Sport

Wie die russische Propaganda auch im Sport ins Ziel trifft

Russlands Leichtathleten gehören bei den Olympischen Spielen traditionell zu den Medaillenanwärtern. Was passiert mit ihnen nächsten Sommer in Tokio?

Russlands Leichtathleten gehören bei den Olympischen Spielen traditionell zu den Medaillenanwärtern. Was passiert mit ihnen nächsten Sommer in Tokio?

Dürfen Russlands Leichtathleten bei den Olympischen Spielen im nächsten Sommer in Tokio mitmachen? Das Nationale Olympische Komitee sagt selbstbewusst «Ja», das IOC und der Internationale Leichtathletik-Verband hingegen scheinen in dieser Frage noch nicht einig zu sein.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat am 24. Juli alle nationalen Komitees formell zu den Sommerspielen 2020 in Tokio eingeladen. Als Reaktion veröffentliche das NOK Russlands eine Mitteilung, wonach das russische Team ohne Einschränkungen und unter eigener Flagge in Japan antreten dürfe. Auch die Leichtathleten seien wieder zu internationalen Wettkämpfen zugelassen und könnten sich für Tokio qualifizieren.

Fakt ist, dass die russischen Leichtathleten vom Internationalen Leichtathletikverband (IAAF) nach wie vor suspendiert sind. Am 6. Juni wurde die seit November 2015 bestehende Suspendierung bestätigt. Man verlangt von Russland grössere Anstrengungen im Kampf gegen Doping.

Keine Klarheit von IOC-Präsident Bach

Wir haben bei IOC-Präsident Thomas Bach nachgefragt, welche Version nun gilt: «Das russische NOK hat seine Strafe wegen des systematischen Dopings mit Ausschluss an den letzten Winterspielen abgesessen und ist natürlich wieder eingeladen», sagt Bach.

Wir haken nach: Die russischen Leichtathleten sind aber vom Fachverband noch nicht wieder zugelassen! «Eingeladen sind die nationalen Olympischen Komitees und nicht die nationalen Vertreter einzelner Sportverbände», betont der IOC-Präsident.

Wir wollen es konkret: Wer entscheidet denn nun, ob russische Leichtathleten in Tokio antreten dürfen – das IOC oder die IAAF? «Wenn sie die Qualifikationskriterien erfüllen, dann sind sie qualifiziert», sagt Bach. Und wer legt diese fest? «Die einzelnen Fachverbände in Abstimmung mit dem IOC.»

Alles klar? Kaum. Das Direktorium des Leichtathletikverbandes wird am 23. September das nächste Mal darüber befinden, ob die Suspendierung aufgehoben wird. Es ist der einzige olympische Verband, der noch an einem formellen Ausschluss der russischen Athleten festhält.

Erst wenn die Aufarbeitung der vertuschten Dopingfälle abgeschlossen ist, soll die Türe wieder aufgehen. Für den norwegischen Antidoping-Spezialisten Rune Andersen, der die von der IAAF eingesetzte Task Force zu Russland leitet, gibt es noch andere relevanten Fakten: Die Vorwürfe, wonach gesperrte Trainer und ein Arzt weiterhin mit russischen Athleten zusammenarbeiten. «Es ist äusserst frustrierend, dass es neue Zweifel gibt», sagt Andersen.

Und es ist zweifellos äussert clever von der russischen Propaganda-Maschinerie, einen Keil zwischen IOC und Leichtathletik-Verband zu treiben, um den offensichtlichen Interessenkonflikt der beiden Organisatoren zu betonen.

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