Montenegro Teil II

Wie sich Montenegro von Serbien lossagte

Ein Strassencafé in der Stadt Herceg Novi an der Küste von Montenegro.

Ein Strassencafé in der Stadt Herceg Novi an der Küste von Montenegro.

Im zweiten Teil unserer Serie über Montenegro beleuchten wir die Montenegriner ihre Unabhängigkeit erlangten und wie erklären wie die Beziehungen zum «Grossen Bruder» Serbien heute sind.

Welche Geschichte hat Montenegro?

Bis 1878 lenkte das Osmanische Reich faktisch die Geschicke des Balkan-Staates. Allerdings anerkannte die «internationale Gemeinschaft» an der Berliner Friedenskonferenz im selben Jahr Montenegro als unabhängigen Fürstenstaat. Daraus entstand 1910 ein Königreich.

Während des ersten Weltkrieges schlug sich der seit 1860 als Fürst regierende König Nikola I. auf die Seite von Serbien und Russland. Die Folge: Die Region wurde durch das österreichisch-ungarische Reich Anfang 1916 besetzt. Nach dem Krieg wurde der König abgesetzt und Montenegro in das neu entstandene Königreich Jugoslawien eingegliedert. Über 20 Jahre später okkupierte Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg die «schwarzen Berge» erneut.

Auf dem Papier verbesserte sich die Lage für Montenegro, weil Hitler den Montenegrinern die Unabhängigkeit ermöglichte. In der Realität jedoch verkam Montenegro zum Marionettenstaat von Italiens Machthaber Benito Mussolini. Nach dem Krieg gliederten die Siegermächte um Grossbritannien und den USA Montenegro in die Bundesrepublik Jugoslawien ein.

Wie hat Montenegro den Jugoslawien-Krieg überstanden?

Als Kroatien und Slowenien 1992 es wagten, sich von Jugoslawien und dem damaligen Diktator Slobodan Milosevic loszusagen, entbrannte auf dem Balkan ein langer und blutiger Bürgerkrieg. Weil sich das Montenegrinische Volk bei einer Volksabstimmung zu 96 Prozent für den Verbleib in der Bundesrepublik aussprach, wurde die Region weitgehend von der Auseinandersetzung verschont.

Die traditionell engen und freundschaftlichen Beziehungen wurden aber im Verlauf des Konflikts hart auf die Probe gestellt. Die Montenegriner waren nicht mehr bereit, für den Krieg die Verantwortung zu übernehmen und die Sanktionen des Westens mitzutragen. Die Folge: Ende der 90er Jahre strebt die montenegrinische Regierung offen die Unabhängigkeit an. Lediglich der Druck, den die EU auf Montenegro ausübt, verhindert 2002 die frühzeitige Abspaltung.

Botschafter aus Belgrad gejagt

So kam es zum Staatenbund «Serbien-Montenegro» als Übergangslösung. Wie stark sich Montenegro von Serbien distanzierte, manifestierte sich nach daran, als sich Montenegro nach dem Bürgerkrieg mehrfach für die Gräueltaten der serbischen und montenegrinischen Miliz im Kroatien-Konflikt entschuldigte. Damit nicht genug: 2005 sichert die Regierung in Podgorica den Opfern des Krieges Entschädigungszahlungen für Plünderungen und Verwüstungen zu.

Nun ist Montenegro nach einer Volksabstimmung seit dem 3. Juni 2006 offiziell ein unabhängiger Staat. Seit diesem Tag strebt Montenegro die EU-Mitgliedschaft an. Zu diesem Zweck unterzeichnete Montenegro Mitte Oktober 2006 ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU. Zwei Monate danach hat Montenegro offiziell um die Aufnahme in die EU ersucht. Beitrittsverhandlungen könnten Ende 2011 oder 2011 beginnen.

Trotz der Unabhängigkeit bezeichnen sich viele Montenegriner heute noch als Serben. Jedoch kam es seit der Lossagung immer wieder zu «diplomatische Zwischenfällen» mit Serbien. Als Montenegro den Kosovo als unabhängigen Staat anerkannte, warf die serbische Regierung den Botschafter von Montenegro aus dem Land. Zur Erinnerung: In den Augen Serbiens ist Kosovo das Herz von Serbien.

Wer führt das Land heute?

Der Präsident von Montenegro ist Filip Vujanovic. Sein Premier Minister heisst Milo Djukanovic. Vujanovic trat sein Amt Ende Mai 2003 an, Ministerpräsident Milo Djukanovic ist seit Januar 2008 im Amt.

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