Dominique Aegerter (26) ist nicht da. Während sein ehemaliger Teamkollege Tom Lüthi (26) heute am frühen Morgen beim GP von Malaysia um den WM-Titel fuhr, sass der Oberaargauer in Zürich im TV-Studio und kommentierte mit Claude Jaggi das Moto2-Rennen aus dem fernen Südostasien.

Und doch ist er vor Ort ein Gesprächsthema. Wie meistens in solchen Fällen, gehören die Sympathien dem Fahrer. Dominique Aegerter hat beim Team der Gebrüder Stefan und Jochen Kiefer einen Einjahresvertrag für nächste Saison unterschrieben. Dafür ist er von seiner bisherigen Mannschaft für den Rest der Saison auf die Strasse gestellt worden. «Für mich nach wie vor unverständlich» sagt sein neuer Teamchef Stefan Kiefer.

«Aber ich kenne die Umstände nicht und sie interessieren mich auch nicht mehr. Die ganze Geschichte hat für uns keine Bedeutung. Dominique Aegerter beginnt bei uns im guten Sinne bei null.» Die Zielsetzung: In die Top Ten der Moto2-WM 2017. Inzwischen ist die neue Saison aufgegleist. Am 16. und 17. November wird Aegerter zum ersten Mal mit seinem neuen Team im südspanischen Jerez die neue Suter testen.

Das Vertrauen gebrochen

Aegerters bisheriger Teamchef Fred Corminboeuf gibt sich inzwischen staatsmännisch gelassen. «Ich kenne Dominique, seit er vor elf Jahren in den GP-Zirkus gekommen ist. Zehn hektische Tage können zehn gute Jahre nicht vergessen machen.» Den Entscheid, seinen Fahrer freizustellen, hält er nach wie vor für richtig und begründet ihn mit einem Wort: «Vertrauensbruch».

Wer was wem wann gesagt hat und wie es zu diesem Bruch gekommen ist – darüber mag Corminboeuf nicht diskutieren. Muss er ja auch nicht. Die Erfolge Tom Lüthis seit der «Scheidung» von Aegerter geben ihm recht. Und für Tom Lüthi ist alles längst vorbei und vergessen. «Obwohl ich wusste, dass es Spannungen gab, hat mich die Trennung überrascht. Ich habe mich mit Dominique darüber am Telefon unterhalten. Wir hatten es gut miteinander und das wird so bleiben.»

Aegerter ersetzt im Kiefer-Team den Portugiesen Miguel Oliveira. Oliveira fällt derzeit verletzungshalber aus (Schlüsselbeinbruch) und wird in Malaysia durch den Italiener Alessandro Nocco ersetzt. Jochen Kiefer sagt: «Wenn er nicht rechtzeitig fit sein sollte, dann setzen wir im letzten Rennen in Valencia Dominique Aegerter als Ersatzfahrer ein.» Der erste Arbeitstag beim neuen Team wäre in diesem Falle für Aegerter bereits der 11. November – der Fasnachtsanfang.