängen

Ich gebe es zu. Ohne diese Transparenz wäre es nicht fair: Ich war noch nie in einem Fitnessstudio. Und auch einem Sport-Verein gehöre ich seit rund vier Jahren nicht mehr an. Ich gehe nicht joggen und auch nicht auf den Vita-Parcours. Und trotzdem mache auch ich Sport – wenn auch nicht so diszipliniert und regelmässig wie andere. Auch Corona wird das nicht ändern. Denn mein Sport fand schon immer zu Hause statt. Ich trainiere mit meinem TRX. «Mit meinem was?», fragen Sie sich. Und ich könnte antworten, dass ich dann jeweils nicht nur sprich-, sondern wortwörtlich in den Seilen hänge.

Das TRX-Training ist ein sogenanntes Schlingen-Workout. Zu Hause hängt man sich den Schlingentrainer an die Decke und hängt oder legt sich dann in diese Schlingen. Mit dem eigenen Körpergewicht kann so die Muskelkraft am ganzen Körper trainiert werden. Viel einfacher und effektiver geht es kaum. Da die Schlingen sich ständig bewegen, werden sämtliche Muskelgruppen immer beansprucht. Und: Es ist sogar eine Trendsportart, also sind Sie auch noch in, wenn Sie mit dem TRX trainieren. Ich jedenfalls werde mich wieder so richtig reinhängen. Corona hin oder her.

Bald bin ich bereit für den Jakobsweg

Ein bisschen ist es für mich wie eine Obsession. Also eine Zwangshandlung. 10'000 Schritte jeden Tag. Sechs Kilometer Fussmarsch. Ablesbar auf der entsprechenden App. Irgendwie war es sogar im Hamsterrad der Routine und Termine fast jeden Tag möglich, diese 10'000 Schritte zu machen. Am frühen Morgen. Oder dann halt nach Sonnenuntergang

Und nun sind diese 10'000 Schritte kein Problem mehr. Der ganze Tag steht dafür zur Verfügung. Ja, völlig neue Dimensionen eröffnen sich. Warum nicht 20'000 Schritte am Tag? Oder vielleicht gar 30'000? Und wenn die Virus-Krise lange anhält, dann ist mit sorgfältig getimter Steigerung gar die schier utopische Zahl von 50'000 Schritten oder 30 Kilometern am Tag möglich. Etwas mehr als 2000 Kilometer sind es auf dem Jakobsweg nach Santiago di Compostela. Mit 30'000 Schritten am Tag ist der Jakobsweg in zweieinhalb Monaten zu schaffen. Nach allem, was in der Welt passiert, ist es vielleicht gar keine schlechte Idee, die Pause für die Vorbereitung auf eine Pilgerreise zu nützen. Wenn alles einmal wieder seinen gewohnten Gang nimmt, bin ich bereit für den Jakobsweg.

Das Revival der Fitness-Apps

Plötzlich zu Hause bleiben? Für mich als Fitnessbesucherin eine ungewohnte Situation. Die Center sind geschlossen, kein Auspowern mit Kollegen. Was tun, um nicht zum Stubenhocker zu mutieren? Not macht auch in Corona-Zeiten erfinderisch. Wenn ich also schon den Trainingsgeräten und Kursen fernbleiben muss, dann ist es jetzt Zeit, etwas anderes auszuprobieren. Einzige Voraussetzung: Stubentauglich muss es sein.

Ich nehme mein Handy und wische über den Bildschirm. Auf Seite drei entdecke ich sie: Freeletics, 7 Min Workout, Asana Rebel oder Sworkit – alles Programme, die ich seit dem Herunterladen nicht mehr gebraucht habe. Ab heute ist das anders. Corona sorgt für das Revival der Fitness-Apps! Schultern, Arme, Rücken, Bauch, Beine, Po – für jede Körperpartie ist etwas dabei. Nun folgt Abend für Abend der Härtetest. Zeit habe ich ja nun mehr als genug. Was hilft für einen flachen Bauch? Gibt es das ideale Training für straffe Beine? Welche Übungen stärken den Rücken wirklich? Bald habe ich hoffentlich Antworten. Im Idealfall mit dem schönen Nebeneffekt, dass meine Fitness trotz Schliessungen weiterhin vital bleibt. Wünschenswert wäre es.

Gefühle gibt es auch virtuell!

Der Sport liegt lahm. Vermeintlich. Denn längst lässt er sich simulieren, E-Sports nennen wir es, wenn Computerspiele selbst zur Sportart werden. Meine Rettung für die nächsten Wochen! Ich starte auf der Konsole Fifa 20. Im Modus «Ultimate Team» werden mir Spieler zugelost. Behaupte ich mich in den Online-Partien, kann ich mir bessere Spieler leisten. Gary Medel fräst vor der Abwehr zuverlässig alles weg. Und vorne schiesst Guido Burgstaller Tore. Doch bald verliere ich gegen «Rambo_denizli20» und die Fassung. Der Joystick zerschellt an der Wohnzimmerwand.

Nächster Versuch, auf dem Computer. Fussball Manager 14. Ich wähle Schalke 04, plane die Saison: Trainingslager, Testspiele gegen Unterklassige, Teamabende. Nach dem Pokal-out in Runde 1 (Rostock, auswärts) verpflichte ich Frank Lampard fürs zentrale Mittelfeld, ich will humorlose Ordnung! Nach vier Stunden bin ich mitten im Abstiegskampf. Ein weiterer Teamabend gibt zwar zwei Moralpunkte, kann die Niederlage im Weserstadion aber nicht verhindern. Der Verein stellt mich frei. Ich bestelle Football Manager 2020. Vielleicht habe ich in der Gegenwart mehr Glück.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1