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Wie die letzten zwei Jahre Mujinga Kambundji verändert haben

Mujinga Kambundji während der Siegerehrung an der WM.

Mujinga Kambundji während der Siegerehrung an der WM.

Die WM-Medaillengewinnerin hat viel Mut bewiesen und ist heute eine verblüffend andere Athletin als noch 2017. Sie hat sich als Sportlerin von der Fremdbestimmung emanzipiert.

Ein Kraftpaket. Wer Mujinga Kambundji an dieser Schweizer Meisterschaft im Sommer 2017 rennen sieht, dem fallen zuallererst ihre muskulösen Beine auf. Die Zusammenarbeit mit Trainer Valerij Bauer trägt Früchte. Die Berner Sprinterin wird immer schneller, ihre Schritte immer kräftiger.

Aber irgendwie erhält man an diesem lauen Sommerabend trotz aller sportlichen Fortschritte den Eindruck, als sei es der Bernerin nicht ganz wohl in ihrer Haut. Ihre Blicke wirken beinahe ein wenig verlegen, wollen einfach nicht so ganz zu den starken Leistungen passen.

Auf die eigenen Gefühle und Bedürfnisse hören

Es sind entscheidende Wochen in der Karriere von Mujinga Kambundji. Bis dorthin ist sie eine Athletin wie viele andere auch. Talentiert, schnell, aber letztlich das Produkt eines Trainers, der sie formt und sagt, was für sie gut ist und was nicht. Doch die Bernerin spürt in jenem Sommer, dass es nicht mehr ihr Weg ist, der gemäss dem Trainer zum Erfolg führen wird. Sie hat den Mut und bricht mit dem Fachmann, der sie an die erweiterte Weltspitze geführt hat.

Zwei Jahre und drei Trainer später läuft eine andere Mujinga Kambundji in Doha zu WM-Bronze. Geschmeidig, graziös und noch schneller. Es ist nicht in erster Linie der Weg zurück zur Lockerheit des Laufens, es ist viel mehr die Leichtigkeit des Seins, welche die 27-Jährige zum grössten Erfolg in ihrer Karriere führt. Emanzipiert von der Fremdbestimmung. Klarheit über die eingeschlagene Richtung.

Und hätte Kambundji in den letzten Monaten nicht wiederholt Pech mit der Auswahl ihrer Betreuer gehabt, sie würde wohl bereits jetzt noch bessere Zeiten auf die Bahn zaubern. «Es waren die zwei lehrreichsten Jahre meines Lebens», sagt Mujinga Kambundji, «ich trage heute viel mehr Selbstverantwortung im Treffen von Entscheidungen und im Tragen von Konsequenzen».

Sie habe gelernt, dass man im Sport auch seinen eigenen Weg gehen könne und damit Erfolg habe. «Ich habe endlich auf meine Gefühle und meine Bedürfnisse gehört.» Der Wandel zur emanzipierten, zur mündigen Athletin. Sie wisse heute ganz genau, was ihr gut tue und was nicht.

Ob es denn sogar ganz ohne Trainer gehen würde, wird die Wirtschaftsstudentin am Tag nach ihrem Exploit gefragt. «Beim täglichen Training ja, beim ganzen Aufbau nein», sagt sie. Und liefert gleich einen Grund mit, wieso manchmal auch ein mahnender Finger nicht schadet. «Ich bin gewöhnlich eher faul. Wenn ich im Training zwei Läufe machen muss, dann mache ich sicher nicht drei.»

Zum ersten Mal seit 2017 soll fürs nächste Jahr bei ihr sportliche Kontinuität herrschen. Kambundji will weiter unter der Leitung des Schotten Steve Fudge in London trainieren, dazwischen aber auch die bewährten Trainingsblöcke zuhause in Bern absolvieren.

An den nächsten Grossanlass, die Olympischen Spiele von Tokio, denkt sie jedoch noch nicht. «Im Moment gilt meine ganze Aufmerksamkeit der Staffel. Nicht einmal die Ferien nach Doha habe ich geplant.»

Die Siegerehrung, bei der ihr der legendäre Sebastian Coe ins Ohr flüstert, sie habe diese Medaille «mega verdient», ist für Kambundji wie eine Bestätigung, dass es wirklich wahr ist. Dies nach einer kurzen Nacht voller Emotionen und unzähliger Glückwünsche. Ihre Heldentat erstmals so richtig realisiert habe sie, «als ich mitten in der Nacht allein in meinem Zimmer stand.»

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