Libyen-Krise
Wie der Gaddafi-Clan den italienischen Fussball aufmischte

Muammar al Gaddafi will von einer Revolution nichts wissen und kämpft um den Machterhalt. Derweil zeigt sich: Neben möglichen Bankkonti in der Schweiz beteiligte sich der Gaddafi-Clan auch finanziell am italienischen Fussball.

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Der Gaddafi-Clan und der italienische Fussball
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 Al Saadi Gaddafi als Nationalspieler Lybiens.
 Gaddafi bei Anlass seines ehemaligen Vereins Perugia.

Der Gaddafi-Clan und der italienische Fussball

Jetzt hat die Revolutionswelle in Nordafrika auch Lybien erreicht. Allerdings gestaltet sich der Volksaufstand gegen den Despoten Mohammar al Gaddafi schwieriger als in Tunesien oder Ägypten, Weil sich der Herrscher standhaft weigert, nach Saudi-Arabien ins Exil zu gehen, droht dem Land ein blutiger Bürgerkrieg.

Während Gaddafi die Revolution nun zu unterdrücken versucht, hat die Staatengemeinschaft derweil seine Bankkonten gesperrt. Zudem zeigt sich: Neben den möglichen Bankkonti in der Schweiz engagierte sich der lybische Herrscher in den vergangenen Jahren ebenfalls finanziell am italienischen Fussball. So unterstützte der Gaddafi-Clan mit der Gesellschaft «Lafico» - Libyan Arab Foreign Investment Company - den Traditionsverein Juventus Turin. Konkret hält Gaddafi laut der «sueddeutschen.de» am Verein 7,5 Prozent. Dies bestätigt jetzt ein Pressesprecher des Vereins auf Anfrage: «Stets haben unsere Partner alle operativen Entscheidungen unterstützt, aber jetzt weiss niemand, was aus der Beteiligung von Lafico wird.»

Petrodollars flossen nach Perugia

Neben Juventus Turin streckte Gaddafi seine Fühler auch in die Niederungen der zweiten Liga aus. Vor einigen Jahren buhlte faktisch die gesamte italienische Serie B um die Petrodollars des Gaddafi-Clans. Am Ende machte Triestina aus Triest das Rennen. Die Lybier beteiligten sich mit 33 Prozent am Verein.

Ausserdem prahlte Gaddafi jahrelang damit, sich in der Serie A finanziell stärker beteiligen zu wollen. Dies nährte Gerüchte um eine allfällige Übernahme der AS Roma durch die Libyer. Glaubwürdig waren die Gerüchte auch deshalb, weil die Libyer Anteile an der italienischen Grossbank Unicredit hielt. Diese leitete wiederum als Gläubigerinstitut die Verkaufsverhandlungen von AS Roma.

Allerdings handelte es sich bei den Spekulationen um gezielt gestreute Fehlinformationen eines Verbündeten des ehemaligen römischen Bürgermeisters Gianni Alemanno. Dieser wollte verhindern, dass die Roma in die Hände ausländischer Investoren fällt.

Gaddafi-Sohn spielte in Perugia

Letzter Höhepunkt des Gaddafi-Engagement im italienischen Fussballs: Adoptivsohn Al Saadi Gaddafi schaffte als Fussballprofi den Sprung in die erste Mannschaft des Provinzklubs AC Perugia. Dort absolvierte Al Saadi 2004 ein einziges Ligaspiel. Zur Erinnerung: Ende Oktober 2003 wurde der Gaddafi-Sohn des Doping-Missbrauchs überführt und daraufhin für drei Monate gesperrt. 2005 wechselte der offensive Mittelfeldspieler nach Cagliari. Dort wurde er lediglich einmal eingewechselt. Danach spielte Gaddafi nie wieder für den Verein und verliess Cagliari Ende Saison.

In Libyen wurde Gaddafi mehrmals zum Fussballer des Jahres gewählt. So auch 2001, 2002 und 2003. Darüber hinaus spielte der Mittelfeldspieler während seiner Karriere für sein Heimatland. Dort genoss Al Saadi eine Sonderbehandlung. Als der ehemalige libysche Nationaltrainer es wagte, den Gaddafi-Sohn auf die Bank zu verbannen, wurde dieser vom Verband umgehend entlassen. (muv)