Kommentar

Wie der Einschlag eines Meteoriten

Marco Streller tritt per Ende Saison zurück.

Marco Streller tritt per Ende Saison zurück.

Nachdem Marco Streller mit 22 von Thun zum FC Basel zurückgekehrt war, dachte ich, ihm stünde die Fussballwelt offen. Gross, beweglich, schnell, technisch überdurchschnittlich begabt, spielintelligent und torgefährlich.

Streller hatte alles für eine Weltkarriere. Daraus wurde nichts. Weil der junge Streller nicht nur Fussball im Kopf hatte. Streller war ein Lebemann. Aber das machte ihn nicht unsympathisch. 

Streller, der Unvollendete. Ein Spieler seiner Klasse sollte zum Ende seiner Karriere mehr als 37 Spiele und 12 Tore für die Schweiz vorweisen. Wobei gerade seine Beziehung zur Nationalmannschaft die dunklen Seiten des Schweizers wie Neid und Missgunst offenbarte. Streller machte nie einen Hehl daraus, dass er Basler Lokalpatriot ist. Aber Streller ist auch Schweizer durch und durch. Gleichwohl wurde er im Nationalteam von Teilen der eigenen Fans ausgepfiffen.

Strellers Rücktritt per Ende Saison kommt überraschend, weil er im November noch seinen Vertrag bis 2016 verlängert hat. Trotzdem ist der Entscheid nachvollziehbar, ja sogar äusserst smart. Denn Streller läuft jedenfalls nicht Gefahr, zur Karikatur seiner selbst zu werden. Streller ist jetzt noch gut genug, um dem FCB in schwierigen Phasen zu helfen. Ob er das in einem Jahr auch noch könnte, ist fraglich.

Mit Streller verliert der FCB aber mehr als nur einen Ausnahmestürmer. Streller ist 2007 gereift aus der Bundesliga zurückgekehrt und hat sich zu einem Leithammel entwickelt, wie ihn sich jeder Klub wünscht. Ausserdem: In der globalisierten Fussballwelt werden solche Identifikationsfiguren immer rarer. Deshalb reisst Strellers Rücktritt beim FCB ein Loch auf, als hätte ein Meteorit eingeschlagen. Aber auch der Schweizer Fussball gehört zu den Verlierern. Auch ihm gehen die Charakterköpfe aus.

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