Tennis
Weshalb Federer trotzdem in den Top Ten der Welt bleibt – die wichtigsten Antworten nach der Knie-Operation

Roger Federer musste sich erneut am rechten Knie operieren lassen, beendet die Saison vorzeitig und kehrt erst im nächsten Jahr in den Tennis-Zirkus zurück. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

Simon Häring
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Roger Federer beendet die Saison vorzeitig.

Roger Federer beendet die Saison vorzeitig.

Lukas Coch/EPA

Wie ist die lange Pause zu bewerten?

Seit Mitte März und bis mindestens Ende Juli ruht der Spielbetrieb. An einer Telefonkonferenz vom Mittwoch berieten die wichtigsten Vertreter der Grand-Slam-Turniere, der ATP (Profi-Vereinigung der Männer), der WTA (Profi-Vereinigung der Frauen) und des internationalen Tennisverbands ITF über die Fortsetzung der Saison. Zwar gibt es Bestrebungen, die US Open und die French Open durchzuführen, doch angesichts der weltpolitischen Lage scheint das illusorisch. Zudem besteht unter den Weltbesten keine Einigkeit. Federers Entscheidung ist als Vorsichtsmassnahme mit Weitsicht und Kalkül zu verstehen. Denn selbst durch die nun fast einjährige Pause bleibt er in der Weltspitze.

Welche Auswirkungen hat die Pause auf die Weltrangliste?

Wegen der Corona-Pandemie sind die Auswirkungen nur gering. Abgesagt wurde die Rasensaison, in der Federer im Vorjahr mit dem Finaleinzug in Wimbledon und dem Turniersieg in Halle brilliert hatte und dabei 1700 Punkte gesammelt hat. Diese fallen erst in einem Jahr aus der Wertung, wie die 720 Punkte, die Federer bei seinem einzigen Turnier des Jahres, den Australian Open, mit dem Halbfinaleinzug gewonnen hat. Federer totalisiert sicher 2420 Punkte auf sich. Zudem ist davon auszugehen, dass weitere Turniere abgesagt werden müssen. Mit den 2420 Punkten bleibt er trotz Pause in den Top Ten der Weltrangliste. 2017 war Federer bis auf Platz 17 abgerutscht. Und gewann bei seiner Rückkehr die Australian Open.

Das sind alle 103 Turniersiege von Roger Federer:

103. Titel, Basel 2019 Alex De Minaur 6:2, 6:2
103 Bilder
102. Titel, Halle 2019 David Goffin 7:6, 6:1
101. Titel, Miami 2019 John Isner, 6:1, 6:4
100. Titel, Dubai 2019 Stefanos Tsitsipas. 6:4, 6:4
99. Titel, Basel 2018 Marius Copil, 7:6, 6:4
98. Titel, Stuttgart 2018 Milos Raonic, 6:4, 7:6
97. Titel, Rotterdam 2018 Grigor Dimitrov, 6:2, 6:2
96. Titel, Australian Open 2018 Marin Čilić, 6:2, 6:7, 6:3, 3:6, 6:1
95. Titel, Basel 2018 Juan Martín del Potro, 6:7, 6:4, 6:3
94. Titel, Shanghai 2017 Rafael Nadal, 6:4, 6:3.
93. Titel, Wimbledon 2017 Marin Cilic, 6:3, 6:1, 6:4
92. Titel, Halle 2017 Alexander Zverev, 6:1, 6:3
91. Titel, Miami 2017 Rafael Nadal, 6:3, 6:4
90. Titel, Indian Wells 2017 Stan Wawrinka, 6:4, 7:5.
89. Titel, Australian Open 2017 Rafael Nadal, 6:4, 3:6, 6:1, 3:6, 6:3.
88. Titel, Basel 2015 Rafael Nadal, 6:3, 5:7, 6:3.
87. Titel, Cincinnati 2015 Novak Djokovic, 7:6 (7:1), 6:3.
86. Titel, Halle 2015 Andreas Seppi, 7:6 (7:1), 6:4
85. Titel, Istanbul 2015 Pablo Cuevas, 6:3, 7:6 (13:11)
84. Titel, Dubai 2015 Novak Djokovic, 6:3, 7:5.
83. Titel, Brisbane 2015 Milos Raonic, 6:4, 7:6, 6:4. - Es war Federers 1000. ATP-Karriere-Sieg.
82. Titel, Basel 2014 David Goffin, 6:2, 6:2.
81. Titel, Schanghai 2014 Gilles Simon, 7:6 (8:6), 7:6 (7:2)
80. Titel, Cincinnati 2014 David Ferrer, 6:3, 1:6, 6:2.
79. Titel, Halle 2014 Alejandro Falla, 7:6, 7:6
78. Titel, Dubai 2014 Tomas Berdych, 3:6, 6:4, 6:3.
77. Titel, Halle 2013 Michail Juschni, 6:7 (5:7), 6:3, 6:4.
76. Titel, Cincinnati 2012 Novak Djokovic, 6:0, 7:6 (9:7)
75. Titel, Wimbledon 2012 Andy Murray 4:6, 7:5, 6:3, 6:4
74. Titel, Madrid 2012 Tomas Berdych 3:6, 7:5, 7:5.
73. Titel, Indian Wells 2012 John Isner, 7:6, 6:3.
72. Titel, Dubai 2012 Andy Murray, 7:5 6:4.
71. Titel, Rotterdam 2012 Juan Martin Del Potro, 6:1, 6:4.
Federer feiert 2011 an den ATP World Tour Finals in London den 70. Titel im 100. Final Jo-Wilfried Tsonga, 6:3, 6:7, 6:3
69. Titel in Paris-Bercy Jo-Wilfried Tsonga, 6:1, 7:6
68. Titel in Basel 2011 Kei Nishikori, 6:1, 6:3
67. Titel in Doha 2011 Nikolay Davydenko, 6:3, 6:4
66. Titel an den World Tour Finals in London 2010 Rafael Nadal, 6:3, 3:6, 6:1
65. Titel in Basel 2010 Novak Djokovic, 6:4, 3:6, 6:1
64. Titel in Stockholm 2010 Florian Mayer, 6:4, 6:3
63. Titel in Cincinnati 2010 Mardy Fish, 6:7, 7:6, 6:4
62. Titel: Federer gewinnt die Australian Open 2010 Andy Murray, 6:3, 6:4, 7:6
61. Titel in Cincinnati 2009 Novak Djokovic, 6:1, 7:5
60. Titel: Wimbledon 2010 Andy Roddick, 5:7, 7:6, 7:6, 3:6, 16:14
59. Titel: Ein emotionaler Titel! Federer gewinnt 2009 endlich die French Open in Paris Robin Söderling, 6:1, 7:6, 6:4
58. Final in Madrid 2009 Rafael Nadal, 6:4, 6:4
57. Final in Basel 2008 David Nalbandian, 6:3, 6:4
56. Titel: Federer gewinnt die US Open 2008 Andy Murray, 6:2, 7:5, 6:2
55. Titel in Halle 2008 Halle. Philipp Kohlschreiber, 6:3, 6:4
54. Titel in Estoril 2008 Nikolay Davydenk0, 7:6, 1:2 (w.o.)
53. Titel in Schanghai 2007 David Ferrer, 6:2, 6:3, 6:2
52. Titel in Basel 2007 Jarkko Nieminen, 6:3, 6:4
51. Titel: US Open-Sieg 2007 Novak Djokovic, 7:6, 7:6, 6:4
50. Titel in Cincinnati 2007 James Blake, 6:1, 6:4
49. Titel: Skpektakulärer Wimbledon-Triumph 2007 Rafael Nadal, 7:6, 4:6, 7:6, 2:6, 6:2
48. Titel in Hamburg 2007 Rafael Nadal, 2:6, 6:2, 6:0
47. Titel in Dubai 2007 Mikhail Juschni, 6:4, 6:3
46. Titel: Federers Sieg an den Australian Open 2007 Fernando Gonzalez, 7:6, 6:4, 6:4
45. Titel in Schanghai 2006 James Blake, 6:0, 6:3, 6:4
44. Titel in Basel 2006 Fernando Gonzalez, 6:3, 6:2, 7:6.
43. Titel in Madrid 2006 Fernando Gonzalez, 7:5, 6:1, 6:0
42. Titel in Tokio 2006 Tim Henman, 6:3, 6:3
41. Titel: Federer gewinnt 2006 auch die US Open Andy Roddick, 6:2, 4:6, 7:5, 6:1
40. Titel in Toronto 2006 Richard Gasquet, 2:6, 6:3, 6:2
39. Titel, Federer gewinnt 2006 Wimbledon Rafael Nadal, 6:0, 7:6, 6:7, 6:3
38. Titel in Hamburg 2006 Tomas Berdych, 6:0, 6:7, 6:2
37. Titel in Miami 2006 Ivan Ljubicic, 7:6, 7:6, 7:6
36. Titel in Indian Wells 2006 James Blake, 7:5, 6:3, 6:0
35. Titel: Ein emotionaler Titel: Federer gewinnt 2006 die Australian Open Marcos Baghdatis, 5:7, 7:5, 6:0, 6:2
34. Titel in Doha 2006 Gaël Monfils, 6:3, 7:5
33. Titel in Bangkok 2005 Andy Murray, 6:3, 7:5
32. Titel: Federer gewinnt 2005 die US Open Andre Agassi, 6:3, 2:6, 7:6, 6:1
31. Titel in Cincinnati 2005 Andy Roddick, 6:3, 7:5
Federer gewinnt Wimbledon 2005, sein 30. Titel Andy Roddick, 6:2, 7:6, 6:4
29. Titel in Halle 2005 Marat Safin, 6:4, 6:7, 6:4
28. Titel in Hamburg 2005 Richard Gasquet, 6:3, 7:5, 7:6
27. Titel in Miami 2005 Rafael Nadal, 2:6, 6:7, 7:6, 6:3, 6:1
26. Titel in Indian Wells 2005 Lleyton Hewitt, 6:2, 6:4, 6:4
25. Titel in Dubai 2005 Ivan Ljubicic, 6:1, 6:7, 6:3
24. Titel in Rotterdam 2005 Ivan Ljubicic, 5:7, 7:5, 7:6
23. Titel in Doha 2005 Ivan Ljubicic, 6:3, 6:1
22. Titel in Houston 2004 Lleyton Hewitt, 6:3, 6:2
21. Titel in Bangkok 2004 Andy Roddick, 6:4, 6:0
Federer gewinnt zum ersten Mal die US Open, sein insgesamt 20. Titel Lleyton Hewitt, 6:0, 7:6, 6:0
19. Titel in Toronto 2004 Andy Roddick, 7:5, 6:3
18. Titel in Gstaad 2004 Igor Andrejev, 6:2, 6:3, 5:7, 6:3
Der zweite Wimbledon-Titel 2004: Sein insgesamt 17. Titel Andy Roddick, 4:6, 7:5, 7:6, 6:4
16. Titel in Halle 2004 Mardy Fish, 6:0, 6:3
15. Titel in Hamburg 2004 Guillermo Coria, 4:6, 6:4, 6:2, 6:3
14. Titel in Indian Wells 2004 Tim Henman, 6:3, 6:3
13. Titel in Dubai 2004 Feliciano Lopez, 4:6, 6:1, 6:2
Der erste Autralian Open-Sieg: Jahr 2004, sein 12. Titel Marat Safin, 7:6, 6:4, 6:2
11. Titel in Houston 2003 Andre Agassi, 6:3, 6:0, 6:4
10. Titel in Wien 2003 Carlos Moya, 6:3, 6:3, 6:3
Federers erster Grand Slam-Sieg: Wimbledon 2003 Mark Philippoussis, 7:6, 6:2, 7:6
8. Titel in Halle 2003 Nicolas Kiefer, 6:1, 6:3
7. Titel in München 2003 Jarkko Nieminen, 6:1, 6:4
6. Titel in Dubai 2003 Jiri Novak, 6:1, 7:6
5. Titel in Marseille 2003 Jonas Bjorkman, 6:2, 7:6
4. Titel in Wien 2002 Jiri Novak, 6:4, 6:1, 3:6, 6:4
3. Titel in Hamburg 2002 Marat Safin, 6:1, 6:3, 6:4
2. Titel in Sydney 2002 Juan Ignacio Chela, 6:3, 6:3
Roger Federers erster Titel auf der ATP-Tour, Mailand 2001 Julien Boutter, 6:4, 6:7, 6:4

103. Titel, Basel 2019 Alex De Minaur 6:2, 6:2

Keystone

Wie sieht Federers Fahrplan bis im Januar aus?

Wohl ähnlich wie vor vier Jahren, als er ein erstes Mal seine Saison im Sommer abbrach. Damals pausierte er vier Wochen, ehe er einen Aufbau mit Fitnesstrainer Pierre Paganini absolvierte. Durch die Entspannung der Corona-Lage in Europa und die schrittweise Lockerung der Reisebeschränkungen eröffnet sich Federer die Möglichkeit, den Aufbau an seinem Zweitwohnsitz in Dubai zu absolvieren. Erst später dürfte er wieder zum Tennisracket greifen. Für den ATP-Cup im Januar dürfte sich die Schweiz ohne Federer kaum qualifizieren. Möglich wäre eine Rückkehr Anfang Januar in Doha, Adelaide oder Auckland. Oder Federer bestreitet die Australian Open, ohne zuvor ein Turnier gespielt zu haben.

Was bedeutet die Pause für die weitere Karriere?

Die durch die Coronakrise bedingte Pause dürfte Federers Karriere um mindestens ein Jahr verlängert haben. Ohne diese wäre der Baselbieter in der Weltrangliste weit abgerutscht, der Weg zurück an die Weltspitze wäre lang und beschwerlich gewesen. Vielleicht zu beschwerlich für einen, der im August seinen 39. Geburtstag feiert, vierfacher Vater ist, eine grosse Stiftung präsidiert und es sich zum Ziel gesetzt hat, auch nach der Karriere ein beschwerdefreies Leben zu führen. Federers grosse Ziel dürfte die Teilnahme in Wimbledon sein, wo er seinen neunten Titel anstrebt. Zudem möchte er Ende Juli in Tokio zum fünften Mal in seiner Karriere an Olympischen Spielen teilnehmen. Es dürfte seine letzte Chance auf Gold im Einzel sein.

Gelingt Federer eine ähnlich zauberhafte Rückkehr wie 2017?

Wieso nicht? Roger Federer stand im Vorjahr im Wimbledon-Final, wo er zwei Matchbälle hatte und 14 Ballwechsel mehr gewann als Novak Djokovic – aber eben nicht den letzten. Sollte Federer in London gesund sein, zählt er als achtfacher Sieger erneut zu den Anwärtern auf den Titel. Dass er sich nun einem weiteren Eingriff unterziehen musste und eine längere Pause einlegt, könnte zwar einerseits ein Hinweis darauf sein, dass die Verletzung gravierender ist als beim Meniskusriss 2016. Als sehr viel wahrscheinlicher erscheint aber, dass Roger Federer seine Situation unter Berücksichtigung der weltpolitischen Lage und mit Blick auf die Zukunft neu beurteilt hat und kein unnötiges Risiko eingehen will.