Eishockey
Wie die 30 TV-Millionen in unserem Hockey verteilt werden – und die kritischen Fragen dazu

Nun ist klar, wie der TV-Geldsegen im Hockey verteilt werden soll. Aber es gibt kritische Fragen. Beispielsweise wegen einer Provision in der Höhe von sage und schreibe 19 Millionen Franken an eine deutsche Kommunikationsagentur.

Klaus Zaugg
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Der Verband kann den Nationalliga-Klubs für die nächsten fünf Jahre pro Saison 30,4 Millionen aus den TV-Rechten verteilen.

Der Verband kann den Nationalliga-Klubs für die nächsten fünf Jahre pro Saison 30,4 Millionen aus den TV-Rechten verteilen.

Keystone

Das Dokument ist eigentlich noch streng geheim und wird erst am nächsten Mittwoch präsentiert. Es geht um den Verteilerschlüssel der Millionen aus dem neuen TV-Vertrag unseres Hockeys. Dazu gibt es kritische Fragen. Beispielsweise wegen einer Provision in Höhe von 19 Millionen Franken an eine deutsche Kommunikationsagentur.

Ab nächster Saison rockt es in den Klubkassen. Bisher konnte der Verband den Nationalliga-Klubs 12 Millionen aus den TV-Rechten verteilen. Neu sind es für die nächsten fünf Jahre 30,4 Millionen pro Saison.

Am nächsten Mittwoch (18. Januar) wird Verbands-Geschäftsführer Florian Kohler den Nationalliga-Klubs seinen Geldverteiler im Rahmen einer Liga-Sitzung in Nottwil präsentieren. Dieser «Chäs-Teilet» sieht in den wichtigsten Punkten so aus:

  • Jeder NLA-Klub bekommt in den nächsten fünf Jahren pro Saison 1,450 Mio. Franken (bisher 533 082 Franken),
  • jeder NLB-Klub erhält in den nächsten fünf Jahren pro Saison 145 000 Franken (bisher 48 085 Franken),
  • 1,5 Millionen Franken jährlich gehen neu in die Ausbildung.

Swiss Ice Hockey

Der Verteilerschlüssel ist vom Verbands-Verwaltungsrat und einem ständigen Liga-Ausschuss mit Vertretern des SC Bern, des HC Lausanne und des EHC Kloten ausgearbeitet worden. Alles klar? Nein.

Zu reden gibt die Provision an die Münchner Kommunikationsagentur Profile Partners GmbH, die seit 2006 bei der Ausarbeitung der TV-Verträge jeweils beigezogen wird.

Zahner sauer über die Provision

Die Deutschen kassieren pro Jahr für ihre Dienste eine Provision von 3,8 Millionen Franken – macht in fünf Jahren 19 Millionen Franken. ZSC-General Peter Zahner stösst diese Summe sauer auf. «Für den alten TV-Vertrag in der Höhe von 12 Millionen betrug die Provision lediglich 355 000 Franken. Also verhältnismässig viel weniger.»

ZSC-Präsident Peter Zahner.

ZSC-Präsident Peter Zahner.

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Ihm ist klar, dass die Provision vertraglich wasserdicht geregelt ist und daran nicht mehr gerüttelt werden kann. Aber er will Auskunft darüber, warum die Provision so viel höher ist und wie die künftige Ausgestaltung dieser Zusammenarbeit aussehen wird.

Florian Kohler hält mit guten Argumenten dagegen: «Diese Leute sind sehr, sehr kompetent und leisteten hervorragende Arbeit. Sie haben unter anderem bei den Rechteverhandlungen ausländische Interessenten ins Spiel gebracht. Wir wären bei einem so komplexen Geschäft alleine gar nicht in der Lage gewesen, diesen TV-Vertrag auszuhandeln.»

Es gibt Kritiker, die sagen, eine Provision im Bereich von zehn Prozent sei zu hoch. Drei bis sechs Prozent würden reichen. Kohler hält fest: «Im Sportbusiness sind Provisionen in dieser Höhe üblich. Wir fahren sogar noch günstig, es werden oft bis zu 20 Prozent bezahlt.»

Florian Kohler, der CEO der Swiss Ice Hockey Federation.

Florian Kohler, der CEO der Swiss Ice Hockey Federation.

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Interessanterweise beanspruchte auch die Swiss Football League und Swiss Ski bei ihren TV-Deals die Dienste der gleichen Firma.

Florian Kohler hat die Zusammenarbeit mit Profile Partners «geerbt», auf die Ausgestaltung der Provision hatte er keinen Einfluss. Der Vertrag ist seit 2006 jeweils nach Ablauf der TV-Verträge erneuert worden. Die aktuell gültige Regelung hat noch der ehemalige Verbandspräsident Philippe Gaydoul ausgehandelt.

Mehr Geld für den Nachwuchs

Ein wichtiger Punkt beim Verteilerschlüssel: Das Geld geht nicht, wie vielerorts befürchtet worden ist, vollumfänglich an die Klubs (und damit direkt in die Spielerlöhne). Es ist Florian Kohler gelungen, einen schönen Teil nachhaltig in die Ausbildung zu investieren. Pro Jahr jeweils 1,5 Millionen. Aus dem Topf dieser 1,5 Millionen werden unter anderem auch Klubs belohnt, die besondere Qualitätsanforderungen bei er Nachwuchsarbeit erfüllen.