Kochen, spielen, trainieren

Wie Roger Federer über Sambia, Dubai und Zürich auf den Thron zurückkehrt

Roger Federer bei seinem letzten Besuch in Afrika.

Roger Federer bei seinem letzten Besuch in Afrika.

Roger Federers Gedanken sind weit weg von vergangenen Niederlagen oder zukünftigen Herausforderungen auf dem Tennis-Court. In Sambia verbringt der Baselbieter nämlich Zeit mit Kindern, die es nicht interessiert, wie gut ihr Gegenüber Tennis spielt.

Vielleicht schwingt Roger Federer den Kochlöffel für hunderte von Kindern. Vielleicht spielt er mit ihnen Fussball. Oder vielleicht drückt er in Sambia, wo er Ende April weilt, die Schulbank, um Projekte seiner Stiftung, die Kindern in den ärmsten Regionen Afrikas Zugang zu Bildung verschafft, zu besuchen.

Und vielleicht wird er dort, am 23. April, zum fünften Mal in seiner Karriere die Nummer eins der Tennis-Welt. An einem Ort, wo es nicht um Zentimeter geht, nicht um Pokale und Rekorde, sondern um Existenzen. «Hier bin ich einfach jemand, der helfen möchte. Die Kinder wissen nicht, wie berühmt ich bin. Dort ist es egal, wie gut du Tennis spielst», sagte er im letzten Frühling zur «Schweiz am Wochenende», als er von einem Besuch in Malawi erzählte.

Weit weg von der Bestform

Weit weg sind dann die Gedanken an die turbulenten Wochen: an die Erfolge bei den Australian Open und in Rotterdam. An die Rückkehr auf den ersten Platz der Weltrangliste nach über fünf Jahren Unterbruch.

Aber auch, und vor allem, an die Niederlage in der zweiten Runde von Key Biscayne, nach der er nach nur sechs Wochen die Spitze der Weltrangliste wieder an Rafael Nadal hat abgeben müssen.

Er selber sagte in Miami: «Nach diesem Spiel verdiene ich es nicht mehr, die Nummer eins zu sein. Das war richtig schlecht.» Vor vier Jahren hatte Federer letztmals zwei Spiele in Folge verloren. Es war nicht so, dass er ausgelaugt oder uninspiriert wirkte, aber es war doch spürbar, dass er von der Bestform weit entfernt ist.

So überraschte es auch kaum, was Federer im Anschluss verkündete: den Verzicht auf die Sandsaison und damit auch auf die French Open. Sie seien schnell zu diesem Schluss gekommen. «Wir hatten das Gefühl, dass es besser ist, den Körper zu schonen.» Auch im Hinblick auf die Rasensaison, die für ihn Mitte Juni in Stuttgart beginnt. Ein Schachzug, der sich schon im Vorjahr bewährt hatte: Federer gewann danach in Halle und in Wimbledon.

Rafael Nadal unter Druck

Federer taucht jetzt für zwei Monate unter und kehrt frühestens im Mai in die Schweiz zurück. Er dürfte sich erst an seinem Zweitwohnsitz in Dubai und dann auf einem privaten Rasenplatz am Ufer des Zürichsees auf den Sommer vorbereiten. Und doch könnten ihm schon in zwei Wochen wieder die Schlagzeilen gehören.

Dann nämlich, wenn er Rafael Nadal ohne sein Zutun wieder von der Spitze der Weltrangliste verdrängt, wie das nun der Spanier tat, der ja seit Mitte Januar kein Spiel mehr bestritten hat und Federer nur darum überholte, weil dieser in Indian Wells und Miami seine Turniersiege aus dem Vorjahr nicht wiederholen konnte.

Dass Federer Nadal in den nächsten Wochen überholt, ist wahrscheinlich. Nadal tritt bei den Masters-Turnieren in Monte Carlo und Madrid sowie beim Turnier der ATP-500-Kategorie in Barcelona als Titelverteidiger an. Verliert er dort nur ein Spiel, zieht Federer wieder an ihm vorbei. Nur in Rom (ab 13. Mai) kann Nadal sein Punktekonto äufnen.

Dort scheiterte im Vorjahr in den Viertelfinals. Selbst dann, wenn Nadal seine Titel verteidigt, ist seine Position gefährdet. Denn auch bei den French Open kann er als Titelverteidiger nur Terrain verlieren. 4680 seiner 8770 Punkte fallen ihm bis Juni aus der Wertung, Federer keine. Schon jetzt liegt er nur hundert Punkte hinter Nadal.

Doch das sind nur Rechenspiele. Rechenspiele, die in den Gedanken von Roger Federer weit weg sind. «Es liegt viel Arbeit vor mir. Zu diesem Zeitpunkt ist die Weltrangliste unwichtig. Jetzt zählt anderes», sagte Federer, bevor er aus Miami abreiste. Er dachte dabei wohl nicht nur an sein Tennis. Sondern auch an die Reise nach Sambia. Dort, wo er nicht der Sportler ist. Nicht der Rekordjäger. Sondern derjenige, der gekommen ist, um zu helfen.

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