Terror in Paris
Wie sicher ist die Fussball-EM 2016 in Frankreich?

Der Terroranschlag von Paris löst eine Debatte über Sicherheit in Fussballstadien aus. Eine Absage kommt für die Organisatoren aber nicht infrage.

Thomas Nowag und Thomas Lipinski
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Die Reaktion der Verantwortlichen im Stade de France sei besonnen gewesen, sagt Sicherheitsexperte Helmut Spahn.AP

Die Reaktion der Verantwortlichen im Stade de France sei besonnen gewesen, sagt Sicherheitsexperte Helmut Spahn.AP

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Die Anschläge von Paris werfen Sicherheitsfragen bezüglich der EM 2016 auf. Das Organisationskomitee ist alarmiert, schliesst aber eine Absage des Turniers aus. Dennoch ändert der Terror auch für die Organisatoren der EM alles. Vier Wochen vor der Gruppenauslosung ist die Vorfreude auf das Fussballfest mit einem Schlag verflogen, die Sorgen umso grösser. «Der Grad des Terror-Risikos ist gestiegen», sagte Jacques Lambert, Präsident des Organisationskomitees, in einer bedrückenden Analyse: «Terror ist kein theoretisches Risiko mehr, sondern ein mögliches. Die Grenze zur Handlung ist überschritten worden.»

Eine Absage des Turniers schloss der Funktionär jedoch aus. «Wenn man die EM jetzt infrage stellt, würde man sich den Regeln der Terroristen beugen», sagte Lambert dem französischen Sender RTL. Und doch: Einhundertprozentige Sicherheit kann es für ein Grossereignis in neun Städten niemals geben. Auch dies war eine Erkenntnis, als der erste Schock sich gelegt hatte. Noël Le Graët, Präsident des französischen Fussball-Verbandes (FFF), liess anderweitige Illusionen noch in den Katakomben des Stade de France platzen. «Wir haben sehr viele Vorsichtsmassnahmen ergriffen», sagte er nachdenklich, «aber man sieht jetzt, dass Terroristen jederzeit zuschlagen können. Wir hatten vorher bereits eine gewisse Unruhe bezüglich unserer Europameisterschaft. Diese ist natürlich noch stärker geworden.» Zwei der Sprengsätze waren direkt beim Finalstadion für 2016 explodiert. Mindestens ein Attentäter versuchte, mit einer Sprengstoffweste ins Stadion einzudringen.

Schock auch bei den Spielern

Der Terror schockierte auch die Équipe tricolore, zumal mehrere französische Nationalspieler persönlich betroffen waren. Während Lassana Diarra gegen Deutschland auf dem Platz stand, starb bei den Anschlägen seine Cousine. Die Schwester von Antoine Griezmann überstand das Attentat auf den Konzertsaal Bataclan mit viel Glück unbeschadet. Zusammen mit den deutschen Nationalspielern harrten die französischen Fussballer im Stade de France nach dem Schlusspfiff stundenlang aus. Erst am Samstagmorgen gegen acht Uhr fuhren die Deutschen zum Flughafen und reisten zurück nach Frankfurt. Am Montag fliegen die Franzosen nach London, wo das Nationalteam am Dienstag in einem Testspiel auf England trifft. Es wird eines der schwersten Spiele ihres Lebens.

«Die EM 2016 wird bedroht. Die Befürchtungen sind maximal», schreibt die französische Sportzeitung «L’Équipe». Viele Medien kamen unter dem unmittelbaren Eindruck des Horrors noch gar nicht dazu, über die EM nachzudenken, die Spitzenpolitiker haben ganz andere Sorgen. Doch wie sind Menschen, Stadien und Hotels, öffentliche Verkehrsmittel und bevölkerte Plätze während des Fussballspektakels zu schützen? Am 2. September wurde die Aufgabenverteilung zwischen Staat und FFF in einem Protokoll geregelt. Die Stadien, Camps, Team- und Uefa-Unterkünfte werden von den Organisatoren abgesichert, ausserhalb trägt der Staat die Verantwortung. Die Sicherheit in den Fanzonen ist Sache der Städte.

Sicherheit als wichtigster Punkt

Eigentlich hatte Frankreich sich für die EM gerüstet gefühlt. Seit Monaten arbeiten Innenministerium, FFF und OK an Details des Schutzes von Besuchern, Spielern und Touristen. In der Bewerbung stand die Sicherheit in der Liste von zwölf Risiken an oberster Stelle. Zudem hatte schon der Anschlag auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» ein Umdenken ausgelöst. Doch dieser Freitag hatte eine andere Dimension. «Wir wussten, dass der Sicherheitsfrage eine Schlüsselrolle zukommt», sagte Lambert. «Wir wussten von Anfang an um die Gefahr von terroristischen Anschlägen gegen Frankreich. Aber wir werden alle Massnahmen treffen, um die grösstmögliche Sicherheit zu gewähren.»

Derweil stellt der deutsche Sicherheitsexperte Helmut Spahn fest, «dass der Terror noch nie zuvor einem Stadion so nah gekommen ist. Der Generaldirektor des Internationalen Zentrums für Sicherheit im Sport (ICSS) hält das Konzept der Franzosen hinsichtlich der EM-Endrunde für verbesserungsfähig: «Die Franzosen müssen sich in diesen Fragen weniger abschotten und auch auf die Unterstützung von Nachbarstaaten setzen, damit sich die Gäste sicher fühlen.» Aus diesem Grund fordert Spahn die Franzosen auf, ihr Sicherheitskonzept noch einmal zu überdenken. Grundsätzlich müsse man sich aber darüber bewusst sein, dass es die absolute Sicherheit nicht gebe.

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Keystone

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