WM-Qualifikation
Weshalb Vladimir Petkovic trotz diverser Absagen nicht ins Schwitzen kommt

Nationalcoach Vladimir Petkovic erklärt, weshalb er weiterhin auf Gökhan Inler verzichtet. Und wie es zu den Nachnominierungen von Zakaria und Lacroix kam. In die Karten blicken lässt er sich jedoch nicht.

Markus Brütsch, Feusisberg
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Nationaltrainer Vladimir Petkovic spricht anlaesslich einer Medienkonferenz zum Zusammenzug der Schweizer Nationalmannschaft.

Nationaltrainer Vladimir Petkovic spricht anlaesslich einer Medienkonferenz zum Zusammenzug der Schweizer Nationalmannschaft.

Keystone

Bis zum Wochenende ist für Vladimir Petkovic noch alles im grünen Bereich gewesen. Dass Granit Xhaka in Budapest fehlen würde, war ja seit dessen gelbroter Karte beim 2:0-Sieg über Portugal klar. Der Trainer hatte genug Zeit gehabt, sich darüber Gedanken zu machen, wer den Regisseur am besten ersetzen könnte und auf welcher Position der wieder fitte Xherdan Shaqiri am Wertvollsten sein würde.

Doch in den letzten Tagen vor dem Beginn des Zusammenzugs in Feusisberg verbrachte Petkovic viel Zeit am Telefon. Es kam die Hiobsbotschaft aus Hamburg, dass sich Innenverteidiger Johan Djourou verletzt habe und der Nati in den WM-Ausscheidungsspielen in Ungarn und Andorra nicht zur Verfügung stehen würde. Und dann meldeten sich auch noch die beiden zentralen Mittelfeldspieler Fabian Frei und Luca Zuffi verletzt ab.

Ein Drama ist dies noch nicht, gelten ja nur Xhaka und Djourou als unbestrittene Stammspieler. Doch gerade im Mittelfeld hatte Petkovic nun plötzlich zwei Optionen weniger. Deshalb berief er den für die U21 vorgesehenen YB-Aufbauer Denis Zakaria ins Kader, nachdem er bereits am Sonntagabend Léo Lacroix mit dem erstmaligen Nati-Aufgebot überrascht hatte.

Léo Lacroix stand nach seinem überraschenden Aufgebot im Zentrum der Medien.

Léo Lacroix stand nach seinem überraschenden Aufgebot im Zentrum der Medien.

Keystone

«Ich bin noch ein wenig aufgewühlt», sagte der 1,97 m grosse Innenverteidiger. «Aber klar bin ich bereit, wenn man mich brauchen sollte.» In der Poleposition für die Djourou-Stellvertretung dürfte aber Timm Klose sein. Petkovics Hinweis, dass Nico Elvedi bei Mönchengladbach in einer Dreierkette spiele und das Switchen in eine Viererreihe schon eine Umstellung wäre, lässt die Interpretation zu, dass er eher auf den Norwich-Profi Klose setzt.

126 Länderspiele haben die in Ungarn fehlenden Djourou, Xhaka, Frei und Zuffi auf dem Buckel. Die nachnominierten Zakaria und Lacroix bringen es zusammen lediglich auf zwei Einsätze.

Erwartungsgemäss mochte Petkovic aber seine Karten nicht aufdecken, wer die Plätze von Djourou und Xhaka einnimmt. «Ich muss mir im Training erst mal ein Bild von der Verfassung der Spieler machen», sagte Petkovic. Sicher ist dagegen, dass Shaqiri für die Startformation vorgesehen ist.

«Er ist ein sehr wichtiger Spieler, der den Unterschied ausmachen kann», sagte Petkovic. Auf welcher Position hinter der Spitze das sein wird, ist für Petkovic nicht erheblich. Er verlangt ohnehin, dass die drei vorderen Mittelfeldspieler rotieren und für Betrieb sorgen. Vielleicht wäre der bei Mainz in Schwung gekommene Frei für Xhaka zum Einsatz gekommen, jetzt aber scheint es wahrscheinlich, dass Blerim Dzemaili neben Valon Behrami spielt und Shaqiri auf Dzemailis Position rückt.

Petkovic während des Trainings. Ob er an der definitiven Aufstellung überlegt?

Petkovic während des Trainings. Ob er an der definitiven Aufstellung überlegt?

Keystone

Warum nicht Inler reaktivieren?

Möglicherweise fragt sich der eine oder andere, weshalb Petkovic als Xhaka-Ersatz nicht wieder auf Captain Gökhan Inler zurückgreift, wo doch dieser beim türkischen Meister Besiktas Istanbul regelmässig zum Einsatz kommt. «Inler würde nicht stören. Aber er spielt erst seit einem Monat wieder, nachdem er zuvor acht oder neun Monate keine Spielpraxis bekommen hatte. Er braucht noch Zeit», sagte Petkovic.

Vor allem aber hat sich der Coach gegen Inler entschieden, um nicht zu riskieren, dass dessen Rückkehr das heikle soziale Gefüge der Mannschaft durcheinanderbringt. Die neue Dynamik soll nicht abgeschwächt werden. Ihr muss man Sorge tragen.

Doch es gibt auch Good News. Petkovic zeigte sich hoch erfreut darüber, dass beim Schalker Breel Embolo mit den beiden Toren gegen Gladbach genau im richtigen Moment der Knoten geplatzt ist. Auch er hatte seinem in Deutschland hart kritisierten Offensivspieler in einem Gespräch Mut gemacht. «Er ist ein guter und seriöser Junge», sagt Petkovic. «Wir brauchen das Lachen in seinem Gesicht.»

Und am Freitag drei weitere Punkte. «Ungarn muss die beiden auf den Färöer Inseln verlorenen Punkte wettmachen», sagt Petkovic. «Es wird alles unternehmen, um uns zu schlagen», sagt Petkovic.