Tripolis/Düsseldorf
Wie Gaddafis «grünes Buch» auf Trikots im deutschen Eishockey kam

Der deutsche Eishockeyklub ECD Iserlohn sorgte vor Jahren für einen handfesten Skandal, als er sich aus finanzieller Not auf Gaddafi und seine Schergen einliess.

Michael Küng
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Sorgte für einen Skandal

Sorgte für einen Skandal

wikipedia

Villen in London, Devisen in Österreich und der Schweiz, Anteile am italienischen Fussballverein Juventus Turin, Waffenlieferungen aus aller Herren Länder. Im Nachhinein mag es bizarr anmuten, in welchem Umfang der Westen mit Gaddafi Geschäfte machte.

Eine besonders skurrile Geschichte hat sich in Düsseldorf zugetragen. Der ECD Iserlohn war erst vor acht Jahren gegründet worden, als er in der Saison 1987/1988 in schwere finanzielle Turbulenzen geriet. Hohe Steuerschulden plagten den Verein. Um ihn zu retten, mussten dringend Investoren her, sonst drohte der Konkurs.

Grund genug für Präsident Heinz Weifenbach, eine Reise nach Libyen zu organisieren. Er wählte 20 Journalisten aus, die ihn begleiten durften und traf sich mit Gaddafi in dessen Beduinenzelt. Zurück in Deutschland hatte er eine Zusage über eine Million Mark in der Tasche.

«Der Sport darf nicht dazu da sein, kriminelle Elemente und den Terrorismus zu unterstützen»

Was genau die Gegenleistung für das Geld war, zeigte sich dann am 4. Dezember 1987: Gegen Rosenheim liefen die Spieler des ECD Iserlohn in der ersten Bundesliga mit neuer Trikotwerbung auf – darauf abgebildet war ausgerechnet die grüne Fibel Gaddafis.

Die Trikotwerbung löste einen handfesten politischen Skandal aus: Innenminister, Sportchef, alle dreschten auf den Klub ein: «Der Sport darf nicht dazu da sein, kriminelle Elemente und den Terrorismus zu unterstützen», so etwa Bundestrainer Xaver Unsinn.

Der Aufruhr um die Werbung schaffte es bis in die New York Times, der Deutsche Eishockey-Bund drohte dem Klub mit Lizenzentzug und den Spielern mit Sperren, sollte die Aktion fortgesetzt werden. Die Drohungen zeigten ihre Wirkung, als die Iserlohner bereits im nächsten Spiel wieder ohne die umstrittenen Trikots antrat. Eine Woche später, am 11. Dezember, war der Klub bankrott.

Fast genau ein Jahr nach dem Trikot-Skandal, am 21. Dezember 1988, wurde über dem englischen Lockerbie ein Flugzeug in die Luft gesprengt. Elf Einwohner Lockerbies, sowie alle 259 Insassen, darunter 189 Amerikaner, kamen ums Leben. Bis heute gilt der libysche Geheimdienst als Drahtzieher hinter dem Anschlag.