Super League
Wie es GC-Neuzuzug Marko Basic in die Schweiz verschlug

Marko Basic, der Partner von Kim Källström im Mittelfeld der Grasshoppers, hat einen unorthodoxen Weg hinter sich. Bei GC hat sich der mit Lugano aufgestiegene Kroate schnell eingelebt und erntet von allen Seiten Lob.

Michael Meier
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Marko Basic

Marko Basic

KEYSTONE/TI-PRESS/GABRIELE PUTZU

Der Weg in die Super League war lange und beschwerlich. Als der 20-jährige kroatische Zweitliga Spieler seinen Cousin im Tessin anrief und ihm sagte, er solle da ein paar Probetrainings für ihn organisieren, war es nur ein entfernter Traum, einmal in der Super League zu spielen. Heute kann man sich eine solche Vorgehensweise nicht vorstellen, doch für Marko Basic war dies normal. «Wenn man damals als junger Spieler in Kroatien keinen Berater hatte, musste man selbst die Initiative ergreifen», erzählt er.

Kurz darauf traf er also im Tessin ein. «Hätte mein Cousin in Australien gewohnt, wäre ich halt dorthin», ergänzt Basic. Auf dem Weg in die Schweiz spielte er auch noch bei Vereinen in Österreich vor. Im Tessin, bei Biasca wusste der technisch versierte Mittelfeldspieler zu gefallen. Doch Basic bekam keine Arbeitserlaubnis. Als er die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte und zurück nach Kroatien wollte, meldete sich der FC Lugano.

Wohnung mit Verspätung

Zwei Scouts hatten ihn an einem Testspiel gesehen und waren beeindruckt. Doch auch bei Lugano musste er ein halbes Jahr auf die Spielerlaubnis warten. «Es war hart, sechs Monate nur zu trainieren. Aber danach konnte ich mich glücklicherweise schnell festspielen», erinnert sich Basic. Auch dass er die versprochene Wohnung des FC Luganos erst nach einem halben Jahr bekam, und während dieser Zeit bei einer kroatischen Familie wohnen musste, welche er in Lugano kennenlernte, hielt ihn nicht davon ab, in der Schweiz durchzustarten.

Sieben Jahre blieb er dem FC Lugano treu. Eine lange Zeit für einen, dessen fussballerischen Fähigkeiten weit über die Challenge League hinausreichen. War es das «dolce vita», das ihn do lange im Tessin hielt? Basic lacht herzhaft, sagt natürlich sei das Leben da unten schön, aber ein Super-League-Engagement habe sich halt lange nicht ergeben. Wenn er einmal eine verlockende Möglichkeit hatte, habe Lugano zu viel Geld verlangt.

Ein Transfer mit Nebengeräuschen

In diesem Sommer hat es dann endlich geklappt mit dem Wechsel in die Super League. Den Grasshoppers gelang der Transfer nach einmonatigem Tauziehen, das nicht ohne Nebengeräusche vonstattenging. Luganos impulsiver Präsident Angelo Renzetti beklagte sich in den Medien über GC’s aggressives Vorgehen, das Basic «den Kopf verdreht» habe. Sportchef Manuel Huber von GC widerspricht dem vehement. Er wolle keine dreckige Wäsche waschen, aber man könne davon ausgehen, dass sich das ganze diametral anders verhalten habe.

«Der Transfer war eine Zangengeburt, aber nun sind wir froh, dass wir Marko haben», ergänzt Huber, der vor allem Basic’s Polyvalenz herausstreicht, welche in GC’s knappem Kader mit den vielen jungen Spielern besonders wertvoll ist. Basic kann sowohl als Innenverteidiger als auch als zentraler Mittelfeldspieler eingesetzt werden, wobei er selbst sagt, er fühle sich im Mittelfeld am wohlsten.

Gute Harmonie mit Källström

Auch Trainer Pierluigi Tami schätzt seinen Neuzugang: «Er harmoniert schon sehr gut mit Kim, obwohl sie erst kurz zusammenspielen», ist Tami zufrieden. Kim, das ist Kim Källström, der neue Mittelfeldboss der Grasshoppers mit Vergangenheit bei Lyon und Arsenal. Auch er ist angetan von seinem Nebenmann: «Er spricht nicht so viel, aber rennt umso mehr», beschreibt Källström seinen Nebenmann mit einem schelmischen Lächeln.

Die zwei harmonieren, bereits gut, auch wenn beide betonen, dass die Abstimmung nach erst drei gemeinsamen Spielen natürlich noch verbesserungswürdig sei. Trotzdem kann man bereits jetzt konstatieren, dass GC nach den Abgängen von Salatic und Abrashi mit Källström und Basic wieder eine sehr starke Schaltzentrale besitzt, welche fähig ist, das junge Team zu führen. Angesprochen auf Källströms Aussage fügt Basic noch an: «Ich probiere schon zu sprechen, bin ja schliesslich auch schon 27 Jahre alt und muss Verantwortung übernehmen.»

Die Familie macht ihn stärker

Ausserhalb des Platzes hat sich Basic gut eingelebt. Er freut sich in Zürich zu sein und spricht sogar schon einige Brocken Deutsch. Ende Monat wird sein Glück dann komplett sein, wenn seine Familie, die noch im Tessin geblieben ist nachkommt. Die Vorfreude ist besonders gross, da die junge Familie in diesem Frühling schwere Zeit durchmachte. Der zweite Sohn kam viel zu früh auf die Welt, wog bei der Geburt nur 600 Gramm. Heute gehe es ihm aber prächtig erzählt Basic glücklich.

Der 27-Jährige pendelte damals zwischen Spital in Luzern und Lugano. Doch vom Fussballspielen hielt ihn dies nicht ab. «Es machte mich stärker, in den letzten zehn Spielen erzielte ich sieben Tore und wir stiegen auf.» Eine überragende Quote für einen Mittelfeldspieler. Wie kommt die zu Stande? «Ich erziele die meisten meiner Tore nach Standards per Kopfball», klärt der 1,88 m grosse Athlet auf. Das Geheimrezept, seine Mentalität: «Ich gehen in jeden Kopfball, als wäre es die letzte Aktion der Partie.»

Eine Mentalität die einen 20-Jährigen Nobody aus Kroatien über Probetrainings bis in die Super League geführt hat.

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