Unai Emery war ein Angsthase. Früher – als Spieler. «Er hatte viel Talent, aber wenn es drauf ankam, konnte er sein Potenzial nie abrufen», erinnert sich Mikel Jauregui, einer von Emerys ersten Trainern und heute seine rechte Hand in Paris. Im Training zauberte der Flügel, in den Spielen blieb er ein Schatten seiner selbst. «Natürlich wollte ich spielen, aber meine Zweifel waren grösser», sagt Emery.

Unai Emery wird im November 1971 in Hondarribia, im Baskenland unweit der französischen Grenze, in eine Fussball-Familie hineingeboren. Sowohl sein Grossvater als auch sein Vater waren dem runden Leder zugetan. Beide waren sie Torhüter. Antonio, Emerys Grossvater, nannten sie Pajarito, den kleinen Vogel. Er hütete das Tor von Real Club Irun und ging in die Geschichte des spanischen Fussballs ein. Als Goalie, der das erste offizielle Tor in der 1928 neu gegründeten Primera Division kassierte. Auch Juan, sein Vater, spielte im Tor von Real Club Irun.

Unai Emery war bereits einmal im St. Jakob-Park - als Trainer des FC Sevilla im Rahmen des Europa-League-Finals gegen Liverpool dieses Jahr.

Unai Emery war bereits einmal im St. Jakob-Park - als Trainer des FC Sevilla im Rahmen des Europa-League-Finals gegen Liverpool dieses Jahr.

Wann immer Emery Zeit findet, besucht er seine Heimat im Nordosten Spaniens. Er ist ein Kind des Meeres, sagt: «Ich bin gern am Strand, geniesse es, zu schwimmen und der Küste entlangzuschlendern.» Seine Mutter geht noch heute praktisch jeden Tag im Meer schwimmen. Auch im Winter. So diszipliniert ist Unai als Kind nicht. Er ist ein Schlitzohr, nie um einen Spruch verlegen, immer ein Lachen im Gesicht. «Er hatte immer und jedem etwas zu sagen», erinnert sich Mikel Etxarri, einer seiner Trainer bei Real Sociedad, wo es Emery auch dank der Unterstützung seines Vaters in den Nachwuchs schafft.

Ein Körper aus Glas

Emery ist klein, sein Körper fragil. Er ist knapp 20, als er sich im Training das Knie kaputt macht. Da war er unter dem walisischen Trainer John Toshack, heute 67 Jahre alt, gerade auf dem Sprung in die erste Mannschaft. Er bringt es auf fünf Einsätze in der Primera Division, ein Tor. Doch die Verletzung wirft ihn aus der Bahn. OP, Entzündung des Knies – rund ein Jahr ist er Anfang zwanzig ausser Gefecht. Zurück in die Primera schafft er es nie mehr. Sein Onkel Roman meint: «Er war zerbrechlich, ihm fehlte die Physis.»

Emery ist eher von schmächtiger Figur, hier gut erkennbar im Vergleich mit Liverpool-Coach Jürgen Klopp.

Emery ist eher von schmächtiger Figur, hier gut erkennbar im Vergleich mit Liverpool-Coach Jürgen Klopp.

1996 wechselt Emery zu Toledo in die Segunda Division, vier Jahre später zu Racing de Ferrol, in die Geburtsstadt Francos in Galizien. Hier beginnt er mit der Trainer-Ausbildung, fährt jeweils nach den Trainings 50 Kilometer Richtung Südwesten nach La Coruña für die Kurse. Via Leganes landet er als Spieler 2002 in Lorca in der Segunda B, der dritthöchsten Liga Spaniens.

An Weihnachten 2004 folgt der fliegende Wechsel vom Spielfeld auf die Trainerbank. Pedro Reverte, damals Sportchef von Lorca, erinnert sich: «Er hatte Probleme mit dem Knie, konnte kaum trainieren. Dem Team lief es nicht. Mir gefiel, wie er sprach, wie er Fussball verstand. Also habe ich ihn dem Präsidenten als Trainer vorgeschlagen.»

Mit Paris auf den Thron?

Nach dem Jahreswechsel fand sich Emery in neuer Rolle wieder, führte sein Team aus dem Abstiegssumpf bis in die Aufstiegsplayoffs, wo er auf Real Union Irun, den Klub seiner Vorfahren traf, und den Aufstieg in die Segunda Division schaffte. «Es ist verrückt, was er mit diesem Team gemacht hat», erinnert sich Reverte.

Die Überzeugung, der Biss, der ihm als Spieler fehlte – als Trainer ist er ganz anders. Unermüdlich, ehrgeizig, fordernd. Noch heute arbeitet er täglich bis 2, 3 Uhr in der Nacht, studiert Videos der Gegner, seines Teams, analysiert. Bespricht er seine Analysen dann mit dem Team, kann es locker einmal zwei Stunden dauern. Im Training schiebt er Spieler rum wie Schachfiguren, brüllt, motiviert und gestikuliert.

Nach Almeria, Valencia und Spartak Moskau landet er 2013 in Sevilla. Dreimal in Serie gewinnt er die Europa League. Jetzt soll er für Nasser AlKhelaifi Paris St. Germain auf den Thron führen, auf den Thron der Königsklasse. Doch mit Paris ist er noch in der Findungsphase. Trotzdem: Als Trainer strotzt Emery vor Selbstvertrauen. Angst hat er vor nichts und niemandem mehr. Auch nicht vor dem FC Basel.