Deutschland-Cup
Weshalb die Schweizer Nati auf das Phänomen Langnau hoffen muss

Eishockey Die Kanadier proben für Olympia und besiegen die Schweiz 3:0

Klaus Zaugg, Augsburg
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Die Schweizer zeigen gegen Kanada in der Defensive eine solide Leistung. Keystone

Die Schweizer zeigen gegen Kanada in der Defensive eine solide Leistung. Keystone

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Ausgerechnet Langnau ist unsere Hoffnung. Langnau? Gestern hat doch unsere Nationalmannschaft in Augsburg beim Deutschland-Cup kläglich 0:3 gegen Kanada verloren! Ja, so ist es. Aber die Parallelen zu den SCL Tigers sind tröstlich. So wie die Schweiz unter Patrick Fischer hat auch Langnau unter Scott Beattie wildes «Pausenplatz-Hockey» gespielt. Dann kam Heinz Ehlers, machte Ordnung und seither ist alles gut. Aber Ehlers hatte das erste Spiel mit Langnau auch 0:3 verloren. Genau so wie gestern die Schweizer. Dann haben die Langnauer die zweite Partie unter dem neuen Trainer gewonnen.

Defensiv solid

Die Schweizer also wie Langnau? Mit einem Sieg im zweiten Spiel unter dem neuen Trainer heute gegen Deutschland? Durchaus möglich. Bei der Nationalmannschaft hat es zwar formell keinen Trainerwechsel gegeben. Der Nationalcoach heisst nach wie vor Patrick Fischer. Aber er hat nur noch eine repräsentative Rolle wie die Königin von England. Die Politik bzw. die Taktik macht ab sofort sein neuer schwedischer Assistent, der defensive Hexenmeister Tommy Albelin. Wir haben sozusagen einen neuen Nationaltrainer.

Bereits in diesem ersten Spiel war seine Handschrift gut zu erkennen. Die Schweizer sind zur taktischen Realität zurückgekehrt. Defensiv solid (kein Tor bei fünf gegen fünf), aber offensiv ohne Kreativität, Mut und Risikobereitschaft. Daher die sang- und klanglose 0:3-Pleite. Und die Schweizer hatten auch noch Pech: Die Kanadier nehmen den Deutschland-Cup ausnahmsweise ernst. In den letzten Jahren sind sie nur mit Operetten-Teams angetreten. Grösstenteils zusammengestellt mit Spielern, die in der DEL und der NLA spielen. Und an der Bande stand ein Operetten-Coach aus der DEL. Da hatten wir immer gute Siegeschancen.

Die Kanadier blicken voraus

Gestern war alles anders. Die Kanadier proben beim Deutschland-Cup für Olympia 2018. Nach wie vor ist offen, ob die NHL ihre Spieler fürs olympische Turnier 2018 freigibt. Wenn diese Freigabe ausbleibt, dann müssen die Kanadier ein Team aus den in den europäischen Ligen beschäftigten Spielern zusammenstellen. Sie haben deshalb die Legende Dave King (68), schon Cheftrainer bei den olympischen Turnieren von 1984, 1988 und 1992 reaktiviert. «Wir bereiten uns auf den Fall vor, dass wir ohne NHL-Spieler das olympische Turnier bestreiten müssen», sagt King.

Die Kanadier proben also den Ernstfall Olympia und das erklärt ihr ungewohnt seriöses Auftreten. Und natürlich lobt King die Schweizer. «Ihre Spielweise hat mir sehr gefallen.» Er ist ja ein glühender Liebhaber des defensiven Hockeyschachs. Nur etwas hat ihn irritiert: «Wo waren die Emotionen?» Nun, wenn wir wissen, dass die Schweizer grad am Umlernen sind, dann verstehen wir ihre emotionslose Spielweise. Nach dem wilden Treiben auf dem Pausenplatz sitzen sie jetzt auf der taktischen Schulbank. Ein Lernprozess ist in erster Linie Kopfsache. Und nicht eine emotionale Angelegenheit.