Apropos

Wie mich Hippolyt Kempf und Andi Grünenfelder zum Kotzen brachten

Hippolyt Kempf

Hippolyt Kempf

Er war schon immer ein Fan des nordischen Skisports, doch Andi Grünenfelder und Hippolyt Kempf schafften es tatsächlich, unseren Sportredaktor an den Olympischen Spielen 1988 in Calgary zum Kotzen zu bringen.

Ich bin ein wenig traurig. Jetzt sitze ich hier bei Olympia und bekomme von den Wettkämpfen beinahe so wenig mit wie ein Pinguin in der Antarktis. Dabei freue ich mich immer auf die Winterspiele. Vor allem der nordische Skisport hat es mir schon früh angetan. Kein Wunder also, war mein erster Gedanke bei der Anfrage, ob ich als Reporter vor Ort berichten wolle: «Lieber nicht, ich schaue im Fernsehen».

Bereits in meinen Jugendjahren brachte mich die Olympia-Übertragung in Teufels Küche. Weil die Olympischen Spiele 1988 in Calgary während der Schulzeit stattfanden, täuschte ich eine Angina vor, um meine Lieblinge Hippolyt Kempf und Andi Grünenfelder live laufen zu sehen. Doch Gott straft bekanntlich sofort, und so verschrieb mir der Hausarzt Penicillin gegen meine imaginäre Krankheit. Dass ich eine gröbere Allergie gegen dieses Antibiotikum habe, fanden die Mediziner dann erst Tage später heraus. In der Zwischenzeit pendelte ich in zunehmender Kadenz zwischen Fernseher und Badezimmer hin und her. Etwas salopp ausgedrückt kotzte mich «Hippys» Olympiagold in der Nordischen Kombination an.

Am Schluss nahm mein Flüssigkeitsverlust dramatische Ausmasse an. Deshalb verordnete der Arzt bei seinem Hausbesuch – jawohl, damals kam der Onkel Doktor noch zu den Kranken heim – eine sofortige Verlegung ins Krankenhaus an den Tropf. Aber ich weigerte mich, zumindest vorübergehend. Denn es lief nämlich gerade der 50-Kilometer-Langlauf mit meinem absoluten Lieblingssportler Andi Grünenfelder. Schwindelerregend war nicht nur Grünenfelders Lauf zu Olympia-Bronze, sondern auch mein Zustand vor dem TV-Gerät. Ich bekam nur noch die Hälfte des Geschehens mit, doch ins Spital wollte ich partout erst nach der Ziellinie.

Vielleicht kreuzten sich an diesem Tag im Februar unsere Wege imaginär. Vielleicht ist es Schicksal, vielleicht auch nur die Schlusspointe dieser Kolumne. Doch aus meinem Jugendstar Andi Grünenfelder wurde später ein Herr Doktor und aus mir, der für die Sache des Sports selbst den Arzt anschwindelte, ein Journalist. Ich habe Andi Grünenfelder in meinem Leben nie persönlich kennen gelernt. Dabei wüsste ich doch so gerne, ob er mir damals auch Penicillin verschrieben hätte.

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