Super League
Wie macht er das? - Wieso Murat Yakin fast immer Erfolg hat

Girogio Contini, Hans Thoma, Andi Schlauri, Muhamed Demiri, Andres Gerber und Steven Lang erklären, warum der 43-jährige GC-Trainer Murat Yakin fast immer Erfolg hat

Markus Brütsch
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Murat Yakin und sein «Mona-Lisa-Lächeln»: Der Trainer weiss, wie er Menschen für sich einnehmen kann.

Murat Yakin und sein «Mona-Lisa-Lächeln»: Der Trainer weiss, wie er Menschen für sich einnehmen kann.

Keystone

Als das Spiel gegen Vaduz zu Ende und 3:1 gewonnen ist, werfen die Spieler des FC Schaffhausen ihren Trainer in die Höhe. So, als hätte sie Murat Yakin soeben in die Super League geführt. Es ist der Dank an den scheidenden Trainer, der sie in der Rückrunde der letzten Saison vom letzten auf den vierten Rang und in der neuen Spielzeit mit sechs Siegen in sechs Spielen sogar ganz an die Tabellenspitze geführt hat. In Schaffhausen sagen die Leute, Yakin habe ein Wunder vollbracht.

Seither ist er mit den Grasshoppers zweimal in der Super League angetreten − und hat zweimal gewonnen. «Es würde mich nicht überraschen, wenn ihm auch bei den Zürchern etwas Grosses gelänge, sagt Teleclub-Experte Markus Frei.

Schon bevor Yakin mit dem FC Basel zwei Mal Meister wurde und danach eine Saison bei Spartak Moskau in der russischen Premier Liga verbrachte, hatte er mit Aussenseitern Erstaunliches geschafft: mit dem FC Thun den Aufstieg in die Super League und in dieser den fünften Platz; mit dem FC Luzern die Vizemeisterschaft sowie die Teilnahme am Cupfinal. Wo Yakin das Zepter führt, ist der Erfolg nicht weit.
Wie macht er das?

Das Potenzial entfalten

«Er durchschaut den Fussball. Er macht viele Spieler besser, hebt sie auf ein Niveau, das sie vor und nach ihrer gemeinsamen Zeit nicht erreichen», sagt Frei. Er nennt als Beispiel den mittlerweile bei Servette spielenden Steven Lang. «Auch mein Sohn Fabian (heute bei Mainz in der Bundesliga; die Red.) konnte beim FC Basel sein Potenzial erst unter Yakin entfalten», sagt Frei. «Er setzt die Spieler dort ein, wo sie am wirkungsvollsten sind.» Der 65-jährige, einst selber viele Jahre Coach, hatte Yakin begleitet, als dieser nach einer erfolgreichen Spielerkarriere in den Trainerberuf einstieg, die Diplome erwerben musste und deshalb im Jahr 2008 für eine halbe Saison den FC Frauenfeld in der 2. Liga interregional betreute.

«Murat war sehr kollegial und hat oft die ganze Mannschaft zum Essen eingeladen.»

«Murat war sehr kollegial und hat oft die ganze Mannschaft zum Essen eingeladen.»

ho

Als Yakin in den Thurgau kam, war der 21-jährige Andi Schlauri schon seit vier Jahren Stammspieler auf der Allmend. Er sagt: «Wir holten unter ihm nicht so viele Punkte, wie erwartet. Aber das lag nicht an ihm. Weil wir technisch nicht so versiert waren, konnte Yakin seine Ideen nicht umsetzen.» Schlauri, der seine aktive Laufbahn inzwischen beendet hat und bei der Swica als Leiter Produktmanagement tätig ist, hat gleichwohl positive Erinnerungen an Yakin: «Murat war sehr kollegial und hat oft die ganze Mannschaft zum Essen eingeladen.» Er habe vor allem die ganz Jungen extrem gut motiviert, sagt Schlauri. «Als Innenverteidiger machte ich unter ihm speziell im Stellungsspiel Fortschritte.» Yakin habe gut gearbeitet, weil sein Engagement aber auf ein halbes Jahr beschränkt gewesen sei, habe er zu wenig Zeit gehabt, um etwas aufzubauen.

«Du bist super. Glaub an dich.»

Als Yakin ein Jahr später von Präsident Markus Stähli zum FC Thun gelotst wurde, war der langjährige Profi Andres Gerber gerade dabei, sich in seinen neuen Job als Sportchef einzuarbeiten. «Es passte von Anfang an zwischen uns», sagt der 44-Jährige. Er erkannte schnell, wie sich Yakins Ausstrahlung bemerkbar machte. «Weil sich alles auf ihn konzentrierte, befreite er die Mannschaft von jeglichem Druck», sagt Gerber. Man müsse ihn machen lassen, dann komme dank seiner Winnermentalität und Glaubwürdigkeit der Erfolg.

«Murat sagte einem jungen Spieler: Du bist super. Glaub an dich, geh mit dem Ball in den Strafraum und mach den Gegner kaputt.» Damit habe er den Spieler gleich um einen Kopf grösser gemacht. «Yakin weiss, wie er mit Menschen umgehen muss. Er ist auch ein lustiger Kerl, ein Spassvogel. Er gibt viel, verlangt viel und man muss seine Gefolgschaft akzeptieren», sagt Gerber, der längst einer der profiliertesten Sportchefs im Land ist. «Ich selber habe viel von ihm über das Fussballbusiness gelernt und bin ihm noch heute dankbar dafür.»

Die Kombination machts aus

Auch Giorgio Contini weiss genau, wie Yakin tickt und was das Geheimnis seiner Erfolge ist. Der 43-Jährige, aktuell in der Super League als Trainer mit dem FC St. Gallen auf Rang 2 klassiert, hat Yakin ab Sommer 2011 während 14 Monaten beim FC Luzern assistiert. «Er ist fach- und sozialkompetent und kann beides kombinieren», sagt Contini. «Muri legt grossen Wert auf den Teamgeist. Bei ihm spielen nicht zwingend die stärksten Fussballer, sondern jene, die am besten zusammenpassen.» Das heisse aber nicht, dass er seine talentiertesten Spieler einenge.

«Muri legt grossen Wert auf den Teamgeist.»

«Muri legt grossen Wert auf den Teamgeist.»

KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

«Er lässt ihnen freien Lauf, einfach im Rahmen einer gewissen Disziplin.» Auf den gemeinsamen Autofahrten ins Training nach Luzern hat Contini einst erfahren, wie offen man mit Yakin über Aufstellung und Taktik diskutieren kann. «Er ist überhaupt kein Diktator. Er geht auf andere Meinungen ein und ist ein totaler Teamplayer.» Für sich selber hat Contini eine dicke Scheibe von Yakins Gelassenheit abgeschnitten.

Yakin als grosszügigier Helfer

Fussballinstruktor Hans Thoma war viele Jahre Videoanalyst beim FC Schaffhausen, ehe er unter Trainer Axel Thoma überflüssig wurde, weil der Deutsche auf die technische Unterstützung verzichtete. Als dann aber im letzten Winter Yakin nach Schaffhausen kam, wurde Hans Thoma sogleich reaktiviert. Er erzählt eine Episode, um zu zeigen, wie Yakin funktioniert: «Beim Wechsel ins neue Stadion war ein Teil des Equipments abhandengekommen. Ich brauchte einen neuen Beamer und hatte einen für 666 Franken im Auge. Der Klub wollte aber nur 400 Franken ausgeben. Yakin sagte, ich solle ihn holen, er bezahle den Rest. Am nächsten Tag gab er mir das Geld.»

Thoma filmte jedes Spiel und bereitete in mehrstündiger Arbeit die von Yakin gewünschten Sequenzen vor. «Ich spürte sein Vertrauen und seine Empathie. Deshalb war es mir nie zu viel, etwas für ihn zu tun», sagt der pensionierte Lehrer. Oft hat er die Trainings von Yakin verfolgt: «Es gab keine Einheit, die nicht aufs Spiel ausgerichtet war. Er ist ein unschlagbarer Taktiker.» Wenn aber ein Spieler seine Interessen nicht dem Team unterstelle, bekomme er ein Problem mit dem Trainer. Deshalb sei der begnadete Techniker Gianluca Frontino (jetzt beim FC Aarau; die Red.) unter Yakin fehl am Platz gewesen, sagt Thoma. Aber auch weit prominentere Akteure wie der Basler Alex Frei mussten schon erfahren, wie unerbittlich das System «Yakin» sein kann.

Warum Lang aufblühte

Für Steven Lang aber wurde Yakin zum Glücksfall. Als er zum FC Schaffhausen kam, war er ein Stürmer ohne Fortüne, der in den anderthalb zurückliegenden Jahren ein einziges Törchen zustande gebracht hatte. Doch unter Yakin blühte der 30-jährige Jurassier auf, traf 14 Mal in 17 Spielen, davon sechs Mal vom Penaltypunkt. Wandervogel Lang, der schon unzählige Trainer erlebt hat, sagt ohne zu zögern: «Yakin war der Beste. Was immer er sagt, die Spieler verstehen ihn. Was er taktisch anordnet, geht fast immer auf.» Der Trainer wisse genau, was die Spieler individuell bräuchten, sagt Lang. «Mich zum Beispiel hat er in Ruhe gelassen, und ich habe mich mit Toren bedankt.»

Nicht mit Toren, dafür mit Leistung, hat Muhamed Demiri das Vertrauen Yakins zurückgezahlt. Gleich drei Mal, bei Concordia Basel, Thun und Schaffhausen, hat der 31-jährige Mittelfeldspieler unter Yakin gespielt. «Seine grösste Stärke ist die Taktik», sagt Demiri, «er analysiert die Gegner so präzis wie kein anderer Trainer.» Er selber habe von Yakin gelernt, clever zu spielen und nicht nur zu rennen, sagt Demiri, der im Moment ohne Verein ist. Er habe Schaffhausen auch deshalb verlassen, weil er geahnt habe, dass Yakin dort nicht mehr lange Trainer bleibe. Demiri sagt: «Bei GC traue ich ihm alles zu.»