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Wie ein Sudden Death: Der HC Davos verliert gegen den ZSC mit 3:4

Der HC Davos verliert gegen den ZSC 3:4. Für Beat Forster gibt es damit nach Bekanntwerden seines Wechsels nach Biel zwei Niederlagen.

Kristian Kapp
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Der Davoser Torhüter Gilles Senn kassiert Sekunden vor dem Abpfiff den entscheidenen Treffer zur 3:4 Niederlage.

Der Davoser Torhüter Gilles Senn kassiert Sekunden vor dem Abpfiff den entscheidenen Treffer zur 3:4 Niederlage.

Keystone

Dass Beat Forster das erste Heimspiel, nachdem bekannt wurde, dass er nächste Saison nach Biel wechselt, gegen den ZSC bestreitet, weckt Erinnerungen. 2008 war es, als er mitten in der Saison aus Zürich nach Davos wechselte, da er nicht mehr für den «Z» spielen wollte.

Die ZSC-Fans haben die Episode nicht vergessen, sie begrüssen Forster bis heute immer mit Schmähgesang. Nun will der HCD nicht mehr. Besser gesagt: Er zog jene Klausel im Vertrag, die ihn trotz Laufzeit bis 2019 im Sommer 2017 terminiert. Das Angebot, einen neuen Einjahresvertrag zu unterzeichnen, schlug Forster aus.

Forsters erstes Spiel nach Bekanntwerden des Transfers, in Lugano am Freitag, misslang. Eine Minus-3-Bilanz bei einem 1:3 ist nichts Schönes. Gestern gabs ein Plus 1, einen Assistpunkt, aber auch ein 3:4, das durch einen Weitschuss Severin Blindenbachers 37 Sekunden vor Schluss zustande kam. Es ist eine Art Sudden Death ohne Overtime für Davos.

Nur Lions können mithalten

Am Anfang steht der zweite Routinier in der HCD-Abwehr im Fokus. Félicien Du Bois stürzt als Hinterster, nach 23 Sekunden führen die Zürcher 1:0. Robert Nilsson trifft und plagt danach Davos mit Tempo und Spielwitz. Das Startdrittel wird für Davos generell zur dauerhaften Ernüchterung.

Die ZSC Lions zeigen, dass nur sie das HCD-Spiel im Keim ersticken können. Bern und Zug, die anderen Top-3-Teams, kann Davos mit Tempo und Intensität dominieren, dies bewiesen die Bündner im starken Kalenderjahr 2017 schon dreifach.

Gegen die Lions klappt das nicht. Diese haben die Mittel, um die Defizite der im Durchschnitt immer noch jungen Davoser Abwehr aufzuzeigen wie kein anderes Team der Liga – indirekt auch beim Gamewinner. Claude Paschoud verliert vor Blindenbachers Treffer den Puck unter Bedrängnis.

Nach 20 Minuten muss Davos froh sein, nur 0:1 zurückzuliegen. Und es wäre nicht der ZSC, wenn er nach starkem Beginn, aber zu knapper Führung nicht nachlassen würde. Der HCD dreht die Partie mit Effizienz: Sieben Schüsse, drei Tore, plötzlich führt er 3:2, die Zürcher sind im Mitteldrittel nur noch im Powerplay gefährlich. Im Schlussdrittel schnuppert Davos am Sieg, am Ende passiert aber das Gleiche wie in Lugano. Kurz vor Schluss gibts den entscheidenden Gegentreffer.

Telegramm

Davos - ZSC Lions 3:4 (0:1, 3:2, 0:1)

6087 Zuschauer. - SR Müller/Wiegand, Gnemmi/Progin. - Tore: 1. (0:23) Nilsson (Suter, Thoresen) 0:1. 23. Du Bois (Ambühl, Simion/Ausschluss Seger) 1:1. 28. Kenins (Geering, Suter/Ausschluss Forster) 1:2. 29. (28:10) Jörg (Simion, Corvi) 2:2. 32. Marc Wieser (Forster) 3:2. 40. Herzog (Geering, Rundblad/Ausschluss Schneeberger) 3:3. 60. (59:23) Blindenbacher (Wick, Kenins) 3:4. - Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Davos, 3mal 2 Minuten gegen die ZSC Lions. - PostFinance-Topskorer: Marc Wieser; Nilsson.

Davos: Senn; Du Bois, Kindschi; Heldner, Forster; Schneeberger, Paschoud; Jung, Rahimi; Ambühl, Ruutu, Kessler; Marc Wieser, Kousal, Spylo; Simion, Corvi, Jörg; Portmann, Walser, Eggenberger.

ZSC Lions: Schlegel; Blindenbacher, Siegenthaler; Rundblad, Geering; Seger, Marti; Guerra; Phil Baltisberger; Nilsson, Suter, Thoresen; Pestoni, Shannon, Wick; Herzog, Schäppi, Kenins; Künzle, Trachsler, Hinterkircher.

Bemerkungen: Davos ohne Lindgren (überzähliger Ausländer), Sciaroni, Dino Wieser, Axelsson und Egli. ZSC Lions ohne Sjögren (alle verletzt) und Chris Baltisberger (gesperrt). - Davos ab 59:54 ohne Goalie.

Und damit zurück zu Forster, der im Gegensatz zum Spiel im Tessin beim Gamewinner nicht im Fokus steht. Was wird sein Abgang bedeuten? Kalt lässt er keinen. Es ist unmöglich, seinen Wert für die Mannschaft in bloss einem Atemzug zu nennen. Es dürfte keinen zweiten Spieler in Blau-Gelb geben, über den es auch in der Davoser Anhängerschaft so viele Meinungen gibt.

Forster ist im jüngsten NLA-Team mit Captain Ambühl ältester, erfahrenster und mit sechs Titeln erfolgreichster Akteur. Forster ist in Davos der Verteidiger, der am häufigsten bei Plustoren auf dem Eis steht. Gleiches gilt für die Gegentore. Kein anderer Verteidiger bringt so viele Pucks aufs gegnerische Tor wie er, keiner hat mehr Skorerpunkte (27) oder mehr Assists bei numerischem Gleichstand (14) – Letzteres inklusive Stürmer! Würde in der NLA indes die Fehlpass-Statistik geführt, Forster wäre im HCD auch da vorne anzutreffen. Die Bandbreite ist beeindruckend.

Am Ende dürfte beim Davoser Entscheid eine andere Statistik auch eine Rolle spielen. Forsters Abgang beschert Davos willkommene Entlastung im Lohnbudget. Schon länger ist Trainer Del Curto dran, die Mannschaft zu verjüngen. Die bereits jüngste Equipe wird also noch jünger. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist der Entscheid konsequent.

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